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Interviews

   Interview mit Markus Winter
   09.03.2011

Interview mit Markus Winter

Hoerspiele.de: Markus, Dich kennt man durch verschiedenste Hörspiel-Serien - was macht für Dich den Reiz an dem Medium aus?

Markus Winter: Es ist so ein Zwischending zwischen Hörbuch und Film, das ich sehr liebe. Man wird mit Geräuschen und Stimmen deutlicher geführt als bei einem Hörbuch, aber noch nicht so mit vorgegebenen Bildern zugeschüttet, wie beim Film. Somit bleibt sehr viel Freiraum für eigene Fantasien und Bilder, die im Kopf des Hörers entstehen. Es ist außerdem DAS Medium meiner Kindheit, da ich mit Hörspielen groß geworden bin. Da spielt sicher auch ein großer Nostalgiefaktor eine Rolle. Das geht ja einem Großteil derer so, die heute noch mit Begeisterung Hörspiele hören. Als Autor und Regisseur ist es einfach der Reiz, Inhalte fast einzig über den Dialog zu vermitteln. Das ist der große Unterschied zum Theater und zum Film, wo Du viel über Gestik und visuelle Eindrücke erreichst. Das kannst Du hier nicht. Du hast nur die Sprache und die Effekte bzw. die Musik. Das empfinde ich als sehr spannend. Es ist ganz klar mein bevorzugtes Medium. Wobei ich aber auch das Theater nicht missen möchte, da man dort in Interaktion mit dem Publikum tritt und direkte und ehrliche Reaktionen auf seine Arbeit bekommt. Das ist bei Hörspielen ja nicht so, da man nicht weiß, was der Hörer beim Konsumieren des Hörspiels tatsächlich empfindet.

Hoerspiele.de: "Die DR3i" waren eine gute Plattform und die Geschichten haben mehr überzeugt als das, was zurzeit in der Serie passiert. Hat man Dich mal angefragt, auch für die "richtige Serie" zu schreiben?

Markus Winter: Zunächst einmal freut es mich, dass die anderen Autoren mittlerweile alle bei den drei??? angekommen sind. Ich gönne es Ihnen, denn ihre Geschichten waren wirklich toll. Somit werde ich sicher der einzige DR3i Autor bleiben, dem das nicht vergönnt ist. Denn man hat mich nicht gefragt bisher und ich habe auch keine große Hoffnung, dass das noch passieren wird. Obwohl es Material geben würde, dass seit damals bei den Verantwortlichen liegt. Doch im Grunde ist das Kapitel für mich abgeschlossen. Ich beschäftige mich kaum noch mit den drei??? und habe bis heute keine der Folgen jenseits der 120 gehört. Daher kann ich nicht beurteilen, was zurzeit in der Serie passiert. Aber da nun meine alten DR3i Kollegen mit an Bord sind, sollte es ja in Zukunft genug gutes Material geben, denke ich. Die brauchen mich ganz sicher nicht.

Hoerspiele.de: "Traumwandler" hat es bislang nur auf zwei Teile geschafft. Glaubst Du, dass es damit noch weitergehen wird?

Markus Winter: Eine schwierige Frage. Ich habe gestern, zum ersten Mal seit dem Release vor fast zwei Jahren, beide Folgen gehört und war nachher wirklich traurig, dass es nicht weitergegangen ist. Die Serie hat echt Potenzial, wie ich finde. Mario Cuneo gibt ja leider kaum Neues an Informationen raus. Mein letzter Stand ist, dass er auf jeden Fall weiter machen will und das er jetzt neue Partner hat, die das mit tragen werden. Neuester, avisierter Termin ist Herbst, rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse. Wie sicher das ist, weiß ich nicht. Hoffen wir einfach mal das Beste. Ich würde es mir sehr wünschen, dass es tatsächlich demnächst weitergeht, wobei ich ja schon anderorts mal gesagt habe, dass man eigentlich jetzt nicht kommentarlos mit den nächsten Folgen weiter machen kann. Man sollte einen kompletten Neustart anstreben – mit Marketing und Werbung. Anders hat es, meiner Ansicht nach, keinen Sinn.

Hoerspiele.de: Mit "Geister-Schocker" seid Ihr das Trash-Grusel-Terrain angegangen. Was reizt Dich da an der Bearbeitung.

