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Ich traf Udo Schenk und Marc Sieper (Lübbe
Audio) bei den Aufnahmen zu Stephen Kings 'Stand
by me' im Studio Hank in Breckerfeld. Bei Kaffee und Kuchen
hatte ich die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

CHRIzzz: Herr Schenk, Sie sind bei John
Sinclair immer nur in einer klassischen Bösewichtrolle besetzt
und auch im Synchro-Bereich ebenfalls immer der Bösewicht.
Die Stimme ist zwar prädestiniert dazu aber würde es
Sie nicht reizen auch mal was anderes zu sprechen?
SCHENK: Mir ist es eigentlich
egal ob ich Böse oder Gut eine Rolle zu sprechen habe, wenn
die Figur oder die Geschichte schauspielerisch etwas hergibt.
Aber da ich tatsächlich auch als Schauspieler sowohl am Theater
- am Theater habe ich eigentlich immer die postiven Rollen gespielt
- als auch beim Drehen in den letzten 20 Jahren immer so die hintergründigen
und mystischen Bösen, um nicht zu sagen Killer, gespielt
habe, habe ich natürlich auch die Erfahrung gemacht, daß
diese Rollen in der Regel mehr Substanz für einen Schauspieler
haben - um mal ein Beispiel zu sagen: jeder Regiesseur, Redakteur,
Produzent ist dankbar, wenn ich mit einer 'klischeebösen'
Rolle besetzt werde und dann aufgrund meiner schauspielerischen
Möglichkeiten der Rolle noch ein paar Farben, noch ein paar
Schichten gebe, die das Böse ein wenig erklären. Das
eben ein Mensch entsteht, dafür sind alle dankbar. Würde
ich aber mit einer positiven Rolle besetzt und auf die Idee kommen,
dem ein paar böse Seiten zu geben, würden alle sagen
'Spinnst Du, das ist unser Held, unser Sympatieträger!'.
Und so hat man halt bei den Bösen mehr Möglichkeiten.
CHRIzzz: Und wenn Sie sich einen klassischen
Stoff - egal ob Fernsehen oder Theater - aussuchen dürften,
den Sie spielen sollen. Welchen würden Sie da auswählen?
SCHENK: Da könnte ich keine
Hausnummer sagen, denn ich habe am Theater Rollen gespielt, zu
dennen man sagen könnte, das wäre ein Traum. Zum Beispiel
'Amphitrion' von Kleist wo man wirklich 3 Stunden auf der Bühne
steht und mit einem unglaublichen Text zu tun hat - mit einer
Sprache, die man erst mal bewältigen muß, um die auch
für den Zuschauer greifbar und durchsichtig zu machen, weil
es eben keine Alltagssprache ist. Und auch moderne Stücke
habe ich genügend gespielt.
CHRIzzz: Und da gibt es keine Traumrolle?
SCHENK: Nein, das kann ich nicht
sagen. Auch beim Drehen habe ich bis jetzt alles gehabt, was man
sich wünschen kann. Ich würde mir höchstens wünschen,
daß die Rolle, Filme oder Stoffe nur wegen der Rolle gemacht
werden. Ich war zwar schon öfter mal die böse Hauptrolle,
aber es kommt selten vor, daß ein zwielichtiger Mensch auch
mal die Hauptfigur in einem Film ist. Meinstens ist es die 2.
Hauptrolle oder eine Nebenrolle
CHRIzzz: Weil das gute immer siegen muss...
