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Interviews

   Interview mit Heikedine Körting von Thomas Beyer
   09.07.2019

Von der Rechtsanwältin zur geliebten ''Hörspielkönigin''

Sie hat mit ihrem Mann Andreas E. Beurmann das Genre Kinderhörspiel in Deutschland erfunden und etabliert. Und damit die deutschen Kinderzimmer erobert. Heikedine Körting. Andreas Beurmann gründete in den 60er Jahren die Firma Miller International in Quickborn mit dem Label EUROPA.
Geboren wurde Heikedine Körting 1945 in Jena und wuchs in der Hansestadt Lübeck auf. Seit 1973 ist sie beim Label EUROPA alleinverantwortlich für die Regie- und Drehbuch-arbeit und Produktion. Viele nennen sie liebevoll die Hörspielkönigin. Zunächst vertonte sie Märchen und seit vielen Jahrzehnten unzählige Erfolgsserien wie Die drei???, TKKG, Fünf Freunde u.v.m.
1979 heiratete sie Andreas Beurmann (den Titus Jonas aus den Drei??? Hörspielen). Sie produzierte bis heute mehr als 3000 Hörspiele und bekam über 200 Goldene- und Platinschallplatten.

Thomas Bayer: Herzlichen Glückwünsch zu 40 Jahren Hörspielserie Die drei???.

Heikedine Körting: Danke !

Über das 40. Jubiläum und die Releas-Party in Berlin am 6. Juli 2019


Thomas Bayer: Wie war die Release Party zur 200. Folge "Feuriges Auge" am 6. Juli in Berlin?

Heikedine Körting: Es war wunderbar. Die Räumlichkeiten vom Rundfunk (RBB) waren fantastisch, ungefähr für 800 Leute war Platz. Da waren 60 geladene Gäste, also Schauspieler und Menschen, die in irgendeiner Form mit Hörspiel zu tun haben auch vom Kosmos Verlag. Und der Chef von Sony, Herr Seelig. Es gab Karten zum Kaufen für Fans. Und wir hatten einen sehr angenehmen Moderator. Oliver Rohrbeck hatte begonnen und gesagt, dass er normalerweis die Release Partys moderiert.
In diesem Fall war es eine Release Party, die sehr viel größer aufgezogen war. Natürlich auch kostspieliger. Es war eine unglaublich warmherzige, richtig schöne und runde Sache für 40 Jahre Die drei??? - Hörspiele. Als die Jungs Oliver, Jens und Andreas auftraten, gab es so einen stürmischen Jubel, wie ich das nur bei Popstars kenne.
Tante Mathilda (Karin Lieneweg) war der Knüller. Sie ist einfach herrlich, sie ist von Anbeginn dabei. Und auch Jürgen Thormann und Eckard Dux sind klasse. Für die beiden großartigen Schauspieler sind alle aufgestanden für Standing Ovations.
Es war eine festliche Release Party, sehr liebevoll und ein voller Erfolg.

Thomas Bayer: Ihre Arbeit ist eine außergewöhnlich beeindruckende Lebensleistung!

Heikedine Körting: Ich musste mich als ich am Samstag auf der Bühne stand, kneifen und dachte "Mensch, kann das eigentlich wahr sein? Das gibt es doch nirgendwo auf der Welt nochmal !".

Thomas Bayer: Seit wann veranstalten Sie diese Release Partys?

Heikedine Körting: Das ist ja Olivers Idee gewesen. Er macht diese Partys ja schon seit 2004 und seit Folge 114 (also schon 15 Jahre) immer in einer anderen Stadt. Das hat sich über die Zeit schön eingespielt. In diesem Fall war es ja eine Sache, die sehr viel größer aufgezogen war.

Thomas Bayer: Bei Ihnen auf KulturGut Hasselburg war im Mai eine Drei??? Release Party !

Heikedine Körting: Stimmt, das war ganz hinreißend, es war für die Folge 199 "Der grüne Kobold".

Thomas Bayer: Die war gut gemacht fand ich!

Heikedine Körting: Ja, sehr schön ! Finde ich auch.
Wir müssen versuchen aus dem Buch, so wie es uns vorliegt, ein schönes Hörspiel zu machen. Das ist manchmal nicht ganz so einfach!

Thomas Bayer: Jürgen Thormann und Eckart Dux sind doch schon über 90 Jahre alt, oder?

Heikedine Körting: Ja, Jürgen Thormann ist bereits 91 und Eckart Dux ist 92 Jahre alt ! Unglaublich. Das ging einem wirklich unter die Haut, weil sie beide stimmlich immer noch toll sind. Jürgen Thormann hat in der 200. Folge die Rollo von Solomon Charles gesprochen.