Markus Winter: Ich bin kein großer Freund des Wortes „Trash“, da es immer noch irgendwie Müll und Schrott impliziert. Und das ist es für mich keineswegs. Diese Stories haben durchaus ihre Berechtigung. Ich bin damit aufgewachsen. Zwar kam ich mehr von den Hörspielen, so habe ich zuerst die TSB Sinclairs gehört, bevor ich einen Roman in die Hand nahm, aber dann bin ich doch bei den Groschenheften hängengeblieben. Sinclair habe ich so bis Band 500 regelmäßig gelesen. Und der Schritt von Sinclair zu den Gespenster-Krimis, die ja der Hauptlieferant für unsere GEISTER-SCHOCKER Reihe sind, ist ja nicht weit. Der Reiz liegt nun darin, diese teils etwas angestaubten Romane, in die Neuzeit zu holen, ohne das ursprüngliche Flair kaputt zu machen. Also den Spagat zu schaffen zwischen liebenswerter Nostalgie und einem modernen Anstrich. Hier und da mal mit einem kleinen Augenzwinkern versehen, natürlich. Gerade in dem Medium kannst Du etwas weiter gehen, etwas over the top. Das finde ich super. Und das macht eine Menge Spaß. Gerade auch das Erfinden eigener Geschichten unter diesem Banner ist eine tolle Sache.

Hoerspiele.de: Und da kommen nach der gut aufgenommenen Folge 11 „Karten des Blutes“ in Zukunft noch Einige?

Markus Winter: Ja. Ich habe vier neue Geschichten verfasst (Die Geliebte der Bestie, Grauen aus dem Eis, Hotel der mordenden Puppen und Der Horrorexpress), die alle bis zur Folge 25 erscheinen werden.

Hoerspiele.de: Mit der Serie seid Ihr ja in dem Genre nicht allein unterwegs. Schaut man da nach rechts und links? Und wie siehst Du die Konkurrenz?

Markus Winter: Sicher schaut man mal nach rechts und links. Ganz ehrlich: Man wär in dem Beruf falsch und absolut fahrlässig, wenn man das nicht tun würde. Aber was soll ich zur Konkurrenz sagen? Generell ist es so, dass ich die GEISTER-SCHOCKER als ziemlich konkurrenzlos ansehe. Sie sind mittlerweile ein echtes Markenzeichen geworden und da sind wir auch mit Recht ein klein bisschen stolz drauf. Wir lieben das, was wir tun, machen eine guten Job und würden uns ab und an auch mal wünschen, dass da in der Szene etwas mehr Anerkennung rüberkäme. Aber na ja, die Hörspielbranche ist kein Ponyhof. ;--) Ich verkneife mir aber in der Öffentlichkeit jegliche Kommentare zur Konkurrenz. Dann kriegt das auch keiner in den falschen Hals. Wer von mir eine Meinung zu anderen Hörspielen haben möchte, darf gerne mal ins LEGACY, Gothic oder ins MultiMania schauen, für diese Blätter schreibe ich nämlich (ganz offiziell) Hörspielrezensionen. Objektiv und sachlich, so wie sich das gehört.

Hoerspiele.de: Ihr macht ja nun auch die "Sherlock Holmes & Co", wo auch neue Holmes-Falle dabei sind. Wie bist Du auf die Besetzung gekommen?