SCHENK: ...oder weil das alle
so wollen. Aber ich habe da mal einen Film gemacht, der hieß
'Der Richter und das Mädchen' und das ist auch eine Rolle,
von der ich sagen würde, daß ich sie mal spielen möchte,
wenn ich sie nich nicht gespielt hätte. Da war der Richter
tatsächlich die absolute Hauptperson. Der Film ging damit
los, daß man den Richter in seiner Arbeit als Richter erlebt,
der hauptsächlich Sexualstraftaten zu verhandeln hat und
da auch sehr streng und unnachgiebig ist. Im Laufe des Films lernt
man den Richter, der zuhausein Bremen sehr bürgerlich mit
seiner Mutter wohnt, kennen. Und der Zuschauer fest, daß
der Richter selbst eine pädophile Neigung hat und dagegen
ankämpft. Aber er sucht sich doch eine Frau mit Kind und
bis zum Schluss des Films schrammt er am Rande der Straffälligkeit
vorbei. Es kommt nie zu einer wirklich strafbaren Handlung. Darum
ging es auch nicht, sondern um die Psychologie zu zeigen, in der
sich Menschen befinden können. Und sowas bezeichne ich als
Traumrolle, da alle Möglichkeiten gegeben waren.
CHRIzzz: In den ersten sechs Folgen von
John Sinclair sind Sie fünfmal dabei - immer als Bösewicht.
Hat das Spaß gemacht? Trotz, daß sie versucht haben,
die verschiedensten Rollen verschieden zu spielen, hat man es
rausgehört, dass es Ihre Stimme war.
SCHENK: Ja, das soll man auch
hören können, schließlich bin ich kein Stimmen-Imitator.
Aber sowas wie John Sinclair ist natürlich was, wo man als
Schaupsieler so richtig die Sau rauslassen kann. Butter an die
Fische geben kann...
SIEPER: ... Klischees bedinen
kann!
SCHENK: Ja sicher. Es ist ja
auch nichts Schlechtes daran. Das ist ein Punkt, was ich bei Hörspiele
häufig feststelle, wo sich Theater-Schauspieler im Wege stehen,
weil sie sich nicht trauen zu utrieren, weil sie denken, es sei
unkünstlerisch. Das gehört aber dazu. Gerade bei den
Medium Hörfunk. Nur über die Sprache / akustischen Signale
werden da Gefühle, Angst und so weiter transportiert und
das ist toll. Wenn man das mit Stimme und Technik herstellen kann,
indem man ins Mikrophon reinkriecht ganz dicht rangeht und wirklich
nur noch denken muß, den Atem fliessen lassen muß.
Und das sind auch die schönsten Sachen vor der Kamera. Wenn
ich weiß, die Kamera hat nur meinen Kopf oder mein Gesicht.
Dann weiß ich, ich muß nur noch das richtige Denken.
Der Körper macht dann schon die richtige Mimik. Das sind
dann schon schöne Momente.
CHRIzzz: (an Marc) Du warst bei den Aufnahmen
dabei?
SIEPER: Nicht bei allen, aber
bei vielen.
CHRIzzz: Bist Du zufrieden, Ist bei der
neuen Staffel auch immer ein Bösewicht Udo Schenk dabei?
SIEPER: Nein, nein, nein. Nur
dabei. Er hat mir letztens noch erzählt, wie er von Oliver
Döring gequält worden ist.
CHRIzzz: Ach, erzählt!
SCHENK: Naja, gequält ...
(denkt nach)... eher durch die technischen Umstände. Ich
habe zu dem Zeitpunk in Düsseldorf gedreht und wir haben
dann auch einen Termin gefunden, wo ich in Düsseldorf einen
drehfreien Tag hatte. Dann bin ich nach Köln gefahren. Wir
hatten eben nur ein bestimmtes Zeitfenster, wo wir aufnehmen konnten
und es war relativ umfangreich. Und wie bei John Sinclair, dem
Bösen gefordert, mußte man eine ziemliche Stimmakrobatik
an den Tag legen und so war ich abends körperlich fertig.
Das Studio dort ist ziemlich klein ist und die Luft geht einem
aus. Es war auch ein ziemlich heißer Tag - Köln ist
da besonders schlimm. Da war ich abends ziemlich breit und froh,
als ich abends wieder in meinem Bett in Düsseldorf war.
CHRIzzz: Wurden die Stimmen wieder alleine
aufgenommen - im Fachjargon 'ge-x-t'
SIEPER: Ja. Wir haben bei ein/zwei
Szenen, bei denen es möglich war, Enssemble-Aufnahmen gemacht.
