Special: Zauberkoch
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Interviews

   Ulrich Pleitgen
   28.11.2003

Interview mit Ulrich Pleitgen (28.11.2003)

Ich bin hier im Auftrag von der www.hoerspiele.de, eine Internet-Site und habe ein paar Fragen. Viele kennen Ihren Stimme, doch wer ist Ulrich Pleitgen wirklich, können Sie sich kurz vorstellen?

(Anmerk. Pleitgen fast schon ein wenig wegen der Frage verstört, aber dennoch bereit, mir ordentlich, ausführlich und ehrlich alle gestellten Fragen zu beantworten)

Ulrich Pleitgen: Ja aber die Leute kennen mich aus dem Fernsehen, ich habe ja sehr viel... bin ja im Fernsehen sehr präsent. Es gibt ja ganz viel Fernsehsendungen von mir, das letzte was ich gemacht habe ist K3. Das ist eine neue Krimiserie, die wir gerade neu aufgelegt haben, da spiele ich den Kommissar Sander, so ein schweigsamer, melancholischer Mann, der der Chef von diesen Kommissaren ist - davon drehen wir jetzt 2 neue und eh...ich weiss es nicht... Wir haben "Nicht von schlechten Eltern" gedreht, eine der berühmtesten deutschen Serien, da war ich der Vater, ein Kapitän zur See - Schefer mit "e". Also eigentlich müssten mich die Leute kennen, also die Leute kommen ja auf der Strasse in Massen zu mir und wollen ja auch ihre Autogramme, ich wüsste nicht, wer mich nicht kennen sollte.

Wie lange sind Sie schon als Synchron- und Hörspielsprecher tätig?

Ulrich Pleitgen: Ich spreche "Nie" Synchron, nur mich selbst, das würd' ich nicht tun, ich leih' keinem anderen Menschen meine Stimme. Nicht weil ich sie so schön finde, sondern ich sehe das einfach nicht ein.

...und wie lange als Hörspielsprecher?

Ulrich Pleitgen: Hörspiele mach' ich schon,seit ich am Schillertheater 1970 angefangen habe, das war mein erstes Engagement, da war ich beim RIAS und habe Hörspiele gemacht. Und ich war beim SFB, also das gehört immer mit dazu. Und auch Literatur gehört für mich immer dazu, das habe ich früher für das Radio gemacht. Jetzt mache ich das sozusagen kommerziell für grosse Hörverlage für Hörspiele eben. Da ich selbst an Literatur sehr interessiert bin und ich sehr viel lese, kann ich mir ein Leben ohne Lesen genauso wenig vorstellen wie ein Leben ohne Essen und Trinken. Lesen ist für mich unabdingbar, einmal am Tag muss gelesen werden. Und selbst an den härtesten Arbeitstagen könnte ich nie einschlafen ohne zu lesen. Ich lese anderen Leuten auch gerne etwas vor. Gerne mache ich auch Lesungen z.B. in Berlin, in Dresden und Hamburg da habe ich verschiedene Programme wie Thomas Mann, dann eine Lesung über Engel. Ich habe eine geradezu äh - nunja erotische Beziehung zur Literatur kann man ja nicht haben - aber so was ähnliches (schmunzelt). Ich brauche Literatur

Wird man Sie in Zukunft weiterhin in kommerziellen Produktionen hören?

Ulrich Pleitgen: Natürlich, ich habe einen ganzes Regal voller Romane, einer der wichtigsten und schönsten Romane, die ich gelesen habe in letzter Zeit ist von Jonathan Franzen - "Die Korrekturen". Das sind 12 CDs mit jeweils 70 Minuten, das haben wir 3 Tagen gemacht. Das ist für mich ein Bedürfnis, Leuten was vorzulesen. Ich habe früher schon meinen Freundinnen im Bett vorgelesen und sie haben mir vorgelesen, das war wundervoll - also im Bett liegend, ganz unverfänglich, verstehen Sie mich nicht falsch - haben wir uns gegenseitig vorgelesen. Literatur ist für mich nicht Spinnerei sondern Literatur ist die verlängerung meines Lebens. In der Literatur finden Dinge statt, die mir plötzlich etwas Aufgehen lassen. Grosse Vergnügen, die ich ohne Literatur nicht hätte. Aber das hat nichts mit Papier zu tun, oder mit einem Menschen der nicht sinnlich ist. Weil man ja heute glaubt, ein Mensch der liest, spinnt ein bischen und will sich aus der Welt entfernen. Im Gegenteil, ich will mitten rein in diese Welt,über die Literatur. Ich begreif' manchmal was, was ich so selbst nicht begriffen hätte. Oder auch mit einem Menschen zusammen, mit dem ich lebe, das hätten wir zusammen nicht rausgekriegt und plötzlich lese ich Marcel Prust oder ich lese Jonathan Franzen oder ich lese auch ein Gedicht von Goethe oder irgendwas und plötzlich sage ich "Ja, Mensch so ist das". Dass ist das, was den Menschen im Innersten zusammenhält. Literatur bedeutet sehr viel für mich und deshalb - Jetzt der langen Rede kurzer Sinn - freut es mich, wenn ich irgendwie...aber das hat nichts soziales, das hat auch nichts manisches oder was verrücktes. Ich lese den Leuten gerne was vor. Und ich freue mich wenn die reagieren.
Ich hab' in Eisenach eine Lesung gehabt, da haben die Leute auf jede kleinste Pointe reagiert, ein paar Thomas Mann Geschichten - es war wunderbar mit denen zusammen. Ich habe die angeguckt, da haben die plötzlich reagiert, da haben die gelacht oder die waren, also so...Ich liebe das. Und ich möchte gerne, das nicht nur Schei*e produziert wird.