Markus Winter: Ich arbeite ja an der Idee jetzt seit Jahren. „Aus den Geheimakten der Meisterdetektive“ schwirrt schon lange in meinem Kopf herum. In Joachim habe ich dann endlich den Partner gefunden, der das mit mir angegangen ist. In all der Zeit habe ich die verschiedensten Besetzungen für van Dusen, Holmes etc. im Kopf gehabt. Und wir haben verschiedene Castings und Testscreenings gemacht. Das Ziel war ja, einen realistischen Holmes und van Dusen zu präsentieren, auch wenn dieser (s.u.) mit den Hörgewohnheiten vieler kollidieren würde, das war klar. Mir schwebte ein Holmes vor, wie ihn seinerzeit Jeremy Brett in der GRANADA Fernsehserie gegeben hat. Und dann ging ich verschiedene Stimmen durch. Meine erste Idee war übrigens Udo Schenk, aber das hat leider terminlich nicht hingehauen. Dann kam der Film mit Robert Downey Jr. und ich war sofort begeistert von Charles Rettinghaus. Das war es einfach. Also nicht der Film, das ist mir als Holmesianer zu viel Hollywood Popcorn, aber die Stimme fand ich super. Also haben wir Charles Rettinghaus angefragt und exklusiv an uns gebunden. Er war auch sofort angetan davon. Als Watson hatten wir erst eine andere Besetzung, aber dann sagte Charles: „Nehmt doch den Florian. Wir passen einfach zusammen“. Und das war es dann. Bei van Dusen und Hatch hatten wir bereits beide Folgen mit einem anderen Schauspieler als Hutchinson Hatch fertig, aber ich war nicht zufrieden. Mir fehlte diese liebenswerte Naivität. Er musste ein Conférencier sein, der durch das Hörspiel führt. Nett, sympathisch, nonchalant, immer etwas naiv aber eben nie dumm. Irgendwann habe ich dann nach einem Adjektiv gesucht um zu beschreiben, wie ich ihn mir vorstellte. Und da hab ich gesagt: „a ja so wie Norbert Langer damals Magnum gesprochen hat. Genau so stelle ich mir das vor.“ Und da es niemand gibt, der so spricht wie Norbert Langer außer ihm selbst, war klar, dass er es ein musste. Und van Dusen? Der originale van Dusen ist kurz angebunden, hochnäsig, arrogant und eingebildet. Ich habe kurz überlegt und irgendwie an Martin Kessler gedacht. Warum weiß ich gar nicht mehr (nicht, dass es jetzt heißt, ich halte ihn für arrogant ;--)). Wir haben das probiert und in meinen Augen bzw. Ohren hat das auf Anhieb super gepasst.

Hoerspiele.de: Nun hat auch Titania angekündigt Sherlock Holmes-Folgen zu bringen. Und bei Maritim kann ich mir vorstellen, dass es mit der Serie auch weitergehen muss. Wie stehst Du zu der Entwicklung?

Markus Winter: Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Ich bin selbst ein großer Fan ihrer damals im Rahmen der Krimi-Klassiker erschienen Holmes Umsetzungen mit Joachim Tennstedt. Daher freu ich mich drauf. Auch wenn ich, das gebe ich zu, anfangs wegen der doch starken Nähe zu unserem Konzept etwas geschockt war. Und was maritim plant ist noch nicht sicher. Sie haben die etablierteste, erfolgreichste Holmes Serie und werden sicher etwas machen und auch zu Recht weiterhin erfolgreich damit sein. In direkter Konkurrenz sehe ich uns drei dann aber trotz allem nicht. Die Herangehensweise ist schon jeweils eine ganz andere. Auch werden wir uns zunächst einmal im kommenden Jahr vorwiegend anderen Ermittlern zuwenden und Holmes selbst etwas zurückstehen lassen.

Hoerspiele.de: Wie gehst Du bei "Sherlock Holmes und Co" mit der Kritik um?

Markus Winter: So wie ich überall mit Kritik umgehe. Die ernstgemeinten, fundierten lese ich sehr gern und versuche jederzeit daraus etwas mit zu nehmen und zu lernen. Ich nehme mir das also durchaus zu Herzen, denn natürlich bin ich nicht unfehlbar und dankbar für jegliche Unterstützung. Allerdings muss man natürlich differenzieren. Es gibt ja auch viele Hasskritiken, gefärbt von den unterschiedlichsten persönlichen Motivationen. Die nehme ich nicht für voll. Bei „Sherlock Holmes & CO“ sind ja die Kritiken durchweg positiv. Einzig die neue Ausrichtung der Charaktere bereitet den alten Fans Schwierigkeiten. Das ist aber absolut okay und ich verstehe das. Nostalgie und Hörgewohnheiten sind schwer abzustreifen. Dann haben wir leider den Geschmack dieser Leute nicht getroffen, das ist schade, aber nicht zu ändern.

Hoerspiele.de: Auch Professor van Dusen wird in der Serie auftauchen. Auf wen darf man sich noch freuen - wer sind weitere "Co"'s in der Serie? Wird es in Zukunft hoch andere bekannte Romanfiguren wie Miss Marple usw. in eurer Reihe geben?