Thomas Bayer: Ich habe mal Anselm Grün bei einer Veranstaltung mit 1500 Leuten erlebt. Dort hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Heikedine Körting: Das ist bei jeder Release Party tatsächlich so. Diesmal in Berlin wurden einige Ausschnitte gespielt, weil das neue Jubiläums-hörspiel über 5,5 Stunden lang ist. Als die Besucher in den Sendesaal kamen, liefen über die Leinwand Bilder aus der gesamten Drei??? - Zeit der drei Hauptdarsteller.
Es war schön zu sehen, wie das Publikum herrlich gelacht hat, z. B als Bob die Grubenlampe (Anm. Szene in einer Quecksilbermine in Dalton) nehmen soll und dafür einen alten Kassettenrecorder hochhält, der laut klappert.
Das Publikum war begeistert, es waren alle da: Oma, Opa Vater, Mutter, Tante, Onkel und natürlich Kinder !

''Feuriges Auge'', Jubiläumsfolge 200


Thomas Bayer: Ist man auch bei Folge 200 aufgeregt?

Heikedine Körting: Oh ja, jedes Mal wieder von Neuem! Es ist nie reine Routine, immer wieder eine neue Herausforderung. Beim Lesen der Skripte überlege ich schon, welche Schauspieler wir dafür engagieren könnten? Es ist jedes Mal, für jedes Hörspiel, eine neue Aufregung!

Thomas Bayer: War Das Buch "Feuriges Auge" inhaltlich stimmig als Fortsetzung von Folge 5 (Der Fluch des Rubins)?

Heikedine Körting: Das hat André Marx wunderbar geschrieben, wirklich richtig gut gelungen.
Ich bin gespannt, wie die Fans auf diese Jubiläumsausgabe reagieren auf ein über fünfeinhalb Stunden langes Hörspiel. Das sind jetzt immerhin 4 CDs, 4 MCs und 6 LP´s.

Thomas Bayer: Was macht die Folge "Feuriges Auge" für Sie aus? Was ist Ihre Lieblingsszene?

Heikedine Körting: Für mich ist es wunderbar, dass ein älteres Hörspiel wieder aufgegriffen und spannend ergänzt wird. Am tollsten finde ich die Szene, wo alles aufgelöst wird. Wenn sie endlich wissen, was das Geheimnis des Feurigen Auge ist.
Diese Jubiläumsfolge ist eigentlich eine Auflösung und Fortführung unserer Folge 5 (Anm. Redaktion, "Der Fluch des Rubins"). Das indische Thema wurde wieder aufgegriffen. Der Autor André Marx hat das Buch geschrieben. Er hat es so fortgeführt, dass es zu einem Endergebnis kam.

Thomas Bayer: Im ersten Band, am Ende des zweiten und den kompletten dritten Band hindurch ist die Geschichte "Feuriges Auge" sehr spannend.

Heikedine Körting: Da haben sie vollkommen recht, ich freue mich darüber!

Thomas Bayer: Es gibt ja verschiedene Drei???-Autoren! Passt da alles zusammen, die Charaktere?

Heikedine Körting: Es gibt insgesamt sieben Autoren, die alle wunderbare Bücher verfassen, die wir dann vertonen dürfen. Und das mit großer Freude !

Über die Serie ''Die drei???''


Thomas Bayer: Wussten Sie von Beginn an, dass die Serie ein Erfolg werden würde?

Heikedine Körting: Aber ja, das wusste ich. Ich wusste zwar nicht, dass wir 40 Jahre lang weiterproduzieren würden mit meinen entzücken-den Kindern, aber dass das etwas besonders erfolgreiches werden würde, das habe ich eigentlich geahnt.
Wir hatten ja schon andere Serien angefangen, Fünf Freunde, Hanni und Nanni usw. und dann kam mir eben dieses Buch, das erste Buch (Der Super-Papagei) in die Hand. Ich war so hingerissen und ich wusste, dass das auch noch ganz andere Kinderzimmer erobern wird als die anderen Folgen, die wir hatten. Und das war ja dann auch so.

Thomas Bayer: Wie war das mit Oliver, Jens und Andreas als die noch ganz jung waren?