Aber das ist halt nicht immer möglich. Es ist halt so, daß
ein Teil der Sprecher aus Köln, ein Teil aus Berlin und ein
Teil aus Hamburg kommt. Unser Myxin - Peter Matitsch - der kommt
sogar aus Wien. Die alle an dem Stichtag zur gleichen Zeit zusammenzubringen,
um eine Ensemble-Aufanheme zu machen, das ist ein so hoher logistischer
Aufwand, der es in Frage stellt, ob es das wirlich wert ist und
ich glaube nach dem Durchhören der ersten drei neuen Folgen,
man hört es wirklich nur noch, wenn man es bis oben hin aufdreht
und eine echte technische Analyse dessen macht. So, wie es jetzt
kommt, ist es schon toll.
CHRIzzz: Hat man aus den ersten 6 Folgen
schon was gelernt?
SIEPER: Das will ich hoffen.
Ich war schon beim Hören der ersten 6 Folgen begeistert.
Das ist ganz groß der Verdienst des Oliver Döring.
Er ist das Unikum, daß die Drehbücher zusammen mit
Jason Dark schreibt, die Änderungen macht (teilweise inhaltlich,
teilweise von uns erwünscth), der die Aufnhamen als Regiesseur
begleitet, am Ende auch schneidet und die Geräusche dazumixt
und das Masterin macht. Und das in einer Person zusammenzuführen,
ist einerseits sehr selten. Auf der anderen Seite ist er aber
auch derjenige, der von anfang an weiß, nämlich wenn
er anfängt die Drehbücher zu schreiben, worauf er hinauswill.
Er schreibt für das Hörspiel. Bei 90% der Rollen weiß
er auch, wen und wie er da hören möchte. Dazu kann Udo
Schenk gleich nochwas zu sagen, ob das für die Arbeit vielleicht
ganz angenehm ist, da man weiß, wohin der Regisseur eigentlich
hinwill. Manchmal macht man dann 25 Varianten einer Szene und
man entscheidet sich nach vielem hin und her doch für die
erste Variante, weil sie nämlich die beste war. Sowas passiert
bei Oliver Döring dann nicht, weil er ziemlich genau weiß,
wo er hinwill. Und das fordert von dem einen oder anderen mehr
Einsatz. Und das ist ein klares Konzept und ich denke auch, daß
man hört, daß es ein durchgehender Stil ist, der nicht
durchbrochen wird.
CHRIzzz: Welchen EInfluß hat Jason
Dark?
SIEPER: Er segnet die Manuskripte
ab. Er bespricht sich auch mit Oliver Döring, was man nimmt
oder auch weglassen kann. Er ist aktiv beteiligt und auch in dem
Gremium, das am Ende um die Freigabe macht. Es ist uns auch wichtig.
Denn es ist soviel passiert mit Sinclair in den letzten Jahren,
wo man sich an den Kopf fasst und fragt, 'Ist das eigentlich das,
was den früheren enormen Erfolg der Serie ausgemacht hat?'
Ich denke hier insbesondere an irgendwelche Verfilmungen. RTL
hat zwar mit der 'Dämonenhochzeit' für deutsche Verhältnisse
einen ziemlich guten Film hingelegt. Auf der einen Seite nehmen
sie richtig gute Schauspieler und auf der anderen Seite besetzen
sie die Nebenrollen mit Sekretärinenn-Assistenen, die am
liebsten noch mit dem Textzbuch rumlaufen würden und alles
ablesen: 'Oh Schau, da ist ein Schloß'. Von der Raffinesse
her, von der Kameraführung her, von der Musik her, vom Schnitt,
vom Trick, war das alles prima.Und sie haben ja auch 5 Mio. Zusschauenr
gehen einen Tatort bekommen. Das war schon ein Superergebnis.
Und als es an die Serie ging, hat jemand bei RTL Muffen gekriegt
und den Schwanz eingezogen und das Budget zusammengeestrichen
und Endemol stand da mit nur noch einem Viertel soviel Geld, wie
sie eigentlich hätten kriegen sollten. Das Ergebnis hat man
dann gesehen. Man kann über Kai Mertens sagen was man will.