Markus Winter: Definitiv Auguste Dupin (von Poe) und A.J. Raffles (von Hornung). Mehr ist noch nicht spruchreif. Und wir wollen nichts ankündigen, was nicht in trockenen Tüchern ist. Ich würde sehr gerne Hercule Poirot machen, noch lieber als Miss Marple, aber das ist wegen der Lizenzen fast unmöglich. Die Summen, die die Erben von Agatha Christie aufrufen, sind nicht zu stemmen. Zumindest nicht mit den derzeitigen Verkäufen am Hörspielmarkt. Das ist leider unmöglich. Zumindest im Moment. Und auf ähnliche Figuren mit leicht geändertem Namen stehe ich persönlich nicht. Entweder das Original, oder gar nicht.

Hoerspiele.de: Warum habt ihr euch gerade entschieden Sherlock Holmes und Professor Van Dusen für eure neuen Geschichten zu nehmen. Lag es daran, dass die Lizenzen frei sind, oder wollte ihr einfach auch ein Stücken vom Krimi-Kuchen ab haben?

Markus Winter: Also, hol ich mal etwas aus. Ich bin Holmes Fan, seit ich 10 Jahre alt bin, habe alle 60 Doyles gelesen und behaupte, mindestens die Hälfte davon in und auswendig zu kennen. Ich bin Mitglied der Sherlock Holmes Society of London und der deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft. Meinen ersten, eigenen, Sherlock Holmes Krimi, ein Pastiche also, schrieb ich mit 13. Ich kenne unzählige Holmes Verfilmungen und Hörspiele. Es war immer schon mein Traum und Ziel, eine eigene Umsetzung als Hörspiel zu machen. Und zwar eine, die den Charakteren, die Doyle geschaffen hat, mal wirklich NAH kommt. Denn das tun leider die wenigsten. Gleiches gilt im Übrigen für van Dusen. Futrelle hat, damals im Fahrwasser der Holmeswelle, sehr schöne, klassische Detektivgeschichten mit der Denkmaschine verfasst. Koser hat hauptsächlich eigene Stories geschrieben. Und seine Weiterentwicklung des van Dusen hat auch nur noch sehr, sehr wenig mit dem Original zu tun.

Das die Lizenzen frei sind ist dabei eine nicht zu unterschätzende Nebensächlichkeit, denn sie hilft, die Hörspiele günstiger zu produzieren und in diesem Bereich Geld einzusparen, dass man dann z.B. in die Gehälter der Sprecher pumpen kann.

Hoerspiele.de: Hattet ihr keine Bedenken, dass eure neuen Geschichten niemals an die bekannten und beliebten Klassiker heranreichen könnten?

Markus Winter: Das wollen wir doch gar nicht. Es ist eine eigene Interpretation, die keinen Vergleich mit den geliebten Klassikern sucht. Den Nostalgiefaktor werden wir nie tilgen können, dagegen haben wir keine Chance. Man sollte unser Hörspiele als Zugabe, als kleine geschmackliche Variation begreifen und einfach dabei Spaß haben, mehr nicht.

Hoerspiele.de: Ist eure neue Stimmbesetzung von Sherlock Holmes Und Van Dusen nicht etwas gewagt? Die Ursprecher Peter Pasetti und Friedrich W. Bauschulte gehörten und gehören immer noch unbestritten zu den besten Sprechern und sind unerreicht.

Markus Winter: Genau. Und deshalb darf im Grunde niemand mehr van Dusen oder Sherlock Holmes Hörspiele veröffentlichen. ;--) Na, wir haben die Rollen sorgfältig gecastet und dann vergeben. (s.o.) Ich finde, gerade Hutchinson Hatch ist ideal besetzt – es ist eine wahre Freude Norbert Langer zuzuhören. Sicher sind Pasetti und Bauschulte auch für mich unerreicht, aber sie sind nun mal tot. Ich denke, wir haben bei allen Rollen eine hervorragende Wahl getroffen. Letztlich ist das eben auch immer eine Geschmacksache. Und wie gesagt: Gegen die Nostalgie kommen wir nicht an. Wer van Dusen vorher gar nicht kannte, ist von unseren Hörspielen begeistert und findet die Koser-Originale eher angestaubt. Wer diese Originale liebt, findet unseren van Dusen schrecklich arrogant und die Umsetzung unpassend. Eine Schnittmenge gibt es leider kaum. Ich finde das sehr schade, aber das müssen wir akzeptieren.