Heikedine Körting: Als wir die ersten Folgen gemacht haben, war es nicht so wie heute, einmal anlesen, vorher alles schön geprobt und vielleicht 1 bis 2 Versionen machen. Da haben wir auch schon mal fünf, sechs bis zehn Versionen gemacht, aber schwer war es eigentlich nicht. Wichtig war natürlich, dass diese Action reinkommt, das, was ja auch das EUROPA-Hörspiel und die Drei??? - Hörspiele ausmacht. Wir haben nicht nur Sprecher oder Kinder, sondern dass wir sie in eine Welt versetzen, in der wir fast filmisch etwas hören können. Das macht es ein bisschen schwierig.

Thomas Bayer: Heute hören viele zwischen 20 und 50 Jahren die Drei???

Heikedine Körting: Stimmt wohl und sogar noch älter, noch bis zu 55. Ich sage immer, Vater, Mutter, Opa, Oma, Tante, Onkel, Kind und Ungeborene ! Die hören auch mit!

Thomas Bayer: Wer sind die Hörer und in welchem Alter?

Heikedine Körting: Durch die Bank eigentlich alle. Auch sehr viele Mädchen hören die Drei???. Ich hatte früher immer gedacht, es sei ein reines Jungsprodukt. Wir hatten gerade eine Schulkasse im Studio, die jungen Leute waren zwischen 13 und 15 Jahre alt. Die meinten "Ja, die drei??? haben wir als Kind gehört. Jetzt nicht mehr". Aber ich denke doch, die werden die Hörspiele wieder mit 25 hervorholen!

Thomas Bayer: Eine Lieblingsfolge für mich ist der dreiTag, das ist eine Geschichte mit drei unterschiedlichen Enden.

Heikedine Körting: Das freut mich, wenn Sie das sagen, die Folge gefällt mir auch richtig gut!

Thomas Bayer: Auch in der Anzahl an Hörspielen, die Sie ständig herausgeben.

Heikedine Körting: Sechs Folgen bei den Drei??? im Jahr und immer eine Sonderfolge. Dazu kommen die Serien TKKG, Fünf Freunde, Hanni und Nanni, Hexe Lilly und jetzt auch wieder Gruselfolgen.

Thomas Bayer: Wie viele Hörspiele produzieren Sie pro Jahr?

Heikedine Körting: Zwischen 20 und 30.

Thomas Bayer: Wie viele Hörspiele haben Sie insgesamt bis heute produziert?

Heikedine Körting: 3000 Hörspiele.

Thomas Bayer: Ich höre gerne Die drei??? und Die blutenden Bilder, ein Fall, der ja einen wahren Hintergrund hat

Heikedine Körting: Das ist schön, dass sie die Folge immer noch hören. Das ist ein wirklich gutes Hörspiel.

Thomas Bayer: Wie lange dauern die Sprachaufnahmen für die Drei???

Heikedine Körting: Das wurde ich auf der Bühne der Release Party auch gefragt. Für die Sprachaufnahmen brauchen wir etwa 2, 3 oder auch mal 4 Tage. Der Erzähler wird gesondert aufgenommen, ebenso kleine Minirollen. Aber dann kommt für uns die richtige Fleißarbeit, wir sagen gern "Basteln wir das Hörspiel!".

Thomas Bayer: Wie oft treffen Sie sich für Aufnahmen mit den Drei???

Heikedine Körting: Wir haben pro Jahr so 5 bis 6 Inseln (so nenne ich das). So nenne ich unsere Terminverabredungen. Wir müssen schon im Voraus planen, wann wir alle zusammenkommen können. In diesem Jahr kommen wir nochmal im September und im Dezember zusammen.
Denn die Drei haben ja ihre vielfältigen künstlerischen Aufgaben. Und wie schon oben gesagt, ist es wichtig, dass wir gemeinsam arbeiten.

Thomas Bayer: Hört der Schauspieler das Endprodukt, also das fertige Hörspiel?

Heikedine Körting: Das kann ich nicht so ganz beurteilen, der eine hört es sich an, der andere nicht.

Thomas Bayer: Auf was können sich die Drei??? - Fans in diesem Jahr und im Jahr 2020 freuen. An welcher Folge arbeiten Sie denn im Moment?

Heikedine Körting: Wir sind gerade dabei Folge 201 "Höhenangst" zu produzieren. Wir sind fast fertig damit. Auch Folge 202 "Das weiße Grab" und 203 haben wir bereits in der Rohform aufgenommen. In "Das weiße Grab" stecken die Jungs nach dem Abgang einer Lawine in einer Hütte fest, es spielt also im Winter. Da ist auch ein Unfall passiert. Die Geschichte ist vom Autor Ben Nevis geschrieben.

