Special: Galactic Sound
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Interviews

   Udo Schenk und Marc Sieper
   19.09.2001

Interview mit Udo Schenk und Marc Sieper (19.09.2001)

Ich traf Udo Schenk und Marc Sieper (Lübbe Audio) bei den Aufnahmen zu Stephen Kings 'Stand by me' im Studio Hank in Breckerfeld. Bei Kaffee und Kuchen hatte ich die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

CHRIzzz: Herr Schenk, Sie sind bei John Sinclair immer nur in einer klassischen Bösewichtrolle besetzt und auch im Synchro-Bereich ebenfalls immer der Bösewicht. Die Stimme ist zwar prädestiniert dazu aber würde es Sie nicht reizen auch mal was anderes zu sprechen?

SCHENK: Mir ist es eigentlich egal ob ich Böse oder Gut eine Rolle zu sprechen habe, wenn die Figur oder die Geschichte schauspielerisch etwas hergibt. Aber da ich tatsächlich auch als Schauspieler sowohl am Theater - am Theater habe ich eigentlich immer die postiven Rollen gespielt - als auch beim Drehen in den letzten 20 Jahren immer so die hintergründigen und mystischen Bösen, um nicht zu sagen Killer, gespielt habe, habe ich natürlich auch die Erfahrung gemacht, daß diese Rollen in der Regel mehr Substanz für einen Schauspieler haben - um mal ein Beispiel zu sagen: jeder Regiesseur, Redakteur, Produzent ist dankbar, wenn ich mit einer 'klischeebösen' Rolle besetzt werde und dann aufgrund meiner schauspielerischen Möglichkeiten der Rolle noch ein paar Farben, noch ein paar Schichten gebe, die das Böse ein wenig erklären. Das eben ein Mensch entsteht, dafür sind alle dankbar. Würde ich aber mit einer positiven Rolle besetzt und auf die Idee kommen, dem ein paar böse Seiten zu geben, würden alle sagen 'Spinnst Du, das ist unser Held, unser Sympatieträger!'. Und so hat man halt bei den Bösen mehr Möglichkeiten.

CHRIzzz: Und wenn Sie sich einen klassischen Stoff - egal ob Fernsehen oder Theater - aussuchen dürften, den Sie spielen sollen. Welchen würden Sie da auswählen?

SCHENK: Da könnte ich keine Hausnummer sagen, denn ich habe am Theater Rollen gespielt, zu dennen man sagen könnte, das wäre ein Traum. Zum Beispiel 'Amphitrion' von Kleist wo man wirklich 3 Stunden auf der Bühne steht und mit einem unglaublichen Text zu tun hat - mit einer Sprache, die man erst mal bewältigen muß, um die auch für den Zuschauer greifbar und durchsichtig zu machen, weil es eben keine Alltagssprache ist. Und auch moderne Stücke habe ich genügend gespielt.

CHRIzzz: Und da gibt es keine Traumrolle?

SCHENK: Nein, das kann ich nicht sagen. Auch beim Drehen habe ich bis jetzt alles gehabt, was man sich wünschen kann. Ich würde mir höchstens wünschen, daß die Rolle, Filme oder Stoffe nur wegen der Rolle gemacht werden. Ich war zwar schon öfter mal die böse Hauptrolle, aber es kommt selten vor, daß ein zwielichtiger Mensch auch mal die Hauptfigur in einem Film ist. Meinstens ist es die 2. Hauptrolle oder eine Nebenrolle

CHRIzzz: Weil das gute immer siegen muss...