Wir haben ihn hier im Studio erlebt. Er ist ein netter Kerl und
ein fähiger Schauspieler, aber für die Rolle als John
Sinclair völlig falsch besetzt. Viel zu lieb und viel zu
nett lieb klein. Das absolute Gegenteil. Es ist sehr erstanulich,
was man sich bei solchen Drehbüchern denkt, die mit der Serie
nichts zu tun haben.
CHRIzzz: Auf wieviele Folgen habt ihr
die Hörspiel-Serie ausgelegt? Auf 107 ? Kommen noch andere
Serien auf uns zu?
SIEPER: Ne, wenn dan 108 (lacht)!
Man muß ganz klar sagen, daß die Verlagsgruppe Lübbe
ein Wirtschaftsunternehmen ist, das nach wirtschaftlichen Argumenten
Entscheidungen trifft. Und solange die Serie Erfolg hat, wird
sie sicher weitergeführt. Wir haben über tausend Romane
zur Auswahl und diverse Taschenbücher. Wir haben da sicher
Stoff für die nächsten paar Jahre.
Und sicherlich gibt es Überlegungen, andere Serien zu machen.
Es ist eine reine finanzielle Sache. Eine Hörspielproduktion
kostet mehr als einen amerikanischen Bestseller einzukaufen, von
dem man sicher sein kann, daß er ein Erfolg wird. Da es
eine sehr unübliche Sache ist, war der Verlag auch so lange
'schwanger' mit der Idee, die JS-Serie als Hörspiel fortzusetzen.
Natürlich hätte man sich 1992 hinsetzen können,
als das Theater mit Tonstudio Braun auf dem Höhepunkt war,
und sagen können: so, das war es mit Tonstudio Braun und
wir machen weiter. Das hätte dann sicher auch genauso geklungen
und das wäre sicher auch von der Produktion her billiger
gewesen. Aber ich glaube es war gut, vor allem für das Publikum,
daß wir uns so lange darüber Gedanken gemacht haben,
solange den Markt beobachtet haben und uns entschieden haben,
das ganze mit richtigen Mitteln und Geld zu verwirklichen.
CHRIzzz: Danke Lübbe ;)
SIEPER: Ich bin ja selber auch
ein Fan von Hörspielen und bin auch mit Hörspielen groß
geworden und habe auch die alten Sinclairs gehört. Zu der
damaligen Zeit gefielen mir die auch nicht schnelcht. Sie hatte
halt diesen Kult-Anstrich. Es gab halt nichts Vergleichbares.
Aber John Sinclair im Vergleich zu einem Gruselhörspiel von
Europa - da wußtest Du was Gut und was Schlecht ist. Wir
haben aus der Vergangenheit gelernt und nutzen die Mittel und
nutzen den Sprecherpool. Wir haben uns halt nun auch auf die Hollywood-Stimmen
eingelassen und so kommt es wohl jetzt auch rüber!
CHRIzzz: Es hat dem Markt gut getan, denn
nun legen auch andere Firmen auf gute Produktionen wert.
SIEPER: Ja, das ist so. Aber
es gab auch in letzter Zeit ein paar Frechheiten, wo ich sagen
muß: 'Was soll denn das!'. Nicht jeder, der sieht, daß
wir damit Erfolg haben, kann sich hinsetzten und sagen 'Ich produziere
nun ein Hörspiel'.
CHRIzzz: Udo Schenk ist auch in den nächst
John inclair-Folgen dabei, weil es soviel Spaß macht?
SCHENK: Von mir aus steht dem
nichts im Wege!
CHRIzzz: Und jetzt das Hörbuch 'Stand
by me’ von Stephen King - ich durfte ja bei einem Teil der
Aufnahmen dabei sein. Ist das schwieriger als ein Hörspiel?
