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2003 war für das relativ junge Label
LPL records ein Volltreffer. Nicht nur, dass ihr euch mit euren
Lesungen einen sehr guten Ruf erworben habt (nicht nur innerhalb
der Hörspiel-,
sondern u. a. auch in der Gothic-Szene), nein, ihr gewinnt auch
noch den Deutschen Phantastik Preis 2003 in der Kategorie ›Bestes
Hörbuch/Hörspiel‹. Hättest Du Dir das beim Veröffentlichen
eures Erstlings vorstellen können?
Lars: Mit einem gewissen
Erfolg habe ich natürlich gerechnet.
Sonst sollte man wohl auch nicht so eine Menge Geld in ein
neues Unternehmen stecken! Dieses Jahr lief aber wirklich alles
ausgesprochen gut. Gerade über den Preis für ›Das Beste
Hörbuch/Hörspiel
des Jahres‹ haben sich alle Beteiligten sehr gefreut, da es
ein Publikumspreis ist und über 3.300 Stimmen abgegeben
wurden. Es war aber auch ein verdammt hartes Jahr mit sehr
viel Arbeit. Der Erfolg ist hart erkämpft. Ich muss mich
vor allem bei meiner Freundin bedanken, die mir immer auf den
Buchmessen zur Seite steht. Hörbuch oder Hörspiel - oder beides? Wie steht
ihr zu den Beiden? Habt ihr bereits mal mit der Produktion eines
HörSPIELs geliebäugelt oder setzt ihr voll und ganz
auf Lesungen?
Lars: Ich liebe sowohl Lesungen als auch Hörspiele. Rein finanziell
ist die Produktion von hochwertigen Hörspielen für
LPL auch in 2004 noch nicht realisierbar. Wir setzen weiterhin
auf super Sprecher und eine hochwertige literarische Vorlage,
die sich gut als Hörbuch umsetzen lässt. Ich habe schon
einige Partner mit denen ich über Hörspielproduktionen
nachdenke. Vielleicht kommt 2005 eine neue Hörspielreihe
von LPL, die Deutschland erbeben lässt. ;-)
Lovecraft, Necroscope, Gruselmärchen
- LPL records macht im Bereich »Horror-/Grusel-/Phantastik-Lesungen« derzeit
wohl keiner was vor. Ist dieser Bereich euer Steckenpferd oder
plant ihr auch Lesungen in anderen Bereichen?
Lars: Ich werde mein Verlagsprogramm über die Jahre ein wenig
ausweiten. Es wird aber alles unter dem Motto »Gänsehaut
für die Ohren« stehen. Was noch so kommen wird, ist
aber leider wie immer »Top Secret«.
Welche Produktionen sind derzeit in Produktion?
Kann man auf den nächsten »Necroscope«-Teil
hoffen?
Lars: Für alle Fans von
Necroscope hier nun die lang erwartete Nachricht: »Necroscope
2 – Vampirblut« kommt Mitte
des Jahres 04 als nächste große Produktion von uns
auf den Markt. Die Aufnahmen werden nach meiner Planung Anfang
März stattfinden. Ich bin froh, dass es jetzt endlich weiter
geht!
Mit den beiden Lovecraft-Themen »Der
Cthulhu Mythos« und »Der
Schatten über Innsmouth« habt ihr zwei Klassiker des
modernen Horrors im Programm. Könntet ihr euch auch noch
andere Klassiker vorstellen, die in diese Richtung gehen? Wären
Edgar Allan Poe, Gaston Leroux & Co. interessant?
Lars: Da ich die »Weltklassiker des Grauens« als Hörbücher
veröffentliche, kommen alle großen Autoren des Horror-Genres
für eine Hörbuch-Produktion in Frage. Nach meinem persönlichen
Geschmack finde ich es aber immer noch ein wenig spannender,
wenn noch ein wenig Fleisch an den Knochen der noch lebenden
oder leider schon verstorbenen Autoren ist. Ideen sollten frisch
sein …
Auf was kann man sich im nächsten
Jahr freuen?