Hoerspiele.de: Wie lange dauert durchschnittlich eine Gesamtproduktion vom Skript bis zum fertigen Tonträger bei euch?

Markus Winter: Schwer zu sagen. Das variiert. Grundsätzlich kann man sagen, dass ich etwa zwei Wochen an einem Skript arbeite. Dann geht es daran, die Rollen zu besetzen und die Sprecher zu kontaktieren, was nochmal ungefähr eine Woche an Organisation bedeutet. Dann werden meist zwei oder drei Aufnahmetage angesetzt. Anschließend beginnt in meinem Studio die Post-Pro, also Abmischung, Sounddesign, Musik, Schnitt etc. Das dauert je nach Hörspielgattung und Umfang gut drei Wochen. Dann noch ein Tag Mastering und gleichzeitig zwei, drei Tage Arbeit am Booklet. So, wenn Du das jetzt alles zusammenrechnest, hast Du die ungefähre Dauer einer Hörspielproduktion. Wobei wir eben auch kombinieren, also schon mal die Aufnahmen für mehrere Skripte gleichzeitig machen, anders wäre das gar nicht kalkulierbar, so dass das nur eine ungefähre Rechnung ist.

Hoerspiele.de: Ist die Titelmelodie auch von euch komponiert worden?

Markus Winter: Das Grundmotiv stammt von einer guten Freundin von mir namens Claudia Sirnbacher, die studierte Geigerin ist und u.a. bei den Düsseldorfer Symphonikern spielt. Sie hat noch eine Kollegin mitgebracht, die das
Saxophon beigesteuert hat. Die restlichen Instrumente, einschließlich Programming, hat dann der Jonas Bentin gemacht, der im Grunde zu meinen Stammusikern gehört und auch auf allen HERTzTON Alben mitgewirkt hat. Er hat auch die Arrangements gemacht. Wie wir an den vielen, positiven Rückmeldungen sehen, ist die Musik super angekommen und ein echter Ohrwurm, was uns natürlich riesig freut.

Hoerspiele.de: Eure Sherlock Holmes und Co. Produktionen haben diesen 80 Jahre Flair, ohne dabei kitschig zu klingen. Viele bekannte Sprecher habt ihr am Start, besonders aufgefallen ist mir in einer Nebenrolle Friedrich Schoenfelder. Wie seid ihr an diesem schon sehr alten Top-Sprecher gekommen? Er ist ja schon fast 95 Jahre alt.

Markus Winter: Das ist immer unterschiedlich. Frank Glaubrecht z.B. habe ich bei einer John Sinclair Präsentation, zu der ich geladen war, im Kölner E-Werk persönlich kennengelernt und dann einfach gefragt, ob er nicht Lust hätte mitzumachen. Er hatte. Bei anderen geht man klassisch übers Management. Bei Schönfelder war das so. Wir haben angefragt, er hat großes Interesse gehabt – und dann haben wir ihn genommen. Es war für mich etwas ganz Besonderes mit ihm zu arbeiten, denn er ist ein ganz Großer des Synchrongeschäfts und für mich unzertrennbar mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. Generell habe ich schon beim Erstellen des Skriptes bestimmte Sprecher im Kopf. Viele Rollen schreibe ich auch extra für bestimmte Stimmen. Manchmal klappt das dann mit den Besetzungen nicht, aber in den meisten Fällen hat das funktioniert und ich habe letztlich meinen Wunschsprecher/in bekommen.

Hoerspiele.de: Die erste Produktion der Reihe kommt ja ganz forsch daher und erzählt vor der bekannten Holmes Geschichte eine Studie in Scharlachrot eine ganz andere Startgeschichte der Reihe. Wie kam es zu dieser Idee?