Über Oliver, Jens und Andreas


Thomas Bayer: Stimmt es, dass Jens zunächst Bob Andrews sprach und Andreas Peter Shaws Rolle? Wie war das?

Heikedine Körting: Olivers Rolle als Justus Jonas war klar, als Anführer. Bei Andreas und Jens hatte ich mir die Stimmen anders herum gedacht. Dann haben wir es im Studio, wir hatten Zeit, mal andersherum probiert, und gemerkt, dass es so herum besser passt.

Thomas Bayer: Wie kamen Sie auf Die drei???-Sprecher Oliver, Jens und Andreas?

Heikedine Körting: Mit Jens und Oliver hatte ich schon viel Erfahrungen gemacht für Märchen und Einzelgeschichten, mit Oliver z. B. bei den Fünf Freunden. Und als ich dann die ersten Drei???-Bücher in die Hand bekam, wusste ich gleich, dass wir die unbedingt produzieren müssen, ein tolles Thema.
Oliver und Jens schienen mir dafür prädestiniert zu sein. Sie sind unterschiedlich in der Art und auch der Stimmlage. Ich hatte schon länger guten Kontakt zu der Mutti von Oliver Rohrbeck, sie besetzte die "Montagsmaler" mit kleinen Kindern im Fernsehen. Und sie hatte dabei immer ein gutes Händchen.
Sie hat mir Vorschläge gemacht und da fand ich, dass Andreas Fröhlich ideal zu den beiden anderen passt. Oliver und Andreas kannten sich von Berlin. Und das war ja auch eine glückliche Wahl!

Thomas Bayer: Die drei waren ja bei Beginn auch schon 14 - 16 Jahre alt.

Heikedine Körting: Ja, ich meine sie waren damals 13 bis 15 Jahre alt, als wir die Serie angefangen haben.

Thomas Bayer: Und was würden Sie machen, wenn deren Stimmen plötzlich zu erwachsen klingen würden?

Heikedine Körting: Darüber haben wir im Vorhinein nicht nachgedacht, aber wir hatten Glück. Unsere drei Jungs (Oliver, Jens und Andreas) sind durch den Stimmbruch durchgeglitten, es gab keine abrupte Stimmveränderung. Sie sind mit den Hörern mitgewachsen. Was für ein Glück!

Thomas Bayer: Die Drei machen sehr viel, Synchronarbeit, sprechen Hörbücher?

Heikedine Körting: Stimmt. Alle drei sind auch auf anderen Gebieten großartig.

Thomas Bayer: Von Oktober 1979 bis Ende 1980 haben Sie 16 Die drei???-Folgen produziert. Sehr viel oder?

Heikedine Körting: Oh ja, meine Güte das könnte ich heute nicht mehr schaffen. Unser Arbeitstag hatte früher sportliche 16 bis 18 Stunden!

Thomas Bayer: Sind Sie für Oliver, Jens und Andreas eine Art Mentor?

Heikedine Körting: Theresa Underberg (Fünf Freunde), die viel fürs Fernsehen dreht, sagt immer "Ohne dich wäre ich nie Schauspielerin geworden.". Nicht unbedingt für die Drei???, die waren schon als Kinder sehr engagiert und hätten ihren Weg auch so gemacht.

Über Spaß in den Hörspielen


Thomas Bayer: Wer bringt den Spaß hinein, die Sprecher oder Sie Frau Körting?

Heikedine Körting: Das tun wir alle zusammen, dadurch dass die Drei ja die Bücher vorher lesen, bevor wie sie aufnehmen, und sich ein bisschen in der Geschichte auskennen. Ich sage immer: "Wenn ihr die Manuskripte habt, dürft ihr auch vorher überlegen, was ein bisschen anders formuliert werden soll". Wenn dann mal 3 - 4 Seiten nur Text sind, ist das sehr lang. Und dann hören wir die Drei, wie sie sich das zuspielen. Den Spaß bringen die Drei rein und ich lasse es zu!
Den meisten Spaß haben wir aber nach den Aufnahmen, hinter der Bühne.

Wichtige Figuren wie Skinny Norris, Morton und Victor Hughenay


Thomas Bayer: Warum hat Andreas von der Meden Skinny Norris und Morton gesprochen?

Heikedine Körting: Das war reiner Zufall. Er war ja auf jeden der Skinny und die erste Rolle, die Morton hatte, war ganz klein, und Andreas hatte immer Spaß am Verstellen der Stimme. Er meinte "Die drei Sätze von Morton kann ich auch noch sprechen!". Später wurde die Rolle von Morton größer aber auch dann spielte Andreas sie gerne. So blieb es bei der Doppelbesetzung.

