Special: Das 5te Gebot
Index ... News | Termine | Hörspiele | Kommentare | Community | Specials | Links || Sponsoren || Impressum.div

Hier befindest Du Dich jetzt : Home > Specials >

Interviews

   Olaf Seider
   09.08.2002

Interview mit Olaf Seider (09.08.2002)

Olaf, Du hast ein neues Hörspiellabel ins Leben gerufen. Wie kam es dazu ?

Olaf Seider: Seit ich 8 bin , bin ich begeisterter Fan von Hörspielen und das ist bis heute so geblieben. Mittlerweile besitze ich locker 500 CDs und MCs und bin immer auf der Suche nach neuen interessanten Hörspielen oder Hörbüchern. Als Musiker und Produzent habe ich bislang über 50 Musik-Veröffentlichung auf dem Markt. Da war der Schritt, eigene Hörspiele bzw -bücher zu produzieren, eigentlich logisch.


Erzähle uns was zu Deiner Person / Deinem Team!

Olaf: Na ja , ich bin 32, verheiratet, habe drei Katzen und eine blühende Fantasie. Durch meinen Job als Videoeditor in der Film- und Fernsehbrache kenne ich natürlich jede Menge kreative Leute und auch viele gute Sprecher. Und viele davon sind genauso wie ich auch "Hörspiel-infiziert". Als ich mit der Idee rausrückte, waren die meisten total begeistert und jeder wollte mitmachen Na ja, und dann haben wir auch ziemlich bald losgelegt.


Angefangen hast Du mit 'Dem Ring des Nostradamus', oder ? Wie kamst Du auf die Idee?

Olaf: "Der Ring des Nostradamus" war ein Test, ob wir so was überhaupt können. Wir haben das alle in unserer Freizeit gemacht und eigentlich, nein wirklich, ohne Budget. Und es hat natürlich ewig, rund 4 Jahre, gedauert, bis das Teil fertig war. Deswegen haben wir uns eine Serie rausgesucht, die niemand anderes vertonen würde, da damals schon feststand, dass sie eingestellt wird. Wir hatten riesigen Spaß, die Charaktere genauso trashig rüberzubringen, wie sie geschrieben sind. Und haben uns totgelacht über den lispelnden Oberkommisar oder den schlesischen Teufel Samiel. Wir haben allerdings auch superviel dabei gelernt. Die Hauptlektion: nicht alle Hörspiel-Fans eignen sich als Sprecher. Aber im Großen und Ganzen, denke ich, können wir mit dem Sound-Design und der Regie als Debut ganz zufrieden sein.


Wieso ist dieses Hörspiel nicht bei einem großen Label untergekommen? Wieso nicht bei Lübbe, die auch die Roman-Rechte besitzen?

Olaf: Unerfahren wie wir waren, haben wir erst produziert, und dann angefragt, wie es denn mit den Rechten aussieht. Bastei-Lübbe vergibt Produktionen nur an Lübbe-Audio und Word-Art, also ihre eigenen Firmen, oder an Firmen, die genauso viel Geld investieren. Da das in die Zig-Tausende geht, hätten wir uns das bei unserem Erstlingswerk sowie nicht leisten können. Für unsere nächsten Produktionen, die gerade in Planung oder in der Mache sind, sieht das dann schon ein bisschen anders aus.

Das Hörspiel ist dann bei eBay aufgetaucht in einer 25er (?) Auflage. Kannst Du uns erklären, wie das zustande gekommen ist?

Olaf: Die CDs sind für einen uns bekannten Produzenten hergestellt worden, der mit diesen Demos Verlage und Vertriebe kontakten wollte. Insgesamt gab es 25 Stück. 15 gingen als Geschenk an die Sprecher, 10 haben wir bei Ebay versteigert. Und uns jede Menge Ärger damit eingehandelt. Wir waren einfach so angetan, dass wir endlich unser erstes Hörspiel fertig hatten, dass wir wenigstens 10 Hörspielfans damit beglücken wollten. Auf die Idee, mehr davon pressen zu lassen sind wir gar nicht gekommen. Also: noch mal für alle: es gibt insgesamt nur diese 25 Exemplare vom "Ring des Nostradamus" und dabei bleibt es auch. Und gleich zur nächsten Frage: es wird keine weiteren Folgen geben, weil: keine rechte, keine Hörspiele, that´s how it is.