SCHENK: ...oder weil das alle so wollen. Aber ich habe da mal einen Film gemacht, der hieß 'Der Richter und das Mädchen' und das ist auch eine Rolle, von der ich sagen würde, daß ich sie mal spielen möchte, wenn ich sie nich nicht gespielt hätte. Da war der Richter tatsächlich die absolute Hauptperson. Der Film ging damit los, daß man den Richter in seiner Arbeit als Richter erlebt, der hauptsächlich Sexualstraftaten zu verhandeln hat und da auch sehr streng und unnachgiebig ist. Im Laufe des Films lernt man den Richter, der zuhausein Bremen sehr bürgerlich mit seiner Mutter wohnt, kennen. Und der Zuschauer fest, daß der Richter selbst eine pädophile Neigung hat und dagegen ankämpft. Aber er sucht sich doch eine Frau mit Kind und bis zum Schluss des Films schrammt er am Rande der Straffälligkeit vorbei. Es kommt nie zu einer wirklich strafbaren Handlung. Darum ging es auch nicht, sondern um die Psychologie zu zeigen, in der sich Menschen befinden können. Und sowas bezeichne ich als Traumrolle, da alle Möglichkeiten gegeben waren.

CHRIzzz: In den ersten sechs Folgen von John Sinclair sind Sie fünfmal dabei - immer als Bösewicht. Hat das Spaß gemacht? Trotz, daß sie versucht haben, die verschiedensten Rollen verschieden zu spielen, hat man es rausgehört, dass es Ihre Stimme war.

SCHENK: Ja, das soll man auch hören können, schließlich bin ich kein Stimmen-Imitator. Aber sowas wie John Sinclair ist natürlich was, wo man als Schaupsieler so richtig die Sau rauslassen kann. Butter an die Fische geben kann...

SIEPER: ... Klischees bedinen kann!

SCHENK: Ja sicher. Es ist ja auch nichts Schlechtes daran. Das ist ein Punkt, was ich bei Hörspiele häufig feststelle, wo sich Theater-Schauspieler im Wege stehen, weil sie sich nicht trauen zu utrieren, weil sie denken, es sei unkünstlerisch. Das gehört aber dazu. Gerade bei den Medium Hörfunk. Nur über die Sprache / akustischen Signale werden da Gefühle, Angst und so weiter transportiert und das ist toll. Wenn man das mit Stimme und Technik herstellen kann, indem man ins Mikrophon reinkriecht ganz dicht rangeht und wirklich nur noch denken muß, den Atem fliessen lassen muß. Und das sind auch die schönsten Sachen vor der Kamera. Wenn ich weiß, die Kamera hat nur meinen Kopf oder mein Gesicht. Dann weiß ich, ich muß nur noch das richtige Denken. Der Körper macht dann schon die richtige Mimik. Das sind dann schon schöne Momente.

CHRIzzz: (an Marc) Du warst bei den Aufnahmen dabei?

SIEPER: Nicht bei allen, aber bei vielen.

CHRIzzz: Bist Du zufrieden, Ist bei der neuen Staffel auch immer ein Bösewicht Udo Schenk dabei?

SIEPER: Nein, nein, nein. Nur dabei. Er hat mir letztens noch erzählt, wie er von Oliver Döring gequält worden ist.

CHRIzzz: Ach, erzählt!

SCHENK: Naja, gequält ... (denkt nach)... eher durch die technischen Umstände. Ich habe zu dem Zeitpunk in Düsseldorf gedreht und wir haben dann auch einen Termin gefunden, wo ich in Düsseldorf einen drehfreien Tag hatte. Dann bin ich nach Köln gefahren. Wir hatten eben nur ein bestimmtes Zeitfenster, wo wir aufnehmen konnten und es war relativ umfangreich. Und wie bei John Sinclair, dem Bösen gefordert, mußte man eine ziemliche Stimmakrobatik an den Tag legen und so war ich abends körperlich fertig. Das Studio dort ist ziemlich klein ist und die Luft geht einem aus. Es war auch ein ziemlich heißer Tag - Köln ist da besonders schlimm. Da war ich abends ziemlich breit und froh, als ich abends wieder in meinem Bett in Düsseldorf war.