Thomas Bayer: Meinen Sie Victor Hugenay kehrt irgendwann zurück oder Skinny Norris? Mit diesen Figuren verbindet man die Drei???

Heikedine Körting: Das wäre für uns alle ganz wunderbar, wenn wir diese Figuren wie Victor Hughenay noch einmal wiederholen können. Das müssen wir aber dem Kosmos-Verlag und den sieben Autoren überlassen. Das wäre schon schön.
Der Sprecher von Hughenay war früher ein großer Schlagersänger. Kubach machte viel Musik und war kein Schauspieler. Er hatte diese ganz besondere Stimme. Den würde ich furchtbar gerne wieder hören. Ich lieb es, wenn ehemalige Figuren wieder aufgegriffen werden in den Geschichten.
Wir haben leider Andreas von der Meden nicht mehr. Ich persönlich würde Skinny auch gerne wieder haben

Die Live-Tour "Der dunkle Taipan"


Thomas Bayer: Die Tour "Der dunkle Taipan" wurde bis August 2020 verlängert?

Heikedine Körting: Ja, 2020 kommen noch einige weitere Termine dazu. Und der feierliche Abschluss ist in der Waldbühne Berlin am 28. August 2020.

Thomas Bayer: Und da passen noch mehr rein als beim letzten Mal?

Heikedine Körting: Ja (lacht), vielleicht. Es passen wohl 18.000 - 20.000 Personen rein. Das ist sicher ein großartiges, schönes Erlebnis für uns alle!

Thomas Bayer: Ich war bei der Live Tour "Live & Ticking" 2009 und manchmal ging mir als Kind das Geschrei des Weckers auf den Keks, aber diese Folge mit den Rätseln war so spannend.

Heikedine Körting: Das bin ich selber, der Schreiende Wecker !

Thomas Bayer: Sorry…!

Thomas Bayer: Und als bei der Live-Tour Jens und Andreas das Lied "Worte nur Worte" (findet man auf Youtube) singen, und sich fast küssen, musste ich so lachen.

Heikedine Körting: Ja, das war wirklich herrlich!

Über die drei??? - Autoren


Thomas Bayer: Haben Sie Wünsche für kommende Bände?

Heikedine Körting: Ich habe schon mal mit Autor André Marx gesprochen, ob er beim Schreiben nicht auch daran denken kann, dass daraus ein Hörspiel wird. Da brauchen wir interessante Räume und Rätsel zum Mitmachen und auch ein bisschen was Mystisches.

Über ihre Anfänge, ihre Arbeit und Andreas Beurmann


Thomas Bayer: Wie fing Ihre Arbeit in den 60er Jahren an?

Heikedine Körting: Es war eigentlich so, dass ich Journalistin werden wollte und das hat nicht geklappt aus verschiedenen Gründen. Ich hatte eigentlich Jura studiert, viel gejobbt, sogar ein kleines Lädchen aufgemacht an der Universität ect.
Andreas Beurman hatte ich schon als junges Mädchen kennengelernt und er hatte mit seinen Mitarbeitern schon längst angefangen, Hörspiele zu machen. Die Idee kam nicht von mir. Auf Anfrage durfte ich schon mal Hörspielmanuskripte für EUROPA schreiben, etwas später auch Regie führen und letztlich wurde ich Produzentin.

Thomas Bayer: Welche Tätigkeiten führen Sie für EUROPA aus?

Heikedine Körting: Zunächst war ich Autorin, dann habe ich Manuskripte bearbeitet. Irgendetwas hat mir mal nicht gut gefallen in der Umsetzung, dann meinte Andreas: "Du kannst es auch mal selbst versuchen". Hinzu kam, das der Hörspielregisseur Konrad Halver, eine Chance bekam, bei einer Konkurrenzfirma die gesamte Hörspielarbeit zu übernehmen und da war der Platz als Regisseurin dadurch frei geworden und dann bin ich klammheimlich hineingerutscht in diese Position.
Ich suche die Schauspieler aus, führe Regie, mache die Überspielungen. Mein Mann war mehr an klassischer Musik und seinen wunderbaren Musikinstrumenten interessiert und so habe ich mehr und mehr die ganze Produktion übernommen. Inzwischen hatte ich mein Studium beendet und wurde Rechtsanwältin. Ich habe einen richtigen Beruf.

Thomas Bayer: Gab es in Deutschland eine vergleichbare Firma?

Heikedine Körting: Nein, EUROPA ist schon etwas ganz besonderes!