Markus Winter: Nun, das war meine Idee, weil ich einfach mit der ersten Folge einen Startpunkt setzen wollte. Einen neuen Nullpunkt für unseren neuen Holmes, daher habe ich die Kennlerngeschichte aus Studie in Scharlachrot übernommen und dann das Pastiche Das Geisterhaus darin verwoben. Da das bei fast allen Holmeskennern super angekommen ist, kann die Idee so schlecht nicht gewesen sein. ;--)

Hoerspiele.de: Was erwartet uns, wenn WinterZeit ab Folge 4 Christoph Schwarz übernimmt?

Markus Winter: Zunächst einmal sind wir da, ähnlich wie bei den GEISTER-SCHOCKERN, einem Konzept unterworfen, das ganz klar von Joachim und der Romantruhe vorgegeben wird. Das ist bei Sherlock Holmes & CO, Fall für die Rosen und auch beim Vampir-Gothic anders. Wobei das natürlich bei Vampir-Gothic auch so ist, das wir inhaltlich an den Büchern von Martin Kay bleiben werden. Bei diesen drei Serien aber ist WinterZeit alleinverantwortlich für Ausrichtung, Stil und Inhalt. Bei den GEISTER-SCHOCKERN und Christoph Schwarz ist es die Romantruhe, die klare Vorgaben macht, in deren Rahmen wir dann noch etwas Spielraum haben, eigene Ideen einzubringen, aber eben immer unter den vorgesehenen Richtlinien. Gerade bei Christoph Schwarz ist es ja so, dass es bereits drei Folgen gab. Und da es sich hier um eine fortlaufende Serie und nicht um eine Reihe von losen Einzelgeschichten, wie bei den GEISTER-SCHOCKERN, handelt, sind wir natürlich bemüht, den Bruch, also den Unterschied, zu den bereits erhältlichen Folgen nicht zu gross werden zu lassen. Auch gibt es bei Christoph Schwarz die Absprache mit Autor Gunter Arentzen, dass am Inhalt der Bücher und an den Charakteren nichts geändert werden darf, ich bin da also als Drehbuchautor nicht so frei wie sonst. Natürlich ändern wir gegenüber den ersten Hörspielen etwas, probieren neue Dinge aus. So wird zum Beispiel dieser Newsticker, also diese Orts und Zeitansage, die mich immer an Larry Brent und/oder Sinclair erinnert hat, ersatzlos gestrichen und wir werden ausschliesslich mit Profisprechern arbeiten, was ja bei den ersten drei Folgen nicht der Fall war. Aber was Ausrichtung und Stil angeht hängen wir uns selbstverständlich an die Romane und die gute Vorarbeit der Hörfabrik dran, das ist doch logisch, sonst schockst und verprellst Du die Hörer, die Christoph Schwarz bisher gehört und gemocht haben.

Hoerspiele.de: Schon länger geplant ist Vampir-Gothic. Allerdings wurde der Release bereits mehrmals verschoben. Woran hapert es denn da? Habt Ihr keine Angst, dass Ihr den aktuellen Vampirboom verpasst?

Markus Winter: Vampir-Gothic ist wirklich eine feine Serie. Die Bücher bieten inhaltlich sehr viel Potential. Und unser Team versucht nun, dieses auch optimal heraus zu kitzeln. Es wird die aufwendigste Produktion, die wir bisher realisiert haben. Keine Kompromisse. Und das kostet einfach Zeit. Das Tagesgeschäft sind die bereits etablierten Serien, so dass wir da eben immer wieder etwas schieben müssen. Und der Vampirboom ist doch bereits längst am Abklingen. Da legen wir auch keinen Wert drauf. Ich denke, die Serie wird zeitlos werden. Es gibt, glaube ich, aktuell keine Vampirserie am Hörspielmarkt. Und wir wollen hier auch keinen One-Shot produzieren, sondern eine möglichst langlebige Serie erschaffen, die Fans aus den verschiedensten Lagern begeistern kann. Also die klassischen Hörspielfans, die Gruselfans aber auch jüngere Fans des Vampirgenres und Mitglieder der Gothicszene. Es hängt also viel dran und wir wollen ein vernünftiges Gesamtpaket schnüren – und es gibt keinen Schnellschuss so lange dieses nicht zu unserer vollsten Zufriedenheit steht.

Hoerspiele.de: Du hast auf Deiner Website auch eine neue Serie aus Deiner Feder, "Ein Fall für die Rosen", angekündigt. Auf was dürfen wir uns da freuen?