CHRIzzz: Wurden die Stimmen wieder alleine aufgenommen - im Fachjargon 'ge-x-t'

SIEPER: Ja. Wir haben bei ein/zwei Szenen, bei denen es möglich war, Enssemble-Aufnahmen gemacht. Aber das ist halt nicht immer möglich. Es ist halt so, daß ein Teil der Sprecher aus Köln, ein Teil aus Berlin und ein Teil aus Hamburg kommt. Unser Myxin - Peter Matitsch - der kommt sogar aus Wien. Die alle an dem Stichtag zur gleichen Zeit zusammenzubringen, um eine Ensemble-Aufanheme zu machen, das ist ein so hoher logistischer Aufwand, der es in Frage stellt, ob es das wirlich wert ist und ich glaube nach dem Durchhören der ersten drei neuen Folgen, man hört es wirklich nur noch, wenn man es bis oben hin aufdreht und eine echte technische Analyse dessen macht. So, wie es jetzt kommt, ist es schon toll.

CHRIzzz: Hat man aus den ersten 6 Folgen schon was gelernt?

SIEPER: Das will ich hoffen. Ich war schon beim Hören der ersten 6 Folgen begeistert. Das ist ganz groß der Verdienst des Oliver Döring. Er ist das Unikum, daß die Drehbücher zusammen mit Jason Dark schreibt, die Änderungen macht (teilweise inhaltlich, teilweise von uns erwünscth), der die Aufnhamen als Regiesseur begleitet, am Ende auch schneidet und die Geräusche dazumixt und das Masterin macht. Und das in einer Person zusammenzuführen, ist einerseits sehr selten. Auf der anderen Seite ist er aber auch derjenige, der von anfang an weiß, nämlich wenn er anfängt die Drehbücher zu schreiben, worauf er hinauswill. Er schreibt für das Hörspiel. Bei 90% der Rollen weiß er auch, wen und wie er da hören möchte. Dazu kann Udo Schenk gleich nochwas zu sagen, ob das für die Arbeit vielleicht ganz angenehm ist, da man weiß, wohin der Regisseur eigentlich hinwill. Manchmal macht man dann 25 Varianten einer Szene und man entscheidet sich nach vielem hin und her doch für die erste Variante, weil sie nämlich die beste war. Sowas passiert bei Oliver Döring dann nicht, weil er ziemlich genau weiß, wo er hinwill. Und das fordert von dem einen oder anderen mehr Einsatz. Und das ist ein klares Konzept und ich denke auch, daß man hört, daß es ein durchgehender Stil ist, der nicht durchbrochen wird.

CHRIzzz: Welchen EInfluß hat Jason Dark?

SIEPER: Er segnet die Manuskripte ab. Er bespricht sich auch mit Oliver Döring, was man nimmt oder auch weglassen kann. Er ist aktiv beteiligt und auch in dem Gremium, das am Ende um die Freigabe macht. Es ist uns auch wichtig. Denn es ist soviel passiert mit Sinclair in den letzten Jahren, wo man sich an den Kopf fasst und fragt, 'Ist das eigentlich das, was den früheren enormen Erfolg der Serie ausgemacht hat?' Ich denke hier insbesondere an irgendwelche Verfilmungen. RTL hat zwar mit der 'Dämonenhochzeit' für deutsche Verhältnisse einen ziemlich guten Film hingelegt. Auf der einen Seite nehmen sie richtig gute Schauspieler und auf der anderen Seite besetzen sie die Nebenrollen mit Sekretärinenn-Assistenen, die am liebsten noch mit dem Textzbuch rumlaufen würden und alles ablesen: 'Oh Schau, da ist ein Schloß'. Von der Raffinesse her, von der Kameraführung her, von der Musik her, vom Schnitt, vom Trick, war das alles prima.Und sie haben ja auch 5 Mio. Zusschauenr gehen einen Tatort bekommen. Das war schon ein Superergebnis. Und als es an die Serie ging, hat jemand bei RTL Muffen gekriegt und den Schwanz eingezogen und das Budget zusammengeestrichen und Endemol stand da mit nur noch einem Viertel soviel Geld, wie sie eigentlich hätten kriegen sollten. Das Ergebnis hat man dann gesehen. Man kann über Kai Mertens sagen was man will. Wir haben ihn hier im Studio erlebt. Er ist ein netter Kerl und ein fähiger Schauspieler, aber für die Rolle als John Sinclair völlig falsch besetzt. Viel zu lieb und viel zu nett lieb klein. Das absolute Gegenteil. Es ist sehr erstanulich, was man sich bei solchen Drehbüchern denkt, die mit der Serie nichts zu tun haben.