Thomas Bayer: Zu Beginn gab es noch keine Hörspielserien, oder?

Heikedine Körting: Nein. Es begann mit einzelnen Märchen und Geschichten und als die erfolgreich wurden, sie kosteten nicht mehr als 5 Mark (DM), da wurden auch Serien gefertigt wie Karl May, Hui Buh, die Hexe Schrumpeldei ect.
Die Kombination, dass er (A. Beurmann) als Musiker, Musikwissenschaftler und Physiker arbeitete und ich als Juristin und mit schauspielerischem Hintergrund, weil ich in Lübeck immer ins Theater durfte. Diese Zweierkombination von uns beiden war schon ziemlich klasse!

Über den Boom des Mediums Hörspiel und Fanklubs


Thomas Bayer: Wie stressig war die Arbeit?

Heikedine Körting: Wir mussten pünktlich sein, weil die Geschäfte schon auf die neuen Folgen warteten.
Ich habe früher nie Ferien machen können, da es damals einen unerwarteten Boom bei den Hörspielen gab. In den 80er und 90er Jahren hatten wir schon einen Drei??? - Fanklub mit 80.000 Mitgliedern.

Über die Schauspieler


Thomas Bayer: Wie kamen Sie an diese außergewöhnlichen Stimmen / Schauspieler wie Franz. J. Steffens oder Jürgen Thormann?

Heikedine Körting: Oft durch Hartnäckigkeit, manche Schauspieler kannte ich durch die Oper und das Theater in Lübeck z.B. Hans Paetsch, Will Quadflieg oder Horst Frank u. v. a.. Und ich hatte keine Hemmungen die Schauspieler anzusprechen und versucht eine persönliche Beziehung aufzubauen.
Hinter manchen Stars bin ich 1 - 2 Jahren hinterhergelaufen. Und wenn man die dann mal hatte, hat Ihnen die Hörspielarbeit für EUROPA gut gefallen. Wir hatten immer eine herzliche Atmosphäre. Wer schon bei uns im Studio war, kommt eigentlich immer wieder.

Thomas Bayer: Wie kamen Sie auf Axel Milberg als neuen Erzähler?

Heikedine Körting: Wir haben gemeinsam gesucht und überlegt wer dafür geeignet ist. Die Stimme sollte dem ersten Erzähler Peter Pasetti ähnlich sein. Der Vorschlag kam von Andreas Fröhlich. Mit ihm nehmen wir, wenn wir mehrere Folgen haben, alle Erzählparts auf. Herr Milberg muss meistens von München anreisen.

Über ihre Arbeit, die Aufnahmen und das "Basteln eines Hörspiels"


Thomas Bayer: Sie nehmen die Drei??? (Jens, Andreas und Oliver) wenn sie zusammen sprechen auch zusammen auf?

Heikedine Körting: Ja, möglichst immer zusammen, auch die großen Hauptrollen ohne Ausnahme. Generell finde ich dieses Zusammenspiel beim Hörspiel enorm wichtig, das macht doch den Charme des Hörspiels aus.

Thomas Bayer: Einige andere Labels nehmen die Rollen einzeln auf, ohne dass die Schauspieler miteinander agieren! Ist das nicht komisch?

Heikedine Körting: Ich finde das persönlich nicht so schön, aber das ist natürlich auch eine Sache der Möglichkeiten. Wir haben glücklicher-weise ein eigenes Studio, da kommt es überhaupt nicht darauf an wieviel Zeit wir brauchen bis zur Erstellung des fertigen Hörspiels.
Wir haben heute so viele Möglichkeiten, digital und mit Zuspielern aus dem Computer, aber eigentlich arbeite ich heute noch gerne so wie vor 40 Jahren !

Thomas Bayer:Genauso?

Heikedine Körting: Ja, genauso ! Das ist mir das allerliebste !
Richtig, natürlich haben auch mich die 40 Jahre geprägt und ich habe sehr gute Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann.

Thomas Bayer: Sie basteln das Hörspiel zusammen!

Heikedine Körting: Genau ! Da gibt es Hörspielpassagen, die kann man mit Geräuschen in 10 Min. überspielen. Und dann kommen Passagen, die sind total schwierig zu gestalten. Wenn die drei Detektive z. B. aus dem Auto springen, an einen See rennen und die Köppe ins Wasser stecken …und diese Geräusche spielen wir dann selbst nach, nehmen es auf Tonband auf und setzen es ins Hörspiel ein. Viele Geräusche und Musikstücke nehmen wir aus dem Archiv, andere werden extra dafür komponiert. Wir brauchen dafür mindestens 14 Tage bis drei Wochen, es ist immens viel Arbeit.