SCHENK: Nein, im Gegenteil. Hörspiel
- wie der Name schon sagt, da kann man spielen. Ein Hörbuch,
da muß man lesen. (lacht) Das ist ganz was anderes. Wenn
man eine Geschichte erzählt, die mal in wörtliche Rede
übergeht, dann kan man wieder ein bischen spielen, ansonsten
ist man aber erstmal als Erzähler gefordert. Das braucht
eine ganz andere Grundhaltung als wenn man eine Rolle spielt,
egal ob vor der Kammera oder vor dem Mikrophon.
SIEPER: Der ganz große
Unterschied ist, daß Du anders als bei einem Hörspiel
bei einem Hörbuch nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von
Personen darstellst.
CHRIzzz: Das ganze Hörbuch steht
oder fällt also mit dem Sprecher ?
SIEPER: Das ist alles voneinander
abhängig!
CHRIzzz: Es gibt schlechte Hörbücher,
die von den Autoren selber gelesen werden, der das alles eben
nicht so sauber rüberbringt, wie ein Schauspieler. Da bin
ich ganz froh darüber, daß Lübbe in letzter Zeit
auch hochkarätige Namen auffährt. Was war denn bei Euch
zuerst da? Hörspiel oder Hörbuch ?
SIEPER: Das Hörbuch. Seit
dem ich den Bereich betreue (1996, Anmerkung), sind wir mit Hörbüchern
am Markt. Das war auch gleich das erste Jahr, als ich mit Synchronsprechern
in Berührung gekommen bin. Seit damals - vor 5 Jahren - gibt
es dann auch Joachim Kerzel bei uns im Cast. Wir hatten damals
den ersten Stephen King gemacht und brauchten eine Stimme, die
auch inhaltlich passt. Da es keinen deutschen Horrorfilm gab,
den man ernst nehmen konnte, dachte ich, man könnte jemanden
nehmen, der in Amerika in Horror-Produktionen dabei war. Aber
bei Prochnov anzufragen., das wäre sicher doof gewesen, ihn
für zwei Tage nach Deutschland zu holen, um hier zu lesen.
Ich habe ihn nie gefragt ... Über Umwegen und liebe Kollegen,
bin ich dann auf die banale Idee gekommen, Synchronsprecher zu
fragen. Und so hatte ich dann seit der ersten Runde, die wir dann
aufgenommen haben, den besten Sprecher. Und zwar mit Abstand -
der bis heute noch spricht. Das will ich nicht missen. Und DER
deutsche Hörbuchsprecher ist ja auch DER klassische Synchronsprecher:
Christian Brückner - der fast schon zu viel macht für
meinen Geschmack. Er ist sicherlich gut, aber man kann den Markt
auch mit einer Stimme überfordern. Wir brechen ja unsere
Linie zurzeit mit den Lesungen von King. Wir hatten King ja immer
klassischer Weise mit Kerzel besetzt und wir haben nun bei 'Das
Mädchen' Franziska Pigulla zusammen mit Kerzel besetzt um
einfach durch die Länge des Textes - es sind 7 CDs geworden
- den Sprecher und auch den Hörer zu entlasten. Das kann
einen wahnsinnig machen, immer nur die gleiche Stimme zu hören...
CHRIzzz: ... wie gut, daß Harry
Potter in vier Teilen gekommen ist!
SIEPER: Und bei King ist es nun,
'Frühling, Sommer, Herbst und Tod' und da bietet es sich
ja auch an, mit 4 Sprechern zu arbeiten. Udo Schenk macht ja nun
'Stand by me'
CHRIzzz. Und Udo Schenk ist zufrieden
mit dem Hörbuch und würde es immer weider machen?
SCHENK: (lacht) So ein Hörbuch
mache ich erst zum zweiten Mal. Was mit persönlich daran
gefällt ist eigentlich auch das, was mich innerlich davon
abhält: das dicke Manuskript, was man bekommt. Dieser Berg,
den man bewältigen muß. Und ich bin wie jeder Mensch
bis zu einem gewissen Grad faul oder bequem und trotzdem möchte
ich auch so einen Berg abarbeiten und sowas reizt mich auch an
einem Hörbuch gegenüber einem Hörspiel, wo sich
die eigene Rolle, wenn man die mal aus dem Manuskript herausnimmt,
auf ein paar Seiten reduziert ist. Bei einem Hörbuch ist
man selber der jenige, der das trägt, der es transportiert
der es gestaltet in jeder Weise. Das ist was Schönes!