CHRIzzz: Auf wieviele Folgen habt ihr die Hörspiel-Serie ausgelegt? Auf 107 ? Kommen noch andere Serien auf uns zu?

SIEPER: Ne, wenn dan 108 (lacht)! Man muß ganz klar sagen, daß die Verlagsgruppe Lübbe ein Wirtschaftsunternehmen ist, das nach wirtschaftlichen Argumenten Entscheidungen trifft. Und solange die Serie Erfolg hat, wird sie sicher weitergeführt. Wir haben über tausend Romane zur Auswahl und diverse Taschenbücher. Wir haben da sicher Stoff für die nächsten paar Jahre.
Und sicherlich gibt es Überlegungen, andere Serien zu machen. Es ist eine reine finanzielle Sache. Eine Hörspielproduktion kostet mehr als einen amerikanischen Bestseller einzukaufen, von dem man sicher sein kann, daß er ein Erfolg wird. Da es eine sehr unübliche Sache ist, war der Verlag auch so lange 'schwanger' mit der Idee, die JS-Serie als Hörspiel fortzusetzen. Natürlich hätte man sich 1992 hinsetzen können, als das Theater mit Tonstudio Braun auf dem Höhepunkt war, und sagen können: so, das war es mit Tonstudio Braun und wir machen weiter. Das hätte dann sicher auch genauso geklungen und das wäre sicher auch von der Produktion her billiger gewesen. Aber ich glaube es war gut, vor allem für das Publikum, daß wir uns so lange darüber Gedanken gemacht haben, solange den Markt beobachtet haben und uns entschieden haben, das ganze mit richtigen Mitteln und Geld zu verwirklichen.

CHRIzzz: Danke Lübbe ;)

SIEPER: Ich bin ja selber auch ein Fan von Hörspielen und bin auch mit Hörspielen groß geworden und habe auch die alten Sinclairs gehört. Zu der damaligen Zeit gefielen mir die auch nicht schnelcht. Sie hatte halt diesen Kult-Anstrich. Es gab halt nichts Vergleichbares. Aber John Sinclair im Vergleich zu einem Gruselhörspiel von Europa - da wußtest Du was Gut und was Schlecht ist. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und nutzen die Mittel und nutzen den Sprecherpool. Wir haben uns halt nun auch auf die Hollywood-Stimmen eingelassen und so kommt es wohl jetzt auch rüber!

CHRIzzz: Es hat dem Markt gut getan, denn nun legen auch andere Firmen auf gute Produktionen wert.

SIEPER: Ja, das ist so. Aber es gab auch in letzter Zeit ein paar Frechheiten, wo ich sagen muß: 'Was soll denn das!'. Nicht jeder, der sieht, daß wir damit Erfolg haben, kann sich hinsetzten und sagen 'Ich produziere nun ein Hörspiel'.

CHRIzzz: Udo Schenk ist auch in den nächst John inclair-Folgen dabei, weil es soviel Spaß macht?

SCHENK: Von mir aus steht dem nichts im Wege!

CHRIzzz: Und jetzt das Hörbuch 'Stand by me’ von Stephen King - ich durfte ja bei einem Teil der Aufnahmen dabei sein. Ist das schwieriger als ein Hörspiel?