Thomas Bayer: Sie haben auch Folge 200 analog produziert auf Tonbändern, ist das ihre Philosophie?

Heikedine Körting: Ja. Ich liebe das Analoge und habe das Gefühl, dass es wärmer und weicher ist. Inzwischen können wir es, allein durch die Menge, die wir machen, auch nur digital aufnehmen. Jedenfalls die Grundaufnahmen und den Grundschnitt. Der wird digital gemacht, aber dann lasse ich mir das alles nochmal auf analog herunterfahren. Und dann sitzen wir am Mischpult und es wird schön zusammengemischt. Da wunderen sich alle, was daraus wird. Und das dauert dann sehr lange. Wenn wir die Aufnahmen an einem, zwei oder drei Tagen machen, dann brauchen wir später für die Geräusche und das, was alles noch kommt, die schöne Musiken von Herrn Konrad und Herrn Morgenstern mindestens nochmal 14 Tage oder drei Wochen.

Über die geheimnisvolle Welt der Geräusche und ominöse Gürtel als Autogurte


Thomas Bayer: Durch welche Geräuschen entsteht die Atmosphäre des Schrottplatzes und der Zentrale?

Heikedine Körting: Als Standardgeräusch nehmen wir immer die Säge, dass man gleich weiß, wo man ist auch wegen des Wiedererkennungs-wertes. Dazu den Hund, der zu gerne bellt, dann immer die gleichen Kiesschritte, die gleiche Pforte, den Papagei, den ich ab und zu auch mal anders mache aber auch mal von der Konserve nehme. Der Lastwagen ist auch immer dabei.

Thomas Bayer: Im Schreienden Wecker haben Sie in manchen Szenen die Geräusche einer großen, lauten Straße eingespielt. Das ist beeindruckend.

Heikedine Körting: Das ist schön, das finde ich auch gut.

Thomas Bayer: Warum sprechen Sie Blacky und den schreienden Wecker?

Heikedine Körting: (Sie lacht). Ich bin seit der 1. Folge Blacky, der Raabe. Er ist in Wirklichkeit ein Mynah und kann deshalb auch ganz gut sprechen.
Den Schreienden Wecker habe ich gemacht, weil ich die Stimmen der anderen Schauspieler schonen wollte. Sonst wären sie 14 Tage heiser gewesen. Der Schrei ist heute verewigt in den echten Weckern.

Thomas Bayer: Und wenn Sie Geräusche nicht haben?

Heikedine Körting: Dann produzieren wir sie selber oder müssen sie in der Natur suchen ! Ich bin nie ohne Mikrofon unterwegs, immer und überall habe ich es dabei. Wir haben weit über 100.000 verschiedene Geräusche im Archiv. Wir könnten ja ganze Bibliotheken mit Geräuschen fertig kaufen. Das sind aber im wesentlichen Grund- und Standardgeräusche. Das, was wir aktiv herstellen, also mit den Ohren sehbar machen, ist richtig arbeitsintensiv !

Thomas Bayer: Sie haben auch Geräusche auf Bändern.

Heikedine Körting: Ja, wir haben jede Menge Tonbänder mit Geräuschen und auch auf sog. Rundbändern, diese laufen in Endlosschleife.
Die sind zum Teil 20, 30 und 40 Jahre alt. Wir setzen sie nicht mehr oft ein, aber es gibt Situationen, wo ich darauf zurückgreife. Aber natürlich haben wir in unserem Studio auch Tausende von Geräuschen im Computer, auf CD´s und auf MC´s. Ein wirklich wunderbares Geräuschearchiv!

Thomas Bayer: Auf Youtube sah ich, dass die drei??? bei gespielten Autofahrten Gürtel als Gurte einsetzen.

Heikedine Körting: Genau ! Da hatte jemand zu recht gesagt "Du, die schnallen sich ja nie an !" (lacht).

Zwischenmusiken


Thomas Bayer: Welche Funktion haben die Zwischenmusiken Warum gibt es sie, sind sie wichtig?

Heikedine Körting: Das war etwas, das mein Mann A. Beurmann wichtig fand, dass immer nach einem gewissen Abschnitt, bei kleinen Kindern so nach 3 bis 4 Minuten, bei den Älteren können diese Abschnitte länger sein, unterbrochen wird, zum Verweilen und um die ganze Situation musikalisch zu unterstreichen. Ich finde, die Musik ist die "Sahne". Für mich ist ein Hörspiel ohne Musik undenkbar!
Wir haben früher in London mit großem Orchester aufgenommen.
Zwei Musiken hintereinander bauen wir ein, wenn es in eine ganz andere Szene geht, dann wollen wir damit in die neue Szene einführen.
Wenn es zum Beispiel spannend zu Ende geht und am nächsten Tag ist ein ganz normaler, sonniger Tag, dann ist es ganz schön, wenn dafür eine andere Musik verwendet wird.

