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Wie sehen Sie die aktuelle Lage des Hörspielmarktes?
Sicher sind die großen Zeiten des Hörspiels vorbei, in denen
Jahr für Jahr Millionen von Tonträgern verkauft wurden. Heute
konkurriert eine Vielzahl von Medien um die Aufmerksamkeit
der Konsumenten. Von einer "Rennaissance des Hörspiels", wie
sie einige proklamieren, will ich daher gar nicht reden. Aber
wir beobachten derzeit eine gewisse Rückbesinnung auf das
klassische Hörspiel. Eine wachsende Zahl von Menschen ist
die ständige Dauerberieselung mit immer langweiligeren TV-
und Radioprogrammen leid. Darunter sind übrigens erfreulicherweise
auch viele jüngere Leute, die das Hörspiel zum Teil ganz neu
für sich entdecken. Diese Zielgruppen gilt es mit zeitgemäßen,
interessanten Neuproduktionen zu bedienen.
Ist Ihre Zusammenarbeit mit maritim beendet?
Zur Zeit gibt es keine Zusammenarbeit mit dem Label.
Oder produzieren Sie demnächst noch für maritim?
Nein, neue Produktionen sind in nächster Zukunft nicht geplant.
Was halten Sie persönlich von "Der Magier" bzw. der "Schwarzen
Serie"?
Die Stoffe sind schon sehr spannend. Einige haben ja Kritiken
an den maritim-Produktionen geäußert, aber ich fand es gut,
daß die Hörspiele im Stil der heutigen Zeit produziert worden
sind. Was meine Person betrifft, ist zu bedenken, daß es sich
dabei um Auftragsproduktionen handelte. Da hatte der Label-Chef
natürlich hier und da ein Wörtchen mitzureden.
Was kann man in Zukunft von Ihnen erwarten?
Na, was wohl? Hörspiele natürlich, von denen ich hoffe, daß
sie möglichst vielen gefallen. Popularhörspiele also. Und
Hörbücher, ein Genre, das sich wachsender Beliebtheit erfreut.
Als nächstes werden wir aber erst einmal das Hörspiel "Königshaut"
nach dem gleichnamigen Theaterstück des bayerischen Schriftstellers
Wolfmehl produzieren, ein Autor, der ungewöhnliche Stoffe
schreibt und uns sehr ans Herz gewachsen ist.
Legt EUROPA die Karl May-Hörspiele in Zukunft wieder auf,
evtl. unter dem Banner "Rückkehr der Klassiker"?
Da fragen Sie am besten bei EUROPA nach. Ich persönlich halte
allerdings nicht besonders viel vom bloßen Aufwärmen der alten
Klassiker. Die sollten für sich so stehenbleiben. Die Zeiten
haben sich geändert und mit ihnen die Hörvorstellungen der
Konsumenten. Auch kann man die heutige Produktionstechnik
nicht mehr mit der von früher vergleichen. Das gilt es zu
berücksichtigen.
Es sollen wieder einige Karl-May-Hörspiele von Ihnen produziert
werden, für welches Label und wann kann man damit rechnen?
Das schrieben so einige. Entschieden haben wir aber noch
nichts, sowohl hinsichtlich der Stoffauswahl, als auch bezüglich
eines möglichen Labels. Ein bißchen Geduld also noch ...
Wieviel Jahre sind Sie jetzt schon im Geschäft, und macht
es ihnen immer noch Spaß?
Auf die Gefahr hin, daß man mich jetzt als "altes Eisen"
bezeichnet - das sind mittlerweile 33 Jahre! Was den Lustfaktor
betrifft, der ist ein wichtiges Element für alle Kreativen.
Ohne Spaß gelingt nichts wirklich. Wenn ich keine Freude mehr
am Hörspiel hätte, würde ich mit dem Produzieren sofort aufhören.
Gibt es eine Rolle außer Winnetou, an die Sie sich sehr
gerne erinnern und die Sie gerne gesprochen haben?
Da gab es viele tolle Rollen. Besonders gern erinnere ich
mich aber an "David Balfour", "Popeye", "Mopsy Mops", "Prinz
Eisenherz" - und an den Freitag und den Papageien in "Robinson
Crusoe".
Gibt es witzige Anekdoten von denen Sie uns erzählen können?
Was wollen Sie hören? Als wir mal einen Studioumbau hatten
und der große Schauspieler Werner Hinz für die Aufnahme der
"Chinesischen Nachtigall" kurzerhand aufs Klo verbannt wurde?
Oder Hans Clarin, der nach der "Hui Buh"-Produktion sämtliche
Bänder mitnehmen wollte, weil für die Gage gerade kein Bargeld
da war? Oder meine Mutter: Die klebte nämlich Peter Folkens
erstes "Winnetou"-Manuskript mit Tesafilm wieder zusammen,
das er zuvor in einem Wutanfall in tausend Stücke zerrissen
hatte. Danach klappte es dann auch mit der Serie ...
Mit wem haben Sie gerne produziert, und mit wem war es
auch mal schwieriger?
Das ergäbe eine lange Liste. Ich bin immer sehr gut mit meinen
Schauspielern ausgekommen. Wir hatten stets ein kollegiales
Verhältnis untereinander. Wenn es einmal unterschiedliche
Auffassungen gab, haben wir das vernünftig miteinander geklärt.
Einen Sonderbonus für "Stars" gab es in meinen Produktionen
allerdings nie.
Können Sie die 60er/70er/80er/90er Jahre miteinander vergleichen?
Wenn Sie damit meinen, was die Unterschiede sind: Die 60er-
und 70er Jahre waren die Glanzzeit des Popularhörspiels, in
der Millionen von Tonträgern verkauft wurden. Später, mit
dem Aufkommen von Privatsendern, Videotheken, Computerspielen
oder dem Internet, änderte sich alles. Heute ist das Hörspiel
nur ein Medium von vielen. Schön aber, daß sich immer mehr
Menschen wieder auf dieses einzigartige Medium zurückbesinnen.
Welche Zeit war für Hörspiele aus Ihrer Sicht die beste?
Von den Auflagen her betrachtet, sicher die 70er Jahre. Aber
jede Zeit hat ihre Chancen. Heute können steht uns modernste
Studiotechnik kostengünstig zur Verfügung. Früher mußten wir
manchmal wahre Klimmzüge machen, um bestimmte Aufnahmen aufs
Band zu bekommen.
Möchten sie eine Prognose über die Zukunft des Hörspiels
abgeben?
Ja, was hätten Sie denn gern? Leider kann ich Ihnen nicht
vorhersagen, was die Zukunft bringt. Aber ich bin mir sicher,
daß es Hörspiele immer geben wird - und Hörspielfans. Unsere
Aufgabe - die von Ihnen als Betreiber einer vielbesuchten
Hörspielseite, meiner als Produzent und allen anderen Interessierten
- ist es, das Hörspiel weiter zu popularisieren und möglichst
vielen Menschen nahezubringen. Tun wir´s also!
Vielen Dank für das Interview und viel Glück für die Zukunft!
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