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Olaf, Du hast ein neues Hörspiellabel
ins Leben gerufen. Wie kam es dazu ?
Olaf Seider: Seit ich 8 bin , bin ich
begeisterter Fan von Hörspielen und das ist bis heute so
geblieben. Mittlerweile besitze ich locker 500 CDs und MCs und
bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Hörspielen
oder Hörbüchern. Als Musiker und Produzent habe ich
bislang über 50 Musik-Veröffentlichung auf dem Markt.
Da war der Schritt, eigene Hörspiele bzw -bücher zu
produzieren, eigentlich logisch.
Erzähle uns was zu Deiner Person / Deinem
Team!
Olaf: Na ja , ich bin 32, verheiratet, habe drei Katzen
und eine blühende Fantasie. Durch meinen Job als Videoeditor
in der Film- und Fernsehbrache kenne ich natürlich jede Menge
kreative Leute und auch viele gute Sprecher. Und viele davon sind
genauso wie ich auch "Hörspiel-infiziert". Als
ich mit der Idee rausrückte, waren die meisten total begeistert
und jeder wollte mitmachen Na ja, und dann haben wir auch ziemlich
bald losgelegt.
Angefangen hast Du mit 'Dem Ring des Nostradamus',
oder ? Wie kamst Du auf die Idee?
Olaf: "Der Ring des Nostradamus" war ein Test,
ob wir so was überhaupt können. Wir haben das alle in
unserer Freizeit gemacht und eigentlich, nein wirklich, ohne Budget.
Und es hat natürlich ewig, rund 4 Jahre, gedauert, bis das
Teil fertig war. Deswegen haben wir uns eine Serie rausgesucht,
die niemand anderes vertonen würde, da damals schon feststand,
dass sie eingestellt wird. Wir hatten riesigen Spaß, die
Charaktere genauso trashig rüberzubringen, wie sie geschrieben
sind. Und haben uns totgelacht über den lispelnden Oberkommisar
oder den schlesischen Teufel Samiel. Wir haben allerdings auch
superviel dabei gelernt. Die Hauptlektion: nicht alle Hörspiel-Fans
eignen sich als Sprecher. Aber im Großen und Ganzen, denke
ich, können wir mit dem Sound-Design und der Regie als Debut
ganz zufrieden sein.
Wieso ist dieses Hörspiel nicht bei einem
großen Label untergekommen? Wieso nicht bei Lübbe,
die auch die Roman-Rechte besitzen?
Olaf: Unerfahren wie wir waren, haben wir erst produziert,
und dann angefragt, wie es denn mit den Rechten aussieht. Bastei-Lübbe
vergibt Produktionen nur an Lübbe-Audio und Word-Art, also
ihre eigenen Firmen, oder an Firmen, die genauso viel Geld investieren.
Da das in die Zig-Tausende geht, hätten wir uns das bei unserem
Erstlingswerk sowie nicht leisten können. Für unsere
nächsten Produktionen, die gerade in Planung oder in der
Mache sind, sieht das dann schon ein bisschen anders aus.
Das Hörspiel ist dann bei eBay aufgetaucht
in einer 25er (?) Auflage. Kannst Du uns erklären, wie das
zustande gekommen ist?
Olaf: Die CDs sind für einen uns bekannten Produzenten
hergestellt worden, der mit diesen Demos Verlage und Vertriebe
kontakten wollte. Insgesamt gab es 25 Stück. 15 gingen als
Geschenk an die Sprecher, 10 haben wir bei Ebay versteigert. Und
uns jede Menge Ärger damit eingehandelt. Wir waren einfach
so angetan, dass wir endlich unser erstes Hörspiel fertig
hatten, dass wir wenigstens 10 Hörspielfans damit beglücken
wollten. Auf die Idee, mehr davon pressen zu lassen sind wir gar
nicht gekommen. Also: noch mal für alle: es gibt insgesamt
nur diese 25 Exemplare vom "Ring des Nostradamus" und
dabei bleibt es auch. Und gleich zur nächsten Frage: es wird
keine weiteren Folgen geben, weil: keine rechte, keine Hörspiele,
that´s how it is.
