Special: Mister Shady
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"Mystery & Crime" -Special Part #1

   Bergit Lasar
   (Interview)

Interview mit der "Script Doktorin" Bergit Lasar (09.11.2003)

Du bist bei Mystery & Crime der Script-Doctor, was machst du da eigentlich?

Bergit Lasar: Na, ja, ich doktere halt am Script herum..?!

Nein, im Ernst !? Was ist denn der deutsche Name für Script-Doctor?

Bergit Lasar : Das ist mein Ernst. In Deutschland denkt (fast) jeder, man hat eine Idee für eine Geschichte, dann küsst einen die Muse und schwups: fertig ist das Teil. Deswegen gibt es wenige Script Doctors und keinen deutschen Namen. In Amerika weis man, dass das mit der Muse nur in den seltensten Fällen funktioniert, sondern dass man neben der Inspiration und Intuition auch sein „Handwerk“ beherrschen muss. Nur so sind Tausende von Script Doctors in Hollywood zu erklären, die Drehbücher immer wieder umschreiben, bis man überhaupt an die Produktion denken kann. Na ja, und was für Filme recht und billig ist, haben wir einfach für Mystery & Crime übernommen. Schließlich erzählt beides eine Geschichte, ob in Bildern oder Tönen, ist ja egal. Übrigens: Fast alle erfolgreichen Hörspiel-Serien funktionieren nach diesen Regeln.

Was für Regeln sind das denn?

Bergit Lasar: Das wichtigste ist ein Plan. Niemand käme auf den Gedanken, ein Haus zu bauen, ohne vorher einen Plan davon zu haben. Oder eine Buslinie einzurichten, ohne vorher zu wissen, wo sie endet und wo die Zwischenstopps sind. Und so ähnlich wie eine Buslinie, sollte man seine Geschichte planen.

Aber - um bei deinem Beispiel zu bleiben - die Route verläuft doch jedesmal anders.

Bergit Lasar: Klar ist die Geschichte jedesmal eine andere, aber die Regeln, wie man sie erzählt, sind eigentlich jedesmal die gleichen (Ich rede hier von erfolgreichen, amerikanischen Filmen, von Ausnahmen abgesehen).
Um beim Beispiel zu bleiben: Das ist wie ein Fahrplan mit Ankunft- und Abfahrtszeit für die einzelnen Stationen.
Am Anfang - egal, ob Film oder Hörspiel - steht die Einführung. Sie vermittelt dem Hörer, worum es eigentlich in der Geschichte geht. Danach kommt der so genannt erste turning-point, in der sich der Verlauf der Geschichte „dreht“, d.h. es passiert etwas Überraschendes und der Hörer soll sich fragen, wie es weitergeht. Bei Mystery & Crime ist das aufgebaut wie ein Trailer. Erst danach kommt die Titelmusik.
Dann kommt die Mitte, wo die Schwierigkeiten überwunden werden, die sich auf Grund der veränderten Situation nach dem ersten turning-point ergeben. Bei Mystery & Crime entwickelt sich der „Fall“ für die 3 Jungs und der Hörer kriegt kleine Hinweise auf die Lösung.
Danach folgt ein zweiter turning-point. Meist ist das eine Krise vor dem Schluss, wo sich die Situation noch mal zuspitzt und wieder etwas Überraschendes passiert.
Und dann kommt erst der Schluss. Bei Krimis ist das natürlich die Lösung. Die darf auf der einen Seite nicht zu offensichtlich sein, andererseits aber auch nicht so konstruiert, dass sie unglaubwürdig ist.
Und wenn man dann noch das richtige Timing einhält, ist man auf dem richtigen Weg zu einer spannenden Geschichte.

Klingt ja nicht so schwer.

Bergit Lasar: Na ja, scheint´s aber zu sein. Da gibt es Hörspiele, die plätschern einfach so vor sich hin und ich frage ich mich noch nach 10 Minuten, worum es da eigentlich geht. Oder noch schlimmer, man weiß schon nach der ersten Minute, wie es weitergeht. Ein Beispiel. Die Hauptpersonen werden vor einer Bestie gewarnt, schlagen die jedoch in den Wind, begegnen prompt dem Biest.......... Ich finde das höchst ärgerlich, wenn ich noch ca 50 Minuten zuhören muss - immer mit der Hoffnung auf ein kleines Überraschungsmoment. Wenn dann noch die Hauptpersonen, kurz nachdem sie beinahe von der Bestie zerfleischt worden sind, ihre Flucht für eine akademische Diskussion nutzen, ob das Vieh überhaupt existiert oder doch eher nicht, und das so lautstark, dass das Monstrum stocktaub sein muss, um sie nicht zu entdecken, dann find ich das nicht nur langweilig, sondern auch höchst unglaubwürdig.
Das ist übrigens eine andere Aufgabe des Script Doctors: die Personen authentisch zu machen. Bei einem Spielfilm z.B. machen die Hauptpersonen immer eine Veränderung durch. Die muss nachvollziehbar sein. Bei einer Serie bleiben die Personen immer sie selbst. Und auch das muss glaubhaft sein.
Für Mystery & Crime wollten wir drei Prototypen erschaffen, die in ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten völlig unterschiedlich sind, sich aber ergänzen. Na ja meistens jedenfalls, manchmal bekriegen sie sich auch.

