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Du hast mit "Jack the Ripper - Die Geschichte eines
Mörders" ein selbstproduziertes Hörspiel auf den
Markt gebracht, daß es auf Anhieb zum 'Hörspiel der
Woche' geschafft hat. Wie kommt man auf die Idee, ein Hörspiellabel
zu machen ?
Man muss, glaube ich, schlicht und ergreifend Hörspiele
machen wollen, die man selbst gerne kaufen würde, die es
aber nicht gibt. Man muss sich desweiteren inpunkto Stoffe nicht
von einem großen Konzern o.ä. reinreden-lassen-wollen,
das nötige know-how zur Umsetzung des Stoffes mit- und das
nötige Kleingeld aufbringen: das war zumindest bei Ripper
Records der Fall.
Ich, als Autor und Regisseur, habe mein Handwerk durch mehrjährige
Arbeit beim Funk erlernt: Schreiben fürs Hören, Sprechen,
analoger und digitaler Schnitt etc; der Tonmann hat sein Fach
studiert und selbst schon einige Hörspiele produziert; der
Illustrator kann illustrieren und der Grafiker ist ebenfalls vom
Fach. Wenn man dann noch wen kennt, der für einen guten Webauftritt
sorgt, hat man die besten Voraussetzungen, um ein eigenes Label
zu machen.
Wer ist , wer hilft und wer steckt hinter 'Ripper Records'
- gerne auch finanziell ?
Hinter RR stecken: Frank Gustavus als Autor, Regisseur und Produzent,
Jack Jingles (ein guter Freund des Hauses) als Webman, Presseattaché
und Typberater, das Beating-Heart-Studio HH (Manni, ich hoffe,
Du bist weiterhin dabei ;-),
der Illustrator Dominik Krause-Paulus und der Grafiker Holger
Albertini (Musiker-Kollegen aus fast vergangenen Tagen), viele
Freunde und Ideengeber, eine Familie und natürlich der Ripper
Records-Aufsichtsrat.
Kannst Du was zu Entstehungsgeschichte des Rippers erzählen
- von Anfang an ?
Ich habe vor 2 Jahren mit der Recherche zum Thema Jack
the Ripper begonnen, mir einige Sachbücher ausgeliehen
und alles rausgeschrieben, was mir wichtig erschien- ein Hörspiel
war damals noch gar nicht geplant. Ein halbes Jahr später
sah ich im TV eine Doku, nach der es sich bei dem Täter um
den amerikanische Quacksalber Francis Tumblety gehandelt haben
soll. Die Idee zum Hörspiel wuchs und die ersten Szenen entstanden
im Notizblock. Dann entdeckte ich in einer Bibliothek das Tagebuch
des James Maybrick, lieh es aus, las es- und wusste: DAS ist die
Geschichte, die du erzählen musst!!! (Für mich ist es
die bisher schlüssigste Variante des Falles, obwohl die Tumblety-Version
natürlich ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist. Die
Variante, die im nächsten Jahr mit Johnny Depp als Insp.
Abberline (!), in die Kinos kommt, ist nicht meine favorisierte-
aber jeder so, wie er meint!)
Ich stellte meine Besetzung zusammen, und von Anfang an war klar,
dass Dietmar Mues mein ''Ripper'' sein muß; zum Rest der
Besetzung komme ich dann später. Die Aufnahmen wurden gemacht
und dann folgte halt die Produktion, zu der Ihr aber ein gesondertes
Interview machen müsstet! ;-) (Anmerkung der Redaktion: darauf kommen wir gerne zurück!
Das, was rauskam, habt Ihr auf dem Tisch bzw. im Player liegen...