Lars: Da kommt einiges auf euch zu. Es wird
zwei Veröffentlichungen
pro Halbjahr geben. Außerdem gibt es noch ein paar Pläne
außer der Reihe, die auch sehr interessant werden sollten.
Aber wie immer: Die Konkurrenz ließt mit! J
II: Über Lars Peter Lueg:
Lars Peter Lueg präsentiert sich gern düster. Bist
Du das? Bist Du wirklich »Der Finstere«?
Lars: Ich bin eigentlich ein
sehr sympathischer netter Mensch aber auch ein ziemlich harter
Geschäftsmann. Ich habe eine tiefe
dunkle Seite, die ich in meinem Beruf mit der Arbeit an Horror-Literatur
sehr schön ausleben kann. Dennoch sollte man nicht alles
was man liest allzu ernst nehmen. Vieles ist etwas humorvoll
angelegt. Man sollte Medien immer hinterfragen und mich mal auf
einer der Buchmessen kennen lernen. Dafür sind sie ja da.
Lässt Dein selbst erschaffenes Image Rückschlüsse
auf Deinen Musikgeschmack zu? ;)
Lars: Ich höre gerne Musik wie Rammstein, Manowar und Co. . Aber
hauptsächlich bin ich doch dem deutschen Rock verbunden.
Du scheinst einen ausgesprochen und sehr guten Hang zu Lovecraft
zu haben. Gibt es neben ihm denn noch andere (Horror-/Fantasy-)Autoren,
die Du gern liest und/oder gern inszenieren würdest?
Lars: Da gibt es noch so einige
Autoren, die sogar demnächst
von mir verbraten werden. Alle voran halte ich Brian Lumley für
die Joanne K. Rowling des Horrors.
Wo siehst Du in der heutigen Zeit den Bereich »Horror« angesiedelt,
oder wie siehst Du die Entwicklung dieses Genres? Klar ist, dass
Horror an sich immer eine sehr große Anziehungskraft hat
- das fängt bei den Kleinen an und ist bei den Großen
[nein, nicht bei den Großen Alten ;)] ebenfalls so.
Lars: Bei den großen Verlagen ist Horror nur das stiefmütterlich
behandelte Kind. Auch viele gute Filme finden im Kino keinen
Verleih und müssen dann hoffen über die Videotheken
genug Umsatz zu machen. Wir alle müssen immer noch sehr
viel tun, damit Horror nicht nur eine Unterkategorie von »Science
Fiction & Fantasy« bleibt.
Gibt es eine Person, die Du als Idol bezeichnen könntest?
Lars: Leider fällt mir nach 10minütiger Überlegung
keine Person ein, der ich nacheifern möchte. Jeder ist seines
eigenen Glückes Schmied.
Ein paar persönliche Infos zur Person, bitte. Wenn Lars
Peter Lueg nicht gerade dafür sorgt, das sich die Hörer
bald wieder angenehm gruseln können, was...
(a) sieht er dann für Filme?
Lars: The Ring, Cube, The Cypher, Matrix I+II, Resident Evil, Die
Mumie I+II
(b) hört er für Musik?
Lars: Die Ärzte, Dick Brave, Rammstein
(c) liest er?
Lars: Meist Bücher über Marketing, Werbung und Unternehmensführung.
III: Mythos Lovecraft:
Woran, glaubst Du, liegt es, dass Howard Phillips Lovecraft
in der heutigen Zeit immer noch eine solche Faszination mit seinen
literarischen Werken ausübt?
Lars: Ich glaube, dass Lovecraft
gerade wegen seiner abstrusen Lebensgeschichte, die Leser fasziniert.
Außerdem sind seine Texte allesamt
im absoluten Reinzustand zu lesen, da nie ein Lektor oder Verleger
daran rumwerkeln konnte. Nach seinem Tod wird jedenfalls bei
LPL alles frisch übersetzt, ungekürzt und unzensiert
veröffentlicht.