SCHENK: Nein, im Gegenteil. Hörspiel - wie der Name schon sagt, da kann man spielen. Ein Hörbuch, da muß man lesen. (lacht) Das ist ganz was anderes. Wenn man eine Geschichte erzählt, die mal in wörtliche Rede übergeht, dann kan man wieder ein bischen spielen, ansonsten ist man aber erstmal als Erzähler gefordert. Das braucht eine ganz andere Grundhaltung als wenn man eine Rolle spielt, egal ob vor der Kammera oder vor dem Mikrophon.

SIEPER: Der ganz große Unterschied ist, daß Du anders als bei einem Hörspiel bei einem Hörbuch nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von Personen darstellst.

CHRIzzz: Das ganze Hörbuch steht oder fällt also mit dem Sprecher ?

SIEPER: Das ist alles voneinander abhängig!

CHRIzzz: Es gibt schlechte Hörbücher, die von den Autoren selber gelesen werden, der das alles eben nicht so sauber rüberbringt, wie ein Schauspieler. Da bin ich ganz froh darüber, daß Lübbe in letzter Zeit auch hochkarätige Namen auffährt. Was war denn bei Euch zuerst da? Hörspiel oder Hörbuch ?

SIEPER: Das Hörbuch. Seit dem ich den Bereich betreue (1996, Anmerkung), sind wir mit Hörbüchern am Markt. Das war auch gleich das erste Jahr, als ich mit Synchronsprechern in Berührung gekommen bin. Seit damals - vor 5 Jahren - gibt es dann auch Joachim Kerzel bei uns im Cast. Wir hatten damals den ersten Stephen King gemacht und brauchten eine Stimme, die auch inhaltlich passt. Da es keinen deutschen Horrorfilm gab, den man ernst nehmen konnte, dachte ich, man könnte jemanden nehmen, der in Amerika in Horror-Produktionen dabei war. Aber bei Prochnov anzufragen., das wäre sicher doof gewesen, ihn für zwei Tage nach Deutschland zu holen, um hier zu lesen. Ich habe ihn nie gefragt ... Über Umwegen und liebe Kollegen, bin ich dann auf die banale Idee gekommen, Synchronsprecher zu fragen. Und so hatte ich dann seit der ersten Runde, die wir dann aufgenommen haben, den besten Sprecher. Und zwar mit Abstand - der bis heute noch spricht. Das will ich nicht missen. Und DER deutsche Hörbuchsprecher ist ja auch DER klassische Synchronsprecher: Christian Brückner - der fast schon zu viel macht für meinen Geschmack. Er ist sicherlich gut, aber man kann den Markt auch mit einer Stimme überfordern. Wir brechen ja unsere Linie zurzeit mit den Lesungen von King. Wir hatten King ja immer klassischer Weise mit Kerzel besetzt und wir haben nun bei 'Das Mädchen' Franziska Pigulla zusammen mit Kerzel besetzt um einfach durch die Länge des Textes - es sind 7 CDs geworden - den Sprecher und auch den Hörer zu entlasten. Das kann einen wahnsinnig machen, immer nur die gleiche Stimme zu hören...

CHRIzzz: ... wie gut, daß Harry Potter in vier Teilen gekommen ist!

SIEPER: Und bei King ist es nun, 'Frühling, Sommer, Herbst und Tod' und da bietet es sich ja auch an, mit 4 Sprechern zu arbeiten. Udo Schenk macht ja nun 'Stand by me'

CHRIzzz. Und Udo Schenk ist zufrieden mit dem Hörbuch und würde es immer weider machen?

SCHENK: (lacht) So ein Hörbuch mache ich erst zum zweiten Mal. Was mit persönlich daran gefällt ist eigentlich auch das, was mich innerlich davon abhält: das dicke Manuskript, was man bekommt. Dieser Berg, den man bewältigen muß. Und ich bin wie jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad faul oder bequem und trotzdem möchte ich auch so einen Berg abarbeiten und sowas reizt mich auch an einem Hörbuch gegenüber einem Hörspiel, wo sich die eigene Rolle, wenn man die mal aus dem Manuskript herausnimmt, auf ein paar Seiten reduziert ist. Bei einem Hörbuch ist man selber der jenige, der das trägt, der es transportiert der es gestaltet in jeder Weise. Das ist was Schönes!