Was gab es für Schwierigkeiten bei der Produktion, Auslieferung
Schwierigkeiten bei der Produktion gab es eigentlich keine. Gut, der Booklet-Fehler mit dem Logo dürfte
inzwischen hinreichend bekannt sein, die fehlenden Ä-Striche
sind auch entlarvt- aber so was passiert halt in aller Hast, wenn
das Ding denn dann raus soll!!! Die nächsten 1000 kommen
dann richtig korrekt! ;-) Ansonsten, toi toi toi, gab´s noch
keinen wirklichen Stress !
Wie kommt man an so toll Sprecher für ein Hörspiel
? Ist Geld da alles ?
Man ruft sie einfach an und verhandelt!!!
Kannst Du uns mehr zu der Arbeit der Sprecher sagen, gibt
es witzige Anekdoten, hat irgendjemand eine besondere Arbeitsweise
?
Zunächst war es mal gigantisch, diese ganzen wunderbaren
Mimen tatsächlich im Studio zu haben! Stellt Euch vor: Es
schellt und herein kommt ein Mann, den Ihr aus Funk, TV und vom
Telefon her kennt, und der sagt: ''Dietmar Mues, schönen
guten Tag!'' Und so ging´s mit allen anderen auch: Ein Mann
mit Schirmmütze, Schal und Fahrrad schellt und fragt, wo
er letzteres abstellen kann- der Mann stellte sich als Wolfgang
Kaven vor (der mir übrigens bei einigen von den Hsp.-Fans
ein bisschen zu schlecht wegkommt: keiner ist so herrlich sarkastisch,
wie Wolfgang: ''War sonst noch was? Ach ja....!'')! F.-J. Steffens
schlurfte in Strickjacke und Jens Scheiblich (ein, inpunkto Hörspiel
(fast) unbeschriebenes Blatt!) nebst Lunch-Täschchen heran.
Werner Cartano- ein Grandsegnieur der alten Schule; Barbara Nüsse,
ein großer Theaterstar, die sich aber für die Rolle
der Polly Nicholls (''wieviele Vorderzähne sollen ihr fehlen?
2 oder tatsächlich 5- das klänge dann so: ''...''!'')
nicht zu schade war...
Ach, ich gerate ins Plaudern, alle waren sie klasse- ich darf
eigentlich keinen vergessen: Achim Schülke, ein wunderbarer
Komödiant; Aranka Mamero-Jaenke (wir bringen irgendwann die
Fotos von den Aufnahmen!); Heinz Lieven- auch ein alter Hase,
aber hörspielmäßig verkannt; Angela Stresemann,
die Wandlungsfähige; Volker Bogdan- ein alter Recke mit unendlichem
Spaß an der Arbeit; Dagmar Puchalla, eine Ruhrpottmaid mit
Herz und Schnauze, die zudem (und überhaupt) eine klasse
Schauspielerin ist und natürlich immer wieder Dietmar Mues,
ein großer Mime, ohne den der RR-''Ripper'' nicht das wäre,
was er ist!
Wie war die Arbeit mit Hans Paetsch ?
Hans Paetsch dabei zu haben, war natürlich die Krönung-
vor allem wieder einmal in einer Rolle. Er ist und bleibt einer
der ganz großen, unerreichten Erzähler/Sprecher unserer
Zeit und wahrscheinlich aller! Bei ihm läuft alles immer
super locker: ''Was machen wir denn heute?'', er liest kurz über
den Text, ''Gut, dann gehen wir mal nach oben!'' (Alle Aufnahmen
in der jüngsten Zeit wurden bei ihm im ''Studierstübchen''
gemacht.) 5-10 Minuten später sind die Aufnahmen (bei einer
kleinen Rolle) im Kasten und man hat Zeit für ein laaanges
Pläuschchen- spitzenklasse!
Wie ist die Musik des Rippers zustande gekommen ?
Für die Musik war ursprünglich mal etwas Orchestrales
geplant, dies hätte aber den Finanzrahmen komplett gesprengt!