Den doch recht Effekt-fordernden "Ring des
Nostradamus" hast du ja mit etlichen Geräuschaeffekten
versehen - was nutzt man, um hier voranzukommen? Soundarchive?
Ist das alles "Self made", selbstaufgenommen und mit
einem Programm weiterverarbeitet?
Olaf: Klar nutzen wir einige Sound-Effekte aus der Konserve.
Mittlerweile sind wir aber ständig mit Mini-Disk-Recordern
bewaffnet und nehmen auf, was das Zeug hält. Kräftig
unterstützt von Nachbarn mit gruselig schreienden Kindern,
heulenden Hunden, röhrenden Autos, knarrenden Türen
und sonstigen infernalischen Geräuschen. Die sind dann in
unseren neuen Produktionen zu hören. Wie hoffen, dass wir
es schaffen, die erste Folge einer Horror-Serie Ende des Jahres
zu veröffentlichen.
Welches Equipment setzt du für die Aufnahme,
welches Programm für den Tonschnitt ein?
Olaf: Das kommt auf die Produktion an.
- Für Lilith -die Hohepriesterin haben wir Cubase für
die Aufnahme und die Musikkompositionen benutzt, einige Soundeffekte
wurden in Soundforge und Wavelab bearbeitet, gemastert wurde
im ProTools-System.
- Bei Crime Time nehmen wir in Logic auf, die Bearbeitung und
das mastern erfolgt dann genauso wir bei Lilith.
- Die neuen Serien sind aufwendiger, da es Hörspiele werden.
Für die Sprachaufnahmen wird PoTools genutzt, für
die Musikkompositionen Cubase und gemischt wird mit der DSP-Factory.
Wie lange dauert es bis eine Aufname im Kasten
und Nachbearbeitet ist, und pegelst du erstmal, bevor er "ernst"
wird?
Olaf: Oh, kann ich gar nicht beantworten. Wir haben das
noch nie ausgetimed. Ich denke, das kommt auch auf die Szene an.
Natürlich pegeln wir immer sehr gut. Was gleich gut im Kasten
ist, muss man nicht mehr so viel nachbearbeiten.
Welche Tips kannst du anderen Hobby-Produzenten
geben, die ihr eigenes Hörspiel in Angriff nehmen möchten?
Olaf: Viel Geduld und Humor, viel verrückte Freunde
und begeisterte Helfer sind, glaube ich, das Wichtigste. Und eine
verständnisvolle Frau oder Freundin. Kann natürlich
auch ein Mann oder Freund sein, wir wollen ja nicht chauvinistisch
sein.
Mit "Lylith" hast du einen weiteren
Fantasy-Stoff umgesetzt, diesmal jedoch als Lesung. Was ist deiner
Meinung nach einfacher zu produzieren: Ein Hörspiel mit all
den Effekten, Schnitten, etc. oder aber eine Lesung, in der man
eigentlich die ganze Zeit über einen "Fluß"
voranzutreiben hat, so, daß bei etwaigen Schnitten der Erzähler,
bzw. die Erzählerin nicht in der Stimmung schwankt?
Olaf: Ein Hörbuch wie Lilith- die Hohepriesterin
ist für mich natürlich einfacher zu produzieren, weil
man nicht so viele Sound-Effekte hat. Aber frag mal die Sprecherin.
Für die ist das natürlich Schwerstarbeit, sich in so
viele verschiedenen Charaktere zu versetzen und sie so zu sprechen,
dass man sofort weiß, jetzt spricht die Lilith oder die
Mutter oder wer auch immer. Und ich finde, dass ist ihr sehr gut
gelungen.
Wieso ist Lylith nicht als Hörspiel umgesetzt
worden?