CHRIzzz: Sind sie Privat ein Hörspiel-
oder Hörbuch-Fan? Haben sie - außer den eigenen - noch
andere Tonträger zu Hause?
SCHENK: Nein, kann ich nicht
sagen. Ich bin da (denkt) nee faul kann man nicht sagen. Ich habe
da keine Zeit für, mich so damit zu beschäftigen, daß
ich mir diese Bücher dann auch besorge. Die meiste Zeit bin
ich unterwegs zum Drehen und das sind dann mitunter Abläufe,
die so kräftezehrend sind, daß ich mir Entspannung
auf andere Weise suche. Ich jogge und wenn ich zuhause bin, bin
ich stundenland mit dem Paddelboot unterwegs. Oder ich fahre mit
dem Fahrrad durch den Wald. Das ist auch einer der Grüde,
warum ich keinen Computer habe. Nicht, daß ich ihn nicht
gebrauchen könnte, aber ich wüßte ganz genau,
daß - wenn ich einen hätte - auch davor sitzen würde
und im Internet chatten möchte. Deswegen habe ich möglichweise
auch keine große Plattensammlung. Ich komme einfach nicht
dazu. Wenn ich wirklich zu Hause bin, läuft meistens der
Fersehenr und dann suche ich Phoenix oder NTV, wo ich Information
her bekomme und allenfalls abends gucke, was es für einen
interesanten Film gibt. Ein weiterer Nachteil: ich komme auch
nicht ins Kino. Wenn ich Zeit habe, bin ich dann auch sehr träge,
das gebe ich gerne zu. Wichtiger als in die Stadt ins Kino zu
fahren ist dann das, was ich für mich tun kann. In dem Fall
bin ich ein schlecher Vermarktert von Hörbüchern, CDs,
Filmen und Videos.
CHRIzzz: Tja, das kann ich ja dann machen
;) Leider verdient man mit einem solchen Internet-Informations-Portal
kein Geld. Die große Zeit des Hörspiels waren die 80er
und zurzeit ist der Markt nocht nicht so weit, ...
SCHENK: ... weil wir zugeschüttet
sind mit Unterhaltung. Dingen, die uns vom Alltag ablenken.
SIEPER: Man bekommt hat auch,
ohne sich was kaufen zu müssen - sei es eine Kinokarte oder
ein Hörspiel - trotzdem Unterhaltung 'frei Haus'.
CHRIzzz: Ich denke, es ist die Jungedlichkeit
des Mediums. In den 80ern kamen die DDF und die haben wir uns
sofort gekauft und angehört und haben darüber gesprochen.
Heute kaufen sich die Jugendlichen lieber einen Gameboy. Das ist
viel interessanter.
SIEPER: Ich bin mir immer noch
nicht ganz schlüssig, wer eigetnlich die Zielgruppe ist,
die die Höspiele eigentlich kaufen. Bei den Hörbüchern
ist das klar.
CHRIzzz: Erwachsene finden es kindisch,
weil es eben Hörspiele sind ... damals eben nur für
Kinder produziert.
SIEPER: Bei Sinclair bin ich
mir da nicht sicher. Zu Messen kommen immer nur die Jason Dark
Fans und die kommen immer, wenn der irgendwo auftaucht. Das ist
eine sehr homogene Gruppe, die man auch als solche direkt ausmachen
und erkennen kann. Die Leute, die die Hörspiele kaufen, könnte
aber zum großen Teil eine ganz andere Gruppe sein.
CHRIzzz: Gibt es da keine Marktforschung?