So griff ich auf meinen Musikerkollegen, den Gitarristen Michael
Hauck, zurück. Ich habe ihm eine Rohfassung des Stückes
gegeben, er hat es sich angehört und ich habe dann gesagt,
was ich mir so vorstelle. Michael hat dann Vorschläge gemacht,
von denen einige sofort genommen wurden, andere Passagen haben
wir zusammen bei ihm am Synthi erarbeitet.
Die Geräuschkullisse des Rippers würde ich als
'perfekt' bezeichnen. Wie kommt es dazu und bist Du da sehr pingelig
?
Danke für das Lob! Ich bin natürlich sehr detailverliebt
und extrem pingelig, was die Geräusche angeht- halbe Sachen
gibt es nicht!!! Ich habe, als es an die Geräusche ging,
ca. 20.000 durchgehört und mir alle in Frage kommenden notiert.
Einige Geräusche, die wir brauchten, gab es nicht auf Tonträgern
und so mussten sie im Studio selbst erzeugt werden, wie z.B. das
Streichen über die Messerklinge im Eisenwarenladen, Bettzeuggewühle
u.ä.; ich hatte mit Manfred Knauff aber auch einen extrem
guten Tonmeister vor dem Pult sitzen, der aus seiner Wunderkiste
alles rausgeholt hat, was ging.
Die Story ist sehr spannend. Kannst Du uns mehr Hintergründe
noch liefern. Wie lief die Adaption ?
Der ''Ripper''-Fall als solcher ist ja schon extrem spannend.
Die ungefähren Tathergänge, die Todesumstände der
Opfer etc. fanden sich komplett in einigen Ripper-Sachbüchern,
die ausschließlich auf den alten Londoner Polizeiakten basieren.
Dort fand sich auch der Zeitungsartikel mit der ''ghulenhaften
Kreatur'', die Bekennerbriefe, der Ausspruch des Constablers ''..noch
warm wie ein frisches Brötchen'' sowie Zeugenaussagen von
Menschen, die die Opfer kurz vor deren Tod noch gesehen haben.
Mary Kelly soll, kurz bevor sie dem Ripper begegnete, tatsächlich
''Nur ein Veilchen....'' gesungen haben, Liz Stride wurde kurz
vor ihrem Tod von ihren Zuhältern zusammengeschlagen, Polly
Nicholls fehlten 5 Vorderzähne (was B. Nüsse großartig
nachempfunden hat) und sie verließ tatsächlich eine
Kneipe (''Ten Bells''), um sich auf die Suche nach einem Freier
zu begeben- Die komplette Zeitgeschichte war nachzulesen. Ein
Professor für Anglistik wurde eingeschaltet und konnte mit
Fachwissen rund um das England des späten 19. Jahrhunderts
dienen, Filme und Dokus wurden angeschaut, das Internet abgegrast.
Als ich dann Doku im TV sah, nach der der amerikanische Quacksalber
Francis Tumblety der Ripper gewesen sein soll, wollte ich die
Story um ihn herum bauen. Kurz darauf fiel mir in einer Bibliothek
das Tagebuch von James Maybrick in die Hände, und der Fall
war klar! Die eigentliche Todesursache von Maybrick musste dann,
aus rechtlichen Gründen, ein wenig verändert werden,
Florie wurde aber tatsächlich wegen ''Mordes an ihrem Mann''
zu lebenslänglicher Haft verurteilt; nach 15 Jahren wurde
sie begnadigt. Im Gefängnis und kurz danach schrieb sie über
diese Zeit das Buch ''My fifteen lost years''- sie wusste echt
nicht, wer ihr Mann in ''Wirklichkeit'' war, immer vorausgesetzt,
das Tagebuch ist keine Fälschung. Kurzum: Fakten und Fiktion
wurden miteinander verwoben und heraus kam das Hörspielmanuskript.
Zu Dir: Du bist noch relativ jung. Was hast Du in der Zukunft
vor ?
Ich bin 31, und in Zukunft möchte ich natürlich weiter
Hörspiele machen!
Wie bist Du zum Hörspielproduzenten geworden ? Was machst
Du sonst noch so ?