Über Kritik im Internet und Fanbriefe


Thomas Bayer: Was waren schöne Erlebnisse und wie gehen Sie mit Kritik um?

Heikedine Körting: Früher bekam man wunderbare Briefe, ganze Gemälde, Hörspielvorschläge und Bilder von den Kindern. Das war natürlich schön !
Den heutigen älteren Kritikern sage ich gern:
"Euch soll es auch gefallen, aber wir produzieren die Hörspiele für Kinder !".

Thomas Bayer: Wir sollten im Leben immer gut miteinander umgehen. Im Film "Mandela-Der lange Weg zur Freiheit" sagt er "Niemand wird mit Hass auf anderen Menschen, Hautfarbe und Religionen geboren, Hass muss man erlernen. Wir können lernen zu lieben. Liebe entspricht der Natur des menschlichen Herzens so viel mehr".

Heikedine Körting: Ja, ist das nicht furchtbar, all der Hass in der Welt? Die Philosophie meines Mannes und auch meine ist, dass wir unsere Geschichten lieb und nett ausgehen lassen, möglichst mir positiven Ende. Auch bei den Märchen.

Über die Musikkassette


Thomas Bayer: Als Kind habe ich mit meinem Bruder Die drei??? und andere Serien wie Fünf Freunde auf Musikkassette gehört. Die waren sehr stabil und haltbar.

Heikedine Körting: Ja, das stimmt, ich habe heute auch noch alles auf MC´s. Alle sind tip top.

Aiga Rasch - Ausstellung Fulda


Thomas Bayer: Kannten Sie Aiga Rasch, die die Cover der Drei??? entwarf?


Heikedine Körting: Sehr gut, früher waren wir oft zusammen. Wir kannten alle Leute vom Kosmos Verlag gut. Wir waren schon mal bei ihr eingeladen. Sie hat oft von ihren Reisen nach Indien erzählt.

Thomas Bayer: Wir hatten vor kurzem die Aiga Rasch-Cover - Ausstellung in der Kinderakademie Fulda.

Heikedine Körting: Davon habe ich viel gehört und gelesen. Das war wohl ein großer Erfolg. Ich hatte keine Gelegenheit das anzuschauen.
Wir wollen übrigens auch gerne eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe im Hamburg machen. Mein Mann und ich haben seinerzeit unsere kostbaren Musikinstrumente der Stadt Hamburg und dem Museum geschenkt. Dadurch haben wir eine enge Verbindung und wir könnten uns vorstellen, dass da auch mal eine Die drei??? - Ausstellung gemacht wird. Mal abwarten.

Thomas Bayer: Bei den Lesungen in der Kinderakademie Fulda waren auch Christoph Dittert und Christopher Tauber, der mit Bildern und Geräuschen und nicht zuletzt Dank seiner tollen Stimme sein Graphic Novel "Das Dorf der Teufel" zum Leben erweckte

Heikedine Körting: Ach wie schön. Ich habe leider keine Möglichkeit gehabt, zu kommen, ich hätte mir das gerne angeschaut auch die Ausstellung.

Über Rudolf H. Herget


Thomas Bayer: Erinnern sie sich noch an Rudolf H. Herget.

Heikedine Körting: Rudolf H. Herget war ein wunderbarer Schauspieler und Mensch ! Ich erinnere ihn noch damals im improvisierten Studio mit Eierkartons an der Wand.
(Anmerk. Herget sprach den Graf von Monte Christo, Robin Hood und in der Drei???-Folge Meuterei auf hoher See).

Thomas Bayer: Lieben Dank für das schöne, interessante Gespräch!


Quellen:

Die drei???, Feuriges Auge, Band 200, Franckh- Kosmos Verlag Stuttgart 2018
ISBN 978-3-440-14843-3

EUROPA / Sony Music Entertainment Deutschland

Die drei???, Die Hörspielkönigin und vieles mehr
Andreas Beurmann, Georg Olms Verlag 2011
ISBN 978-3-487-08507-4

Björn Akstinat, Das ABC der drei Fragezeichen, humboldt Verlag 2008
ISBN 978-3-89994-127-2

 


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Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



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