CHRIzzz: Sind sie Privat ein Hörspiel- oder Hörbuch-Fan? Haben sie - außer den eigenen - noch andere Tonträger zu Hause?

SCHENK: Nein, kann ich nicht sagen. Ich bin da (denkt) nee faul kann man nicht sagen. Ich habe da keine Zeit für, mich so damit zu beschäftigen, daß ich mir diese Bücher dann auch besorge. Die meiste Zeit bin ich unterwegs zum Drehen und das sind dann mitunter Abläufe, die so kräftezehrend sind, daß ich mir Entspannung auf andere Weise suche. Ich jogge und wenn ich zuhause bin, bin ich stundenland mit dem Paddelboot unterwegs. Oder ich fahre mit dem Fahrrad durch den Wald. Das ist auch einer der Grüde, warum ich keinen Computer habe. Nicht, daß ich ihn nicht gebrauchen könnte, aber ich wüßte ganz genau, daß - wenn ich einen hätte - auch davor sitzen würde und im Internet chatten möchte. Deswegen habe ich möglichweise auch keine große Plattensammlung. Ich komme einfach nicht dazu. Wenn ich wirklich zu Hause bin, läuft meistens der Fersehenr und dann suche ich Phoenix oder NTV, wo ich Information her bekomme und allenfalls abends gucke, was es für einen interesanten Film gibt. Ein weiterer Nachteil: ich komme auch nicht ins Kino. Wenn ich Zeit habe, bin ich dann auch sehr träge, das gebe ich gerne zu. Wichtiger als in die Stadt ins Kino zu fahren ist dann das, was ich für mich tun kann. In dem Fall bin ich ein schlecher Vermarktert von Hörbüchern, CDs, Filmen und Videos.

CHRIzzz: Tja, das kann ich ja dann machen ;) Leider verdient man mit einem solchen Internet-Informations-Portal kein Geld. Die große Zeit des Hörspiels waren die 80er und zurzeit ist der Markt nocht nicht so weit, ...

SCHENK: ... weil wir zugeschüttet sind mit Unterhaltung. Dingen, die uns vom Alltag ablenken.

SIEPER: Man bekommt hat auch, ohne sich was kaufen zu müssen - sei es eine Kinokarte oder ein Hörspiel - trotzdem Unterhaltung 'frei Haus'.

CHRIzzz: Ich denke, es ist die Jungedlichkeit des Mediums. In den 80ern kamen die DDF und die haben wir uns sofort gekauft und angehört und haben darüber gesprochen. Heute kaufen sich die Jugendlichen lieber einen Gameboy. Das ist viel interessanter.

SIEPER: Ich bin mir immer noch nicht ganz schlüssig, wer eigetnlich die Zielgruppe ist, die die Höspiele eigentlich kaufen. Bei den Hörbüchern ist das klar.

CHRIzzz: Erwachsene finden es kindisch, weil es eben Hörspiele sind ... damals eben nur für Kinder produziert.

SIEPER: Bei Sinclair bin ich mir da nicht sicher. Zu Messen kommen immer nur die Jason Dark Fans und die kommen immer, wenn der irgendwo auftaucht. Das ist eine sehr homogene Gruppe, die man auch als solche direkt ausmachen und erkennen kann. Die Leute, die die Hörspiele kaufen, könnte aber zum großen Teil eine ganz andere Gruppe sein.

CHRIzzz: Gibt es da keine Marktforschung?