Olaf: Witzig, dass du das fragst. Als ich Lilith geschrieben
habe, habe ich komischerweise nie dran gedacht, sie als Hörspiel
zu produzieren. Ich hatte immer die Stimme von Irina im Kopf,
und wusste, dass sie die Personen so sprechen kann, wie ich mir
das vorstelle. Als ich sie dann anrief, habe ich ihr gesagt, dass
es so in dem Stil klingen sollte, wie Rufus Beck Harry Potter
gelesen hat. Und sie war ganz begeistert und hat sofort zugesagt.
Ihr Liebling ist bislang der kleine Drache in Lilith 2. Aber da
kommen ja viele interessante Figuren auf sie und die Horer zu.
Mit 'Crime Time' habt Ihr ebenfalls als Lesung
kleine Kriminal-Geschichten auf den Markt gebracht. Erzähle
uns was darüber!
Olaf: Dominique, die die Geschichten geschrieben hat,
ist absoluter Krimi-Fan. Bei Grillfeten und anschließendem
Lagerfeuer ist sie immer der begehrteste Gast, weil sie uns aus
dem Stand kurze Mordgeschichten erzählen kann. Jeder darf
ein Wort zurufen und daraus bastelt Dominique dann kurze Krimis.
Zugegebenermaßen, manchmal ist die Mischung schon kurios,
das hängt aber an den abstrusen Worten, die sich manche einfallen
lassen. Na ja, mir haben dann alle leid getan, die am Lagerfeuer
oder sonst wo sitzen, und nicht mit einer mordlüsternden
Freundin gesegnet sind. Und so entstand Crime-Time.
Wie laufen die Verkäufe, habt Ihr schon einen
großen Vertrieb gefunden?
Olaf: Wir haben einen guten Vertrieb gefunden. Lilith
und Crime-Time sind in allen Buch- und CD-Läden erhältlich
oder bestellbar. Ansonsten kann ich zu Verkäufen noch nicht
so viel sagen, da wir ja erst mit den Hörbüchern erst
seit kurzem auf dem Markt sind. Aber so wie es anläuft, sind
wir ganz zufrieden.
Und zueletzt einfach mal interessehalber: Welchen
Film, welches Buch oder welches Computer-/Konsolenspiel würdest
du gern als Hörspiel umsetzen?
Olaf: Definitiv keines. Hängt zum einen an der schwierigen
Rechteklärung. (Sowas wie mit Mark Hellmann muss ich nicht
noch mal machen) Zum anderen haben wir festgestellt, dass wir
lieber unsere eigenen Figuren erfinden und damit unsere eigenen
Serien aufbauen. Es ist auch für uns immer spannend, was
sich da entwickelt. Zur Zeit schreiben wir an zwei neuen Hörspielen:
einer Science-Fiction-Serie und an einer actionreichen Horror-Serie.
Und komischerweise kriegen die Personen irgendwann eine Eigendynamik,
die man so eigentlich gar nicht geplant hat. Wir wissen manchmal
selbst nicht, wie ein Abenteuer ausgehen wird, bevor es dann zu
Ende geschrieben ist. Manchmal "weigert" sich eine Figur
doch tatsächlich, sich an´s Script zu halten und beschert
uns einen ganz anderen Ausgang der Geschichte.
Die erste Folge war da noch am vorhersehbarsten. Und die wird´s
von beiden Serien Ende des Jahres zu kaufen geben. Das gilt übrigens
auch für die nächsten Folgen von Lilith und Crime-Time.
Ich hoffe, das beantwortet deine Fragen. Vielen Dank für
dein Interesse an unserer Arbeit und an unserem Label Hoerspiele-Welt!
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Olaf Seider
Geboren:
1969
seit 1990
tontechniker und musikproduznet
seit 1993
Videoproduzent und Editor für mittlerweise alle deutsch sender.
seit 1995
Regisseur bei Videoproduktionen für große Industrievideos
(Lufthansa, Steigenberger Hotels, Pass u.s.w.)
seit 01.07.2002
Gründer und Innaber von hoerspiele-welt.
Autor von Lylith,
die Hohepriesterin und JJ Galagan (comming Dez. 2002)
Die Fragen wurden per eMail gestellt und auch so beantwortet.
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