Dieser Unterschied zwischen "Nicht von schlechten Eltern" und "E.A.Poe" ist das eine Grätsche für Sie oder ist das einfach nur ein Job?

Ulrich Pleitgen: Das ist keine Grätsche und das ist auch einfach kein Job, das ist mein Beruf. Ich habe den Beruf wegen der verschiedenen Rollen ergriffen. Ich habe mich immer geweigert z.B. als ich Schefer gespielt habe, wurden mir tausend Kapitäne angeboten. Als ich "Leben in Angst" gemacht habe, ein Film in dem ich einen bisexuellen Chefarzt gespielt habe, der in fürchterliche Konflikte kommt, weil er einen Geliebten hat und eine Frau mit Kindern, da haben sie mir andauernd bisexuelle Männerrollen angeboten. Da habe ich gesagt "Nein, nicht nochmal!". Und sie haben mir Kommissare in Massen angeboten, doch ich habe nie einen angenommen, weil ich gesagt habe, die legen mich fest, die Leute. Ich will immer verschiedene Figuren spielen. Ich komme vom Theater und bin es gewöhnt das man einmal so einen Charakter spielt und dann einen ganz entgegengesetzten. Das habe ich auch jetzt wieder gemacht...Ich habe jetzt einen unglaublich lustigen Herren gespielt in Eisenach, der mit so kleinen melancholischen Abstürzen und so, aber der im Grunde ein heiterer und lebensfroher Mann ist. Und dann habe ich einen Kommissar gespielt, der jetzt äh - das geht jetzt immer weiter, das ist eine Serie wie Tatort - der ganz melancholisch ist.

Macht es Ihnen gleichermassen Spass, nur zu sprechen oder nur zu schauspielern? Ist es das Gleiche?

Ulrich Pleitgen: Ja es ist das Gleiche. Ich spiele immer, ich mache z.B. auch Literatur die ich lese, die spiele ich. Ich könnte nie ein Leser sein. Es gibt ja Menschen, die so auf einem ästhetischen Wege, kunstvoll lesen. Es ist eine andere Art so was zu machen. Ich sage immer zu Leuten, "Wenn ich das für Euch lesen soll, ich spiele das mehr, ich bin kein Leser". Für mich kommt das alles, ob ich Theater mache, ob ich einen Film mache, ob ich ein Fernsehspiel mache oder ein Hörspiel, es kommt alles aus einer schauspielerischen Ecke. Und um nochmal auf dieses Produkt "E.A.Poe" zu kommen, um es mal so zu nennen. Denn wir sind ja in einer Zeit in der Dinge verkauft werden müssen. Das gehört zum Liebsten, was ich gemacht habe. Ich liebe das über alles. Es ist technisch gelungen, ich habe das gestern Abend Zuhause gehört auf meiner Anlage. Es rührt unheimlich an die Seelen, denn wir folgen einem Menschen, der wie eine Flipperkugel zwischen merkwürdigen Figuren hin und her fährt, an die er anstösst. Zwischen merkwürdig abweisenden Figuren meistens, die irgendwie immer besser informiert sind als er selber, über seinen Zustand. Für mich gehört das zum ereignisreichsten und schönsten, was ich je gemacht habe. Allein die Tage der Produktion, als ich mit den beiden Jungs (STIL) hier zusammen war...also...

Es gibt ja noch jede Menge mehr Poe Werke, gibt es eine Fortsetzung?