Gibt es Elemente aus den Geschichten, über die Du nachdenkst,
die Dich zum Grübeln anregen? Lovecrafts Schreckensvorstellungen
liegen ja Niveau mäßig deutlich höher als heutiger
Horror in Form von Schlitz-Hack-Reiß-Splatter.
Lars: Viele Elemente trafen
mich beim Lesen von Lovecrafts Geschichten erst Wochen nach dem
Lesen. Mitten in der Nacht kamen plötzlich
wieder die Gedanken an die Fischmonster und Cthulhu auf. Das
war extrem beunruhigend!
Worin siehst Du die unglaubliche Beliebtheit des »Cthulhu-Mythos« begründet?
Neben literarischen Zulieferern dieses Mythos gab und gibt es
immer wieder Elemente, die genau auf diese Gestalt, diesen »Großen
Alten«, Bezug nehmen, sei es im musikalischen Bereich,
sei es im Bereich der PC-Spiele?
Lars: Lovecraft hat mit Cthulhu
und seinen anderen Figuren völlig
neue Charaktere erschaffen, die es bis dato nicht gab. Genau
wir J. R. Tolkien hat er viele Leute beeinflusst, da diese einige
Figuren, Länder oder Rassen plötzlich als geschichtlich überliefert
ansahen. Ähnlich ist das mit Cthulhu, den Großen Alten
und dem Necronomicon.
Mitbegründer der modernen
Horrorliteratur - diesen Titel sagt man Lovecraft immer wieder
nach. Als was siehst Du die Werke Lovecrafts an?
Lars: Es gibt wohl keinen anderen
Autor, der so viele aktuelle Grusel- und Horrorfilmmacher beeinflusst
hat wie Lovecraft. Seine Elemente finden sich nahezu überall wieder. Meine schlimmsten Alpträume
habe ich ihm zu verdanken. Auch ich werde mich diesem Einfluss
nie wieder entziehen können. Das ist erschreckend!
Lesung oder Hörspiel? Die Nachfrage an Lesungen nahm
im Laufe der letzten Jahre ungeheuer zu, dennoch gibt es gerade
unter Hörspielfans immer wieder Unmutsbekundungen, wenn
ein Stoff »nur« gelesen wird. Aber: Lovecraft als
Hörspiel? Hätte das funktioniert? Hätte man in
diesem Fall überhaupt Lovecrafts Stil, seinen Satzbau etc.
angemessen transportieren können? Oder anders gefragt: Gänzlich
ab der organisatorischen und finanziellen Aspekte: Hättest
Du »Cthulhu« und »Innsmouth« als Hörspiel
produzieren wollen, hättest Du alle Mittel zur Verfügung
gehabt?
Lars: Ich werde keine Lovecraft-Story
als Hörspiel produzieren
und halte das auch nicht für gut realisierbar, da die Angst,
welche Lovecraft aufbaut, auf der eigenen Phantasie beruht. Ganz
einfach kann man sagen, dass ein Mensch ohne eigene große
Vorstellungskraft von Lovecrafts Geschichten nicht sonderlich
berührt sein wird und jemand, der sich so einiges vorstellen
kann tiefer in seiner Angst getroffen wird als jemals zuvor.
Der Film ›Dagon‹ hat es als einziger Film geschafft dem Lovecraftschen
Grauen gerecht zu werden. Ich finde jedoch, dass ich HPL mit
Hörbüchern noch bedeutendere Denkmäler schaffen
kann.
Mit »H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens« habt
ihr eine mehrteilige Quasi-Serie im Programm, die auf den Büchern
des FESTA-Verlages basieren. Kann man auf mehr vom Meister hoffen?
Lars: Die Reihe wird weiter
in dieser Qualität fortgesetzt! Der
dritte Teil erscheint zeitgleich mit »Necroscope 2«.
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