SIEPER: Die kann man in Auftrag
geben für mehrere tausend Mark. Klar. Es ist ganz schwer
zu sagen. Von den Reaktion der Leute, die sich melden - die meisten
übers Internet, habe ich das Gefühl, daß es eher
Erwachsene sind, die aus den 80ern heraus Erinnerungen an die
alten Hörspiele haben oder sich erinnern, mal John Sinclair
gelesen zu haben und das lustig finden, daß es das nun auch
als Hörspiele gibt. Es ist halt auf dem technischen Niveau
von heute. Aber sicher bin ich mir da nicht.
CHRIzzz: Ich kann ja nun nur von meiner
Seite aus als Webmaster der hoerspiele.de sprechen. Sehr junge
Käufer haben sicher nicht den Zugriff auf das Internet, aber
die Besucher meiner Seite (und auch die Zielgruppe die man über
das Internet erreicht) sind in der Regel zwischen 20 und 30.
SIEPER: Wir reden ja hier auch
nicht über Kids. Jemanden unter 10 Jahren würde ich
auch nicht raten, die Sinclairs zu hören, dafür sind
sie zu hart. Wir haben das 'ab 16' hinten klein draufstehen aus
zwei Gründen: Erstens gab es mit den Braun-Kasstten in den
80ern mal Ärger wegen Jugendfrei oder nicht - was wirklich
lächerlich war - und um solche Probleme gleich auszumerzen.
Zweitens um 12jährige zu gewinnen, die sagen 'Ey, klasse,
das muß ich haben. Es ist ein Marketinginstrument ... Die
Romane sind alle freigegeben und es gibt eben kiene FSK für
Hörspiele. Auch die Europa-Sachen sind teilweise geschnitten
worden, angeblich wegen nicht-jugendfreiheit. Ich kann das nicht
verstehen, aber vielleicht bin ich zu abgeklärt und habe
zuviele Horrorfilme gesehen.
CHRIzzz: Jaja, sind wir alle - viel zu
abgeklärt!
SIEPER: Ich finde es gut, wenn
man sich erschreckt oder auch erschreckend. Ich habe mal ein Freigabemuster
gehört auf dem Weg von Köln zurück nach Hause und
die Situation war: früher Abend, es war noch ein wenig hell
und ich führ mit 160 km/h gen Heimat. Da klopft es und ich
drehe mich um. Und 5 Minunten habe ich dann über mich gelacht
- wer sollte denn bei Tempo 160 hinten gegen das Auto klopfen
... aber teilweise kannst Du da richtig schon reinkommen und dich
richtig schön erschrecken.
CHRIzzz: auf der anderen Seite gibt es
Serien, die ab 18 Uhr im Fernsehen laufen, wo sie sich gegenseitig
über den haufen schiessen. Das verstehe ich wiederrum dann
auch ncht ... Aber Hörspiele hört man auch alleine...
eigentlich. Wäre eine Live-Aufführung nicht toll? Findest
Du sowas gut?
SCHENK: Und was macht man da?
Ein Hörspiel hören?
CHRIzzz: Live aufführen. Sprecher
sind alle da, ein Geräuschemacher, ein Musiker.
SIEPER: Es ist nicht die Frage
nach teueren Sprechern, sondern nur, ob Du es wirklich schaffst
15 Leute unter einen Hut zu bringen. Udo dreht in Köln, Kerzel
hat Synchron-Jobs in Berlin usw. Die Leute turnen durch die Weltgeschichte
und da einen Termin zu finden - es sollte ja nicht irgendein Termin
sein, sondern ein Freitag oder Samstag - irgendwo zentral. Die
zusammenzubringen, saß die alle können, das kannst
Du zwei Jahre in Vorraus planen, damit das mal klappt und dann
kommt doch noch was dazwischen und einer liegt im Krankenhaus...
In Leipzig hatten wir so eine kleine Mini-Lesug mit Glaubrecht
und Pigulla. Das lustige 5Minunten-Ding hat Oliver Döring
auch extra geschrieben und das ist auch ganz gut angekommen. Damit
hat man auch demonstriert, wie die Arbeit funktioniert, aber das
groß aufzuziehen, ist ein ziemlicher Aufwand. Aber eine
spannnede Geschichte ist das schon - ist ja nichts anderes als
ein Theaterstück.