Ulrich Pleitgen: Ich hoffe, dass es das gibt, weil, also mein Herz hängt daran. Ich kann nur den Leuten empfehlen, das zu kaufen. Es ist wirklich Klasse. Und es ist ja nicht so, das hier der reine Horror produziert wird, sondern es löst sich ja auch wieder auf. Man erzeugt also...es ist ganz grosse Kunst. Und was der Rudolf Kunze gesagt hat "Es ist ein ganz grosser Dichter". Und es ist auch jemand, der ganz geschickt schreibt, der weiss wie man schreiben muss um Leute in Spannung zu versetzen. Er schreibt z.B. in einem Gedicht "To Helen" eine Liebeserklärung an eine Frau. Das ist so düster, also düster, man weiss nicht genau worum es geht, man weiss nur es ist eine der intesivsten Liebeserklärungen, die man je gelesen hat. Also er ist ein grosser Dichter. Und sie haben alle mit grossen Fleiss und grosser Begabung daran gearbeitet, ich meine nicht mich, ich meine immer das Produkt insgesamt, ich bin ja nur ein Teil davon.
Ich war richtig erschüttert, als ich gehört habe, wie gelungen das ist. Jetzt habe ich sie zugequatscht?

Welche Produktionen haben sie für die Zukunft geplant?

Ulrich Pleitgen: Ja bei mir stehen zwei Filme in Planung für K3, das heisst Kripo Hamburg. Das sind sehr hochsensible Kriminalfilme, die mit den Kriminalfilmen normal nichts zu tun haben. Was ich zu spielen habe, ist eine Art französische Kommissarsfigur eigentlich, ein Mann der innen und aussen hart ist aber gerecht. Eine Figur, die mich sehr interessiert. Ich habe mich endlich dazu bereit erklärt, einen Kommissar zu spielen. Das ist ein melancholischer Mann und das freut mich sehr. Ich halte Melancholie für eine Begabung, mit Dingen umzugehen. Als ich den Film sah, habe ich den Regisseur sofort angerufen und habe gesagt, "Lasst uns so weitermachen, die nächsten Drehbücher". Diese Melancholie ist selten in deutschen Kriminalfilmen. Keine Machos, sondern einfach Männer, die da ermitteln und nicht zu sensibel und auch nicht kalt. Der Inhalt dieser Filme ist...die Welt ist nicht so eingerichtet, wie sie sein sollte. Das betrachten wir mit einer milden Trauer aber nicht mit Verzweiflung. Das ist das schöne an diesen Krimis und das wird so weitergehen. Und dann bin ich im ZDF in Verabredung über eine grössere Reihe. Und dann lese ich als nächstes von Mankell einen ganzen Roman ungestrichen, denn im Hörspiel habe ich den Wallander meistens gespielt. Ein Mann, der mir sehr nahe ist von seiner Psyche her. Ich wollte ihn auch im Film spielen aber den hat ein schwedischer Schauspieler hervorragend gespielt. Der musste auch etwas rundlich sein und das bin ich ja alles nicht. Da bin ich sehr eifersüchtig, dass der das gespielt hat. Ich hatte mit einem ZDF-Redakteur geredet und zu ihm gesagt, "Lassen sie mich doch das spielen, da machen wir hier so einen Bauch hin". Da hat er gesagt, "Das machen wir gerade mit dem schwedischen Fernsehen". Da war ich irgendwie doch betrübt.

Dann bedanke ich mich für das Interwiev.

Ulrich Pleitgen: Jetzt habe ich wohl zu viel geredet...

Nein, das war genau richtig, vielen Dank!

 

Ulrich Pleitgen

Die ersten Jahre seiner Schauspiellaufbahn steht Ulrich Pleitgen (geb. 1946)
auf Theaterbühnen, darunter das 'Berliner Schillertheater' und das 'Staatstheater Stuttgart'.
Bis 1989 gehört er zum Ensemble des Hamburger Thalia-Theaters. Für seine Arbeit erhält er 1972
den 'Berliner Kunstpreis' für den besten Nachwuchsschauspieler und wird 1980 als 'Bester
Schauspieler des Jahres' geehrt. Sein Bekanntheitsgrad beim Film steigt mit der Serienrolle des
Familienvaters Kapitän Schefer in 'Nicht von schlechten Eltern'. Zu sehen ist er außerdem in
'Der Hammermörder' (1990), 'Mit den Clowns kamen die Tränen' (1990), 'Verurteilt: Anna Leschek' (1991), 'Nana' (1995), 'Im Innern des Bernsteins' (1995), 'Das Ende eines normalen Tages' (1996),
'Kap der guten Hoffnung' (1997), 'Leben in Angst' (1997) und '1000 Meilen für die Liebe' (2001).


Das Interview führte Sensor75 für die hoerspiele.de.
Während der Präsentation der ersten vier Folgen der Serie 'Edgar Allen Poe' wurden die Fragen persönlich gestellt.


 

 

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Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



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