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- 71 - Der Mann, der nicht sterben konnte

Kommentar von kruttan :

Da ist nun das erste Hörspiel unter neuer Führung. Dass Dennis Ehrhardts Handschrift sich deutlich von der Oliver Dörings unterscheidet, sei gleich gesagt.

Ehrhardt hat es nicht leicht, Dörings Nachfolge anzutreten. Zum einen hat Döring in über 80 Sinclair-Produktionen der Hörspiel-Reihe schon eine sehr charakteristische Note gegeben, an die sich der Hörer gewöhnt hat, zum anderen startet er mit der Umsetzung eines Romans, der einige Schwächen aufweist und in dem darüber hinaus noch der KGB eine beträchtliche Rolle spielt.

*Stilistische Änderungen:*

Weniger Schock-Effekte - aber schön viele Leichen. Eine düstere und verstörende Atmosphäre soll aufgebaut werden. Lübbe wollte gemäß eigener Angaben in den neuen Hörspielen mehr auf Atmo setzen.

Dazu trägt auch die Wahl einer neuen Erzählerin (!) bei. Das hat etwas von einer Homage an die alten Sinclair-Hörspiele. Die Frau macht ihre Sache aber sehr gut und die Sprecherin ist eine ausgezeichnete Wahl. Am Anfang hätte ich mir gewünscht, sie etwas lauter abgemischt zu haben, um sie auch als Erzählerin zu identifizieren. Ihre Stimme trägt aber mit ihrem kühlen Stil zu einer unheimlichen Atmosphäre bei, ich freue mich schon auf (hoffentlich auch längere) Texte von ihr in den kommenden Hörspielen. Sicherlich ist der Abschied von Kerzel ein wenig schade, aber der Mann ist früher in der Serie aus gesundheitlichen Gründen schon einmal ausgefallen. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Erzählerbesetzung zu wechseln.

Döring setzte viel daran, dem Hörer immer wieder klar zu machen, dass die Serie nach dem Jahr 2000 spielt. Die Sache gestaltet sich bei Ehrhardt ein wenig anders. John und Suko bekommen ihre Infos zwar per Handy und nutzen auch ein Navi, aber insgesamt geht man dezent mit Anspielungen auf die aktuelle Zeit um. Somit könnte die Geschichte zwar auch früher spielen, die künfrigen Hörspiele werden so aber in 15 Jahren nicht so veraltet klingen wie es manche ihrer Vorgänger dann tun werden.

Das alte Intro ging mir schon länger auf die Nerven. Mit dem neuen Stil würde es sich auch beißen, da war es nur konsequent, dieses Intro zu ersetzen. Aber auch das neue Intro finde ich jetzt nicht besser. Es ist nicht sonderlich kreativ und unnötig. Es unterbricht wie das alte den Fluss der Erzählung - aber wenigstens ist es weniger Text. Vielleicht sollte man bei Lübbe überlegen, das Intro einfach ganz wegzulassen.

Ein Pluspunkt liegt auf jeden Fall in den Dialogen. Auch darf es an dezentem Humor und einiger Verschrobenheit mancher Nebencharaktere nicht fehlen (was die Vorlage aber auch anbietet). Der Gegenspieler bekommt einige herrlich diabolische Zeilen. Es macht einfach Spaß, die Charaktere reden zu hören. Gerade in diesem Hörspiel müssen die Dialoge auch die dünne Handlung der Romanvorlage überdecken.

Es sind nicht die stilistischen Änderungen, die die Schwächen des Hörspiels ausmachen. Der Stil ist anders, aber er hat was für sich. Es geht Ehrhradt nicht darum, den Hörer mit Tempo und Effekten bei Laune zu halten. Er will eine düstere Atmosphäre aufbauen. Das Hörspiel hört sich wie ein Mix aus TSB, ED2000 und Larry Brent - wobei hier die positiven Dinge übernommen wurden. Das mag für manchen zunächst ungewohnt klingen, aber man sollte sich nicht nur auf das fixieren, was anders ist - sondern sich einfach mal darauf einlassen.

Ich fühle mich in diesem Stil prächtig unterhalten. Und nach über 80 Hörspielen (mit Classics) tut Abwechslung auch gut. Gerade die 1-Punkt-Amazon-Rezensionen führen meist nur auf, was anders ist (manche kreiden dem Hörspiel sogar den Sprecheraustausch von John in den Classics an...) und trennen den Stil meist auch nicht von der Story - die wirklich nicht viel her gibt und auf das Konto von Jason Dark geht. Denn was Ehrhardt letztendlich hindert, ein wirklich gutes Hörspiel abzuliefern, ist die dünne Story.