Den doch recht Effekt-fordernden "Ring des Nostradamus" hast du ja mit etlichen Geräuschaeffekten versehen - was nutzt man, um hier voranzukommen? Soundarchive? Ist das alles "Self made", selbstaufgenommen und mit einem Programm weiterverarbeitet?

Olaf: Klar nutzen wir einige Sound-Effekte aus der Konserve. Mittlerweile sind wir aber ständig mit Mini-Disk-Recordern bewaffnet und nehmen auf, was das Zeug hält. Kräftig unterstützt von Nachbarn mit gruselig schreienden Kindern, heulenden Hunden, röhrenden Autos, knarrenden Türen und sonstigen infernalischen Geräuschen. Die sind dann in unseren neuen Produktionen zu hören. Wie hoffen, dass wir es schaffen, die erste Folge einer Horror-Serie Ende des Jahres zu veröffentlichen.

Welches Equipment setzt du für die Aufnahme, welches Programm für den Tonschnitt ein?

Olaf: Das kommt auf die Produktion an.

  • Für Lilith -die Hohepriesterin haben wir Cubase für die Aufnahme und die Musikkompositionen benutzt, einige Soundeffekte wurden in Soundforge und Wavelab bearbeitet, gemastert wurde im ProTools-System.
  • Bei Crime Time nehmen wir in Logic auf, die Bearbeitung und das mastern erfolgt dann genauso wir bei Lilith.
  • Die neuen Serien sind aufwendiger, da es Hörspiele werden. Für die Sprachaufnahmen wird PoTools genutzt, für die Musikkompositionen Cubase und gemischt wird mit der DSP-Factory.

Wie lange dauert es bis eine Aufname im Kasten und Nachbearbeitet ist, und pegelst du erstmal, bevor er "ernst" wird?

Olaf: Oh, kann ich gar nicht beantworten. Wir haben das noch nie ausgetimed. Ich denke, das kommt auch auf die Szene an. Natürlich pegeln wir immer sehr gut. Was gleich gut im Kasten ist, muss man nicht mehr so viel nachbearbeiten.

Welche Tips kannst du anderen Hobby-Produzenten geben, die ihr eigenes Hörspiel in Angriff nehmen möchten?

Olaf: Viel Geduld und Humor, viel verrückte Freunde und begeisterte Helfer sind, glaube ich, das Wichtigste. Und eine verständnisvolle Frau oder Freundin. Kann natürlich auch ein Mann oder Freund sein, wir wollen ja nicht chauvinistisch sein.

Mit "Lylith" hast du einen weiteren Fantasy-Stoff umgesetzt, diesmal jedoch als Lesung. Was ist deiner Meinung nach einfacher zu produzieren: Ein Hörspiel mit all den Effekten, Schnitten, etc. oder aber eine Lesung, in der man eigentlich die ganze Zeit über einen "Fluß" voranzutreiben hat, so, daß bei etwaigen Schnitten der Erzähler, bzw. die Erzählerin nicht in der Stimmung schwankt?

Olaf: Ein Hörbuch wie Lilith- die Hohepriesterin ist für mich natürlich einfacher zu produzieren, weil man nicht so viele Sound-Effekte hat. Aber frag mal die Sprecherin. Für die ist das natürlich Schwerstarbeit, sich in so viele verschiedenen Charaktere zu versetzen und sie so zu sprechen, dass man sofort weiß, jetzt spricht die Lilith oder die Mutter oder wer auch immer. Und ich finde, dass ist ihr sehr gut gelungen.

Wieso ist Lylith nicht als Hörspiel umgesetzt worden?