Das Hörspiel liebte ich schon , als ich 4 oder 5 war. Das
Rüstzeug, um selber welche machen zu können, habe ich
bei verschiedenen Radiosendern erworben: Schreiben fürs Hören,
Sprechausbildung, analoger und digitaler Schnitt etc. Ich sehe
mich übrigens nicht als ''Produzenten'', sondern als ''Hörspielmacher''-
den Produzenten sehe ich eher am Telefon, ich selber bin am selben
auch vertreten, aber ich liebe in erster Linie die Arbeit als
Autor und Regisseur.
Neben RR arbeite ich als Sprecher (Lesungen, Kinder-CD´s,
Doku, Funkspots).
Gibt es Tonträger, wo Du schon zu hören bist ?
Warst Du schonmal im Fernsehen ?
Es gibt einige Tonträger: ''3 Könige auf Abwegen''
und ''Die Maus und der Löwe'' (Dt. Gr.), ''2 Störche
auf Reisen'' (Lizzy-Reihe, Ravensb.), ''Sicher ist sicher'' und
''Allein in die Ferien'' (Familie Fürchterlich, Karussell).
Im TV war ich nicht zu sehen, nur zu hören: Synchronsprecher
für Knetschnecken (Snailympics, Kika).
Was können wir als nächstes von Dir erwarten ?
Das wird noch nicht verraten! ;-) Auf jeden Fall Hörspiele
und wohl mal das ein oder andere Hörbuch.
Wenn Du das nur noch Hauptberuflich machen würdest,
wieviele Hörspiele könnte man von Ripper Records erwarten
im Jahr ?
Zwei bis drei - man will ja auch weiterhin Qualität machen.
Surfst Du auch im Internet zu Hörspielsites. Kennst Du
welche ?
Ja, klar- muß ich ja, schon rein ''beruflich''! Ich checke
natürlich in den Foren rum und kenne einige HSP-Seiten, will
jetzt aber keine besonderen nennen, weil sonst andere traurig
werden- es gibt aber einige gute!
Hörst Du privat auch Hörspiele, wenn ja, was sind
so Deine Favs.
Klar, höre ich privat auch Hörspiele, ich grase auch
immer wieder Flohmärkte und Börsen nach Vinyl ab oder
studiere das Radio-Angebot.
Meine Favoriten sind von den alten Sachen: Die Europa-Karl-May-Serie
(Folken/Halver), Dracula, Nessie, Moby Dick und Sklavenkaravane
(beide Kurmin-Regie), Kalle Wirsch, Hui Buh (mit H. Kolar), alte
??? uva. Von den neueren Hörspielen haben mich ''Die Säulen
der Erde'', ''Der Alchimist'', ''Frl. Smillas Gespür...'',
''Rafael Sanchez erzählt ´Spiel mir das Lied vom Tod´''
und ''Sherlock Holmes und die Whitechapel-Morde'' begeistert.
Hast Du sonst noch Hobbies ? Wenn ja welche ?
Ich bin Drummer, und sobald die Strecksehne am linken Mittelfinger
(!) wieder heil ist, auch wieder ''kapellenaktiv''.
Was willst Du uns noch sagen ?
Stay wild!
Vielen Dank, Frank, für das ausführliche Interview!
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Frank Gustavus
Ripper Records

Der 31-jährige aus dem Norden Deutschland beschehrte uns
mit ''Jack the Ripper' wohl DAS Hörspiel 2001 (bis jetzt).
Sein Label ''Ripper Records'' ging am 01.08.2001 online und erfreut
sich steigender Beliebtheit.
Ab übermorgen ist sein Erstling auch über den Buchhandel
zu beziehen.

''Jack the Ripper''
Hörspiel der Woche
der
www.hoerspiele.de
vom 06.08.-12.08.2001
Die Fragen wurden per eMail gestellt und ebenso beantwortet.
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