Markus Winter: Auch daran arbeite ich schon sehr lange und das Konzept hat viele Veränderungen durchlaufen. Geblieben ist, dass es sich um drei Geschwister handelt, die, zusammen mit ihrem geheimnisvollen Mentor, verschiedene Rätsel und Geheimnisse entwirren müssen. Die Serie spielt im Paris des beginnenden 19. Jahrhunderts und hat einen mystischen Einschlag, denn die drei Geschwister verfügen über besondere Kräfte, die sie aber erst im Laufe der Serie erkennen und zu beherrschen lernen. Es ist im Grunde also eine fortlaufende Serie, allerdings immer mit abgeschlossenen Rätseln und Fällen. Die Rahmenhandlung läuft allerdings chronologisch weiter. Die Drehbücher für die ersten vier Folgen stehen, im Moment läuft das Casting für die Hauptsprecher. Wenn alles glatt geht, werden alle vier Teile im Sommer produziert und im Herbst veröffentlicht.

Hoerspiele.de: Wir danken für das ausführliche Interview!

 

Steve Rich und CHRizzz führten das Interview per Mail

Hier findest Du eine Auswahl über Markus Winters Serien:

Geister-Schocker

Sherlock Holmes & Co

Ein Fall für die ROSEN

Traumwandler



Seit 1993 als Autor, Sänger und Musiker aktiv. Mehrere offizielle Tonträgerveröffentlichungen und kleinere Tourneen. Außerdem Veröffentlichung diverser Kurzgeschichten in verschiedenen Medien. 1998 wird sein erster Roman „Der Rächer“ unter einem Pseudonym bei Ullstein veröffentlicht. 2002 gründet er das eigene Label WinterZeit Tonträger. Seither selbstständig tätig als Tontechniker, Produzent, Musiker und Autor. Zwischen 2002 und 2007 veröffentlicht er drei Alben mit der Gothicrock - Formation HERTzTON. Im August schreibt er eine Folge für die erfolgreiche Sony BmG Hörspielserie DiE DR3i. Leider wird die Serie, für die er bereits zwei weitere Skripte vorbereitet hatte, urplötzlich aufgrund einer geänderten Rechtssituation eingestellt. Im Frühjahr 2008 stößt er als neuer Autor zum Team von delicious media productions. Die erste gemeinsame Zusammenarbeit ist die sechsteilige Hörspielreihe „Traumwandler“, die im Frühjahr 2009 mit den ersten zwei Folgen gestartet wurde. Zur gleichen Zeit entsteht bereits ein neues, ebenfalls für 2009 vorgesehenes, Hörspielprojekt in Eigenregie. Als Skriptautor ist er unter anderem für die von Frank Lustig und Martin Armknecht ins Leben gerufene und von Georg Uecker, Guildo Horn und Ralph Morgenstern präsentierte Eventproduktion “Fang den Mörder” tätig, deren Ratekrimis deutschlandweit zur Aufführung kommen. Er ist dort seit Jahren fester Autor. Im Herbst 2010 wird bereits sein achtes Stück uraufgeführt. Für das Kerpener Label ROMANTRUHE schreibt er sämtliche Hörspiel- und Hörbuchdrehbücher, u.a. für die Reihen GEISTER-SCHOCKER, Sherlock Holmes & Co, Vampir Gothic, Höllenjäger und Christoph Schwarz. Auch übernimmt sein Studio die komplette Produktion der Hörspiele. Er fungiert sowohl als Sprecher und Schauspieler, als auch als Regisseur und künstlerischer Leiter. Er ist dort mittlerweile fester Mitarbeiter und eng befreundet mit Labelchef Joachim Otto. Seit vielen Jahren ist er außerdem journalistisch tätig und hat bisher für die verschiedensten Magazine im Bereich Musik und Multimedia geschrieben. U.a. ist er festes Redaktionsmitglied beim LEGACY Magazin. In diesem Jahr erscheint auch sein neuestes Album. Diesmal allerdings nicht unter dem Namen HERTzTON sondern unter dem neuen Banner m.o.l.pro.ject. Ferner erscheinen mehrere Fremdveröffentlichungen auf seinem Label. Markus Winter lebt und arbeitet in Leverkusen.

Infos bei Wikipedia

 

 


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Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



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