SCHENK: Gut, ich habe soetwas
noch nicht gesehen, aber mein Ding wäre das nicht. Es ist
eben nicht wie Theaterspielen - Du sitzt vor einem Mikro. Es kommt
ja auch vor, daß Magazine für eine wichtige Synchronisation
ins Studio kommen, und was sehen wollen. Das habe ich noch nie
mitgemacht. Da bin ich immer rausgegangen und habe Pause gemacht.
Ich find das nicht gut. Ich habe auch immer diese Foyergespräche
nach einer Aufführung im Theater nicht so doll gefunden oder
die Leute dann auf die Bühne einladen und sie in die Geheimnisse
einzuweihen - finde ich - muß nicht sein. Und beim Synchron
oder wenn man live spielt, wie ein Hörspiel aufgenommen wird,
kommt noch eins hinzu: Du spielt nicht, sondern Du bist in einer
technisch eingeschränkten Haltung. Weil hier steht das Mikro,
das heißt, ich kann den Gang nicht machen, der wird technisch
erzeugt. Jetzt steh' ich da und muß das spielen und das
sieht für den ungeübten Zuschauer betrachtet mitunter
sehr merkwürdig aus, um es mal vorsichtig zu sagen. Und davon
halte ich nichts. Wenn ich ein Theaterstrück spiele, oder
wenn beim drehen zugeguckt wird, das finde ich immer furchtbar.
Das ist ja etwas Ähnliches. Die Leute sehen einen Filmdreh
und denken, 'boa, das ist spannend' und sehen, wie eine Aktionszene
gedreht wird. Und da explodiert es eben nur einmal dun die Schüsse
sind auch nicht so toll vom Sound her wie im Fernsehen. Und dann
sagen die Leute 'öh, das war’s? Das ist aber blöd'.
Warum müssen wir uns das antun? Das raubt die Illusion. Die
Leute sollten es sich anhören oder ansehen und sagen 'Das
hat mir gefallen' oder 'das hat mir was gebracht'. Aber ihnen
vorzuführen, wie blöd das auch aussehen kann, davon
halte ich nichts. Eine Lesung zu machen, das ist etwas anderes.
Es gibt in Köln ja dieses Barbarella-Entertainment. Die machen
Lesungen von unveröffentlichten Drehbüchern. Das ist
etwas Anderes. Da kommt auch nur eine bestimmes Klientel hin,
das sich dafür interessiert und dann sitzen da sieben Schuaspieler
und jeder hat je nach Film ca. drei Rollen und dann ließt
man ein Drehbuch und macht das eben etwas plastischer durch die
verteilten Rollen, als wenn man das nur pur ließt. Das ist
auch in Ordnung, aber zu sitzen und ein Hörspiel zu gestalten,
wo es darum geht, Haltungen zu sprielen, wie Angst, Freunde, laut
,leise, ohne aber den tatsächlichen körperlichen Vorgang
vollziehen zu können, zeigen zu können, sondern eingeengt
durch das Mikro. Warum ?
CHRIzzz: Wird man eigentlich aufgrund
der Stimme oder des Aussehens auf der Sprache angesprochen?
SCHENK: Ja klar, das bleibt nicht
aus. Es gehört zu dem Job dazu. Das darf man nicht als lästig
opder unangenehm empfindfen, weil es ein Gewerbe ist, was nur
über die Öffentlichkeit funktioniert. Das passiert -
je öfter man im Fernsehen ist, so öfter passiert das.
CHRIzzz: ich bedanke mich bei Udo Schenk und Marc Sieper
für das nette Gespräch und bei Didi Hank für den
Kaffe und den Kuchen.
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Udo
Schenk

Geboren 1953 in Wittenberge. Der an der Theaterhochschule
Leipzig ausgebildete Schauspieler war zehn Jahre von 1975 bis
1985 am Berliner Maxim-Gorki-Theater engagiert, flüchtete
1985 in den Westen.






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