SIEPER: Die kann man in Auftrag geben für mehrere tausend Mark. Klar. Es ist ganz schwer zu sagen. Von den Reaktion der Leute, die sich melden - die meisten übers Internet, habe ich das Gefühl, daß es eher Erwachsene sind, die aus den 80ern heraus Erinnerungen an die alten Hörspiele haben oder sich erinnern, mal John Sinclair gelesen zu haben und das lustig finden, daß es das nun auch als Hörspiele gibt. Es ist halt auf dem technischen Niveau von heute. Aber sicher bin ich mir da nicht.

CHRIzzz: Ich kann ja nun nur von meiner Seite aus als Webmaster der hoerspiele.de sprechen. Sehr junge Käufer haben sicher nicht den Zugriff auf das Internet, aber die Besucher meiner Seite (und auch die Zielgruppe die man über das Internet erreicht) sind in der Regel zwischen 20 und 30.

SIEPER: Wir reden ja hier auch nicht über Kids. Jemanden unter 10 Jahren würde ich auch nicht raten, die Sinclairs zu hören, dafür sind sie zu hart. Wir haben das 'ab 16' hinten klein draufstehen aus zwei Gründen: Erstens gab es mit den Braun-Kasstten in den 80ern mal Ärger wegen Jugendfrei oder nicht - was wirklich lächerlich war - und um solche Probleme gleich auszumerzen. Zweitens um 12jährige zu gewinnen, die sagen 'Ey, klasse, das muß ich haben. Es ist ein Marketinginstrument ... Die Romane sind alle freigegeben und es gibt eben kiene FSK für Hörspiele. Auch die Europa-Sachen sind teilweise geschnitten worden, angeblich wegen nicht-jugendfreiheit. Ich kann das nicht verstehen, aber vielleicht bin ich zu abgeklärt und habe zuviele Horrorfilme gesehen.

CHRIzzz: Jaja, sind wir alle - viel zu abgeklärt!

SIEPER: Ich finde es gut, wenn man sich erschreckt oder auch erschreckend. Ich habe mal ein Freigabemuster gehört auf dem Weg von Köln zurück nach Hause und die Situation war: früher Abend, es war noch ein wenig hell und ich führ mit 160 km/h gen Heimat. Da klopft es und ich drehe mich um. Und 5 Minunten habe ich dann über mich gelacht - wer sollte denn bei Tempo 160 hinten gegen das Auto klopfen ... aber teilweise kannst Du da richtig schon reinkommen und dich richtig schön erschrecken.

CHRIzzz: auf der anderen Seite gibt es Serien, die ab 18 Uhr im Fernsehen laufen, wo sie sich gegenseitig über den haufen schiessen. Das verstehe ich wiederrum dann auch ncht ... Aber Hörspiele hört man auch alleine... eigentlich. Wäre eine Live-Aufführung nicht toll? Findest Du sowas gut?

SCHENK: Und was macht man da? Ein Hörspiel hören?

CHRIzzz: Live aufführen. Sprecher sind alle da, ein Geräuschemacher, ein Musiker.

SIEPER: Es ist nicht die Frage nach teueren Sprechern, sondern nur, ob Du es wirklich schaffst 15 Leute unter einen Hut zu bringen. Udo dreht in Köln, Kerzel hat Synchron-Jobs in Berlin usw. Die Leute turnen durch die Weltgeschichte und da einen Termin zu finden - es sollte ja nicht irgendein Termin sein, sondern ein Freitag oder Samstag - irgendwo zentral. Die zusammenzubringen, saß die alle können, das kannst Du zwei Jahre in Vorraus planen, damit das mal klappt und dann kommt doch noch was dazwischen und einer liegt im Krankenhaus... In Leipzig hatten wir so eine kleine Mini-Lesug mit Glaubrecht und Pigulla. Das lustige 5Minunten-Ding hat Oliver Döring auch extra geschrieben und das ist auch ganz gut angekommen. Damit hat man auch demonstriert, wie die Arbeit funktioniert, aber das groß aufzuziehen, ist ein ziemlicher Aufwand. Aber eine spannnede Geschichte ist das schon - ist ja nichts anderes als ein Theaterstück.