Olaf: Witzig, dass du das fragst. Als ich Lilith geschrieben habe, habe ich komischerweise nie dran gedacht, sie als Hörspiel zu produzieren. Ich hatte immer die Stimme von Irina im Kopf, und wusste, dass sie die Personen so sprechen kann, wie ich mir das vorstelle. Als ich sie dann anrief, habe ich ihr gesagt, dass es so in dem Stil klingen sollte, wie Rufus Beck Harry Potter gelesen hat. Und sie war ganz begeistert und hat sofort zugesagt. Ihr Liebling ist bislang der kleine Drache in Lilith 2. Aber da kommen ja viele interessante Figuren auf sie und die Horer zu.

Mit 'Crime Time' habt Ihr ebenfalls als Lesung kleine Kriminal-Geschichten auf den Markt gebracht. Erzähle uns was darüber!

Olaf: Dominique, die die Geschichten geschrieben hat, ist absoluter Krimi-Fan. Bei Grillfeten und anschließendem Lagerfeuer ist sie immer der begehrteste Gast, weil sie uns aus dem Stand kurze Mordgeschichten erzählen kann. Jeder darf ein Wort zurufen und daraus bastelt Dominique dann kurze Krimis. Zugegebenermaßen, manchmal ist die Mischung schon kurios, das hängt aber an den abstrusen Worten, die sich manche einfallen lassen. Na ja, mir haben dann alle leid getan, die am Lagerfeuer oder sonst wo sitzen, und nicht mit einer mordlüsternden Freundin gesegnet sind. Und so entstand Crime-Time.

Wie laufen die Verkäufe, habt Ihr schon einen großen Vertrieb gefunden?

Olaf: Wir haben einen guten Vertrieb gefunden. Lilith und Crime-Time sind in allen Buch- und CD-Läden erhältlich oder bestellbar. Ansonsten kann ich zu Verkäufen noch nicht so viel sagen, da wir ja erst mit den Hörbüchern erst seit kurzem auf dem Markt sind. Aber so wie es anläuft, sind wir ganz zufrieden.

Und zueletzt einfach mal interessehalber: Welchen Film, welches Buch oder welches Computer-/Konsolenspiel würdest du gern als Hörspiel umsetzen?

Olaf: Definitiv keines. Hängt zum einen an der schwierigen Rechteklärung. (Sowas wie mit Mark Hellmann muss ich nicht noch mal machen) Zum anderen haben wir festgestellt, dass wir lieber unsere eigenen Figuren erfinden und damit unsere eigenen Serien aufbauen. Es ist auch für uns immer spannend, was sich da entwickelt. Zur Zeit schreiben wir an zwei neuen Hörspielen: einer Science-Fiction-Serie und an einer actionreichen Horror-Serie. Und komischerweise kriegen die Personen irgendwann eine Eigendynamik, die man so eigentlich gar nicht geplant hat. Wir wissen manchmal selbst nicht, wie ein Abenteuer ausgehen wird, bevor es dann zu Ende geschrieben ist. Manchmal "weigert" sich eine Figur doch tatsächlich, sich an´s Script zu halten und beschert uns einen ganz anderen Ausgang der Geschichte.
Die erste Folge war da noch am vorhersehbarsten. Und die wird´s von beiden Serien Ende des Jahres zu kaufen geben. Das gilt übrigens auch für die nächsten Folgen von Lilith und Crime-Time.

Ich hoffe, das beantwortet deine Fragen. Vielen Dank für dein Interesse an unserer Arbeit und an unserem Label Hoerspiele-Welt!

 

Olaf Seider

Geboren:
1969

seit 1990
tontechniker und musikproduznet

seit 1993
Videoproduzent und Editor für mittlerweise alle deutsch sender.

seit 1995
Regisseur bei Videoproduktionen für große Industrievideos
(Lufthansa, Steigenberger Hotels, Pass u.s.w.)

seit 01.07.2002
Gründer und Innaber von hoerspiele-welt.
Autor von Lylith, die Hohepriesterin und JJ Galagan (comming Dez. 2002)


Die Fragen wurden per eMail gestellt und auch so beantwortet.

 

 

goto top

Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



Special: Titania Sherlock Holmes