* Inhalt des Hörspiels:*

Wer diese Romanauswahl getroffen hat, weiß ich nicht. Es war aber eine ungünstige Wahl und Ehrhardt muss (laut Lübbe in Absprache mit Jason Dark) mehrmals in die Story eingreifen, um diese überhaupt zufriedenstellend (und in der heutigen Zeit spielend) umsetzen zu können.

Achtung jetzt folgen Spoiler: 1. Positiv ist, dass Dennis Ehrhardt dem unsterblichen Fjodor Rankin einen guten Grund gibt, nach England zu kommen. Im Roman wird der Mann 70 Jahre nach dem Tunguska-Vorfall vom KGB nach London geschickt, damit er sein Erbe geltend machen kann (so verstehe ich es zumindest, viel Sinn ergibt das allerdings nicht). Ganz so an den Haaren herbeigezogen geht es bei der Hörspiel-Adaptation nicht zu. So baut Ehrhardts einen neuen Erzählstrang ein, der so in dem Roman nicht vorkommt. [ACHTUNG GROßER SPOILER]: Während im Roman John und Suko gemeinsam mit dem Sohn von Lord Rankin den Mann aufzuhalten versuchen, wechselt der Sohn in dieser Version die Seite und hat den Verwandten erst nach England geholt, um sich gemeinsam mit ihm das Erbe seines Vaters unter den Nagel zu reißen. Diese Änderung ist bitter nötig und auch eine recht gute Idee. Allerdings überzieht Ehrhardt hier ein wenig [ACHTUNG: NOCH EIN SPOILER]: Warum musste der junge Mann seine Frau ermorden? Das ist völlig unnötig und wirkt deplatziert.

2. Das zweite Problem besteht auch in der Buchvorlage. Jason Dark erschafft einen Gegenspieler, der nicht sterben kann. Das führt natürlich zu einem erheblichen Problem. Im Roman enthauptet John den Mann dann am Ende mit dem Bumerang. Warum das klappt, wird dort nicht geklärt. Als Erklärung wird hier vielleicht die Eigenlogik der Sinclair-Romane herhalten müssten, dass einfach alle anderen Waffen nicht klappen und John diese Waffe auf der letzten Seite herausholt. Dennoch ist diese Lösung im Roman ein Desaster und völlig unlogisch. Man merkt bei der Bearbeitung förmlich, wie Erhardt mit dem Problem ringt, einen Unsterblichen zu töten zu müssen. [SPOILER!] Wenn John und Lady Sarah sich unterhalten, wie der Unsterbliche mit dem Bumerang auszuschalten sei, klingt dies wie eine Anspielung und Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Romanhandlung. Mithilfe eines ultra präzisen Bumerang-Wurfs befördert John das Amulett aus der Hand Fjodors - und er stirbt. Allerdings: Wir haben in der ersten Szene gehört, dass Fjodor vor über 50 Jahren nicht getötet werden konnte, als ihm das Amulett abgenommen wurde. Warum es diesmal ging, versucht Ehrhardt noch mit einem Gerichtsmediziner nachzuholen, der angibt, dass Fjodor ungefähr zu der Zeit gestorben sein muss, als er vor 50 Jahren von seiner Frau erstochen wurde (zu einem Zeitpunkt, als er die Kette nicht trug). Selbst abgesehen von der Frage, wie ein Mediziner den Todeszeitpunkt einer skelettierten Leiche noch am Tatort so genau bestimmen kann: Das Problem, dass hier einfach mal jemand stirbt, der nicht sterben kann, bleibt weiterhin bestehen. Nur sei angemerkt, dass Dark dieses Problem schon vor fast 30 Jahren konzipiert hat und wir es nicht Ehrhardt allein ankreiden können (und Dark wohl auch keine besseren Ideen bei der Bearbeitung hatte, da er die Hörspiel-Skripts ja auch immer absegnet und mitredet).

Die Romanvorlage ist schwach. Die eigentlich recht interessante Idee ist sehr ausbaufähig. Um daraus eine wirklich überzeugende Geschichte zu machen, gehen die Änderungen einfach nicht weit genug. Man versucht zu retten, was zu retten ist, ohne den Roman völlig neu zu schreiben (was nötig gewesen wäre).


* Fazit: *

Eine schwache Story, solide umgesetzt. Ein mittelmäßiges Hörspiel. Ich bin gespannt, was Ehrhardt aus einer guten Romanvorlage macht. Wer immer das gleiche hören will, sollte einfach eine der alten Folgen nochmal einlegen, denn Dinge sind anders. Wenn das Hauptkriterium für ein gutes Hörspiel die dogmatische Festhaltung an Dörings Stil ist, dann sollte man die Finger von dem Ding lassen. Aber so schlimm ist das Hörspiel nun auch nicht. Ich gebe 3 von 5 Sternen, da noch Luft nach oben ist.


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> Inhalt des Hörspiels
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