SCHENK: Gut, ich habe soetwas noch nicht gesehen, aber mein Ding wäre das nicht. Es ist eben nicht wie Theaterspielen - Du sitzt vor einem Mikro. Es kommt ja auch vor, daß Magazine für eine wichtige Synchronisation ins Studio kommen, und was sehen wollen. Das habe ich noch nie mitgemacht. Da bin ich immer rausgegangen und habe Pause gemacht. Ich find das nicht gut. Ich habe auch immer diese Foyergespräche nach einer Aufführung im Theater nicht so doll gefunden oder die Leute dann auf die Bühne einladen und sie in die Geheimnisse einzuweihen - finde ich - muß nicht sein. Und beim Synchron oder wenn man live spielt, wie ein Hörspiel aufgenommen wird, kommt noch eins hinzu: Du spielt nicht, sondern Du bist in einer technisch eingeschränkten Haltung. Weil hier steht das Mikro, das heißt, ich kann den Gang nicht machen, der wird technisch erzeugt. Jetzt steh' ich da und muß das spielen und das sieht für den ungeübten Zuschauer betrachtet mitunter sehr merkwürdig aus, um es mal vorsichtig zu sagen. Und davon halte ich nichts. Wenn ich ein Theaterstrück spiele, oder wenn beim drehen zugeguckt wird, das finde ich immer furchtbar. Das ist ja etwas Ähnliches. Die Leute sehen einen Filmdreh und denken, 'boa, das ist spannend' und sehen, wie eine Aktionszene gedreht wird. Und da explodiert es eben nur einmal dun die Schüsse sind auch nicht so toll vom Sound her wie im Fernsehen. Und dann sagen die Leute 'öh, das war’s? Das ist aber blöd'. Warum müssen wir uns das antun? Das raubt die Illusion. Die Leute sollten es sich anhören oder ansehen und sagen 'Das hat mir gefallen' oder 'das hat mir was gebracht'. Aber ihnen vorzuführen, wie blöd das auch aussehen kann, davon halte ich nichts. Eine Lesung zu machen, das ist etwas anderes. Es gibt in Köln ja dieses Barbarella-Entertainment. Die machen Lesungen von unveröffentlichten Drehbüchern. Das ist etwas Anderes. Da kommt auch nur eine bestimmes Klientel hin, das sich dafür interessiert und dann sitzen da sieben Schuaspieler und jeder hat je nach Film ca. drei Rollen und dann ließt man ein Drehbuch und macht das eben etwas plastischer durch die verteilten Rollen, als wenn man das nur pur ließt. Das ist auch in Ordnung, aber zu sitzen und ein Hörspiel zu gestalten, wo es darum geht, Haltungen zu sprielen, wie Angst, Freunde, laut ,leise, ohne aber den tatsächlichen körperlichen Vorgang vollziehen zu können, zeigen zu können, sondern eingeengt durch das Mikro. Warum ?

CHRIzzz: Wird man eigentlich aufgrund der Stimme oder des Aussehens auf der Sprache angesprochen?

SCHENK: Ja klar, das bleibt nicht aus. Es gehört zu dem Job dazu. Das darf man nicht als lästig opder unangenehm empfindfen, weil es ein Gewerbe ist, was nur über die Öffentlichkeit funktioniert. Das passiert - je öfter man im Fernsehen ist, so öfter passiert das.

CHRIzzz: ich bedanke mich bei Udo Schenk und Marc Sieper für das nette Gespräch und bei Didi Hank für den Kaffe und den Kuchen.

 

Udo Schenk

Geboren 1953 in Wittenberge. Der an der Theaterhochschule Leipzig ausgebildete Schauspieler war zehn Jahre von 1975 bis 1985 am Berliner Maxim-Gorki-Theater engagiert, flüchtete 1985 in den Westen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



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