Wie habt ihr das bei Mystery & Crime gemacht?

Bergit Lasar: Mit sehr viel Vorarbeit: Die Vorbereitungsphase für Mystery & Crime betrug mehr als ein Jahr, weil alle wichtigen Daten festgelegt wurden. Für Cody, Alex und Olly z.B. existieren, ja -ich nenne es „fact-sheets“. Da steht alles drin, Geburtsort, Alter, Nachname, Schule, sozialer Hintergrund, Freunde, Geschwister, Hobbys, Lieblingsfarbe, Hauptstärken, Grundängste und und und.... halt alles, was ihr Wesen bestimmt. Das ist zwar eine Sauarbeit, aber es macht aus Rollen fast reale Personen. Vielleicht wird es nie wichtig werden, dass Alex weitab von jeder Zivilisation fachgerecht ein gebrochenes Bein schienen kann, aber so ist er eben. Und weil er eben so ist, redet er halt so oder handelt in einer bestimmten Weise.

Das klingt ja alles ganz easy. Habt ihr nie Probleme, Auseinandersetzungen gehabt.

Bergit Lasar: Ach, es geht eigentlich.
Beim Konzept waren wir uns einig; allerdings war ich für zwei Jungs und ein Mädchen als Hauptakteure. Aber das ist letzten Endes Geschmacksache.
Olaf hat Folge 2 zuerst geschrieben und die war, angesehen von Kleinigkeiten, ganz in Ordnung.
Richtig in Trouble waren wir bei Folge 1: Olaf hat eine Idee übernommen, die er für eine angedachte Serie um „J.J. Gallagen“ schon mal bearbeitet hat. Man wusste nicht, wer die Hauptpersonen sind, kam kaum mit, bei wem und wo man gerade war, das Timing stimmte nicht...... also, es war ziemlich grauslich. Ich wollte radikale Änderungen, aber Olaf konnte sich einfach nicht von der alten Geschichte lösen und der nächste Entwurf war wieder so ein Wischi-Waschi-Zeug. Irgendwann, nach drei halb geänderten Manuskripten und unzähligen (O-Ton. Olaf:) „Das ändere ich jetzt nicht auch noch“, hatte ich die Nase gestrichen voll: „Dann schreib doch, was du willst, aber frag mich nicht“
Na ja, wie ihr seht, haben wir uns zusammengerauft Glücklicherweise gab´s an den nächsten Folgen wenig zu bemängeln.
Mittlerweile hat sich das ganz gut eingependelt. Meist besprechen wir das treatment- den Plan, von dem ich vorher sprach- bevor Olaf anfängt zu schreiben.. Und ich kann gleich sagen, ob die Geschichte so funktioniert, oder ob wir daran noch „drehen“ müssen.

Bergit Lasar ist nicht dein richtiger Name. Wieso schreibst du, oder religierst du unter einem Pseudonym.

Bergit Lasar: Na ja, bei vielen Schriftstellern ist das üblich. Ich veröffentliche natürlich auch eigene Sachen, und für manche Leute ist das seltsam, wenn jemand gleichzeitig schreibt und Script Doctor ist. Zudem arbeite ich hauptsächlich im Film- und Fernsehbereich und ich möchte einfach nicht, dass verschiedene Kunden durch unterschiedliche Honorare verwirrt werden.
Übrigens arbeite ich als Script Doctor IMMER unter einem (weiteren) Pseudonym, um mir die Chance auf ein einigermaßen ruhiges Leben zu erhalten. Kannst du dir vorstellen, wie mein Alltag aussehen würde, wenn jeder wissen würde, dass ich Manuskripte religiere !? Ich will's mir gar nicht ausdenken.

Wir bedanken uns für das ausführliche Interview!

 

Das Interview wurde per eMail geführt.

 

 


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Redaktion: Olaf Seider & ''Lillebror''


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