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Wer war Jack The Ripper? Wurde Prinzessin Diana vorsätzlich umgebracht? Warum
musste die Titanic untergehen und die Hindenburg abstürzen? In der mehrfach
ausgezeichneten Mystery- Hörspielreihe Offenbarung 23 sollen die größten Verbrechen
der Kriminalgeschichte aufgedeckt werden. Kein Rätsel scheint unlösbar. Bis auf eines:
Wer ist Jan Gaspard, der ominöse Autor der Serie? Spricht er wirklich, wie er felsenfest
behauptet, die Wahrheit und wenn ja, woher bezieht er seine brisanten Informationen?
Das Hörbuch hat sich in den letzten Jahren zu einer immer beliebter werdenden Alternative
zum gedruckten Medium entwickelt. Mittlerweile gibt es kaum einen Klassiker, der nicht
vertont wurde. Mit jährlich steigender Tendenz hat das Audiobook derzeit einen etwa fünf
prozentigen Anteil am gesamten, riesigen Fundus des deutschen Buchmarktes. So wundert es
nicht, dass die neuen Werke erfolgreicher Autoren zeitgleich zum Buch auch als Hörfassung
erscheinen. Von dieser neuen Lust am Hören profitiert auch das Hörspiel, das nicht zwanghaft
an literarischen Vorlagen hängt und sich längst als eigene Literaturgattung etabliert hat.
Am Anfang standen "Die Drei ???"
Die Kinder der 80er Jahre, die heimlich bis spät in die Nacht auf ihrem Walkman den
Abenteuern der Jungdetektive von "TKKG" oder "Die Drei ???" lauschten, sind erwachsen.
Zwar müssen sie es nicht mehr heimlich tun, und MP3 Player und CD haben Kassetten
abgelöst, doch sie hören heute dieselben spannenden Geschichten und lösen unter der
Bettdecke die kniffligsten Kriminalfälle zum unzähligsten Mal.
Ein Drittel der Hörerschaft, der einst für Kinder konzipierten Serie "Die Drei ???" sind
zwischen 20 und 35 Jahre alt. Das entspricht auch ungefähr der Zielgruppe von Offenbarung
23. Die von Lübbe Audio und LPL Records aufwendig produzierte und mit der Crème de la
Crème der deutschen Synchronsprecher [u.a. mit David Nathan (Johnny Depp), Benjamin
Völz (Keanu Reeves), Till Hagen (Kevin Spacey)] besetzte Hörspielserie räumte bei den
deutschen Hörspiel Awards 2007 gleich in mehreren Kategorien ab: Platz 1 gab es für die
beste Hauptrolle (David Nathan), beste Nebenrolle (Dietmar Wunder) den besten Erzähler
(Helmut Krauss) und die beste Serienfolge (Folge 18 "Angst"). Mit Platz 2 für die beliebteste
Serie mausert sich Offenbarung 23 langsam zur ernsthaften Konkurrenz für die bis 2005 unter
dem Namen Alfred Hitchcocks herausgegebenen Krimireihe mit den drei Jungdetektiven.
2005 ging auch Offenbarung 23 an den Start und auch hier standen am Anfang drei
Fragezeichen. Das Pseudonym Jan Gaspard, bekennt sich ebenso als großer "Drei ???- Fan",
wie der 1998 unter mysteriösen Umständen verstorbene und zur Legende gewordene Hacker
Tron es tat. Wie Tron, dessen traurige Geschichte den Anstoß für Offenbarung 23 gab, hat
auch Jan Gaspard den Anspruch, Fehler im "System Gesellschaft" aufzudecken, im wahrsten
Sinne hellhörig gegenüber Medien und Politik zu machen und den Mächtigen dieser Welt auf
den Zahn zu fühlen. Tron, der durch Erschließen immer neuer Sicherheitslücken vielen
Industriellen und Machthabern ein Dorn im Auge war, musste für seine Hacks, so sind sich
einige Mitglieder des ebenso legendären Chaos Computer Clubs sicher, sein Leben lassen.
"Das Hörspiel ist das einzige nicht überwachte Medium"
Auch Gaspard lebt gefährlich. Der einstige Journalist und Redakteur einschlägig bekannter
Nachrichtenmagazine hat nach eigenen Angaben aufgrund seiner unangenehmem
Recherchen, die Verschwörungen in Politik und Gesellschaft aufdecken konnten, nicht nur
einmal seinen Job verloren. Seine Themen waren zu heikel, zu gewagt, zu gefährlich. Nun
schlägt er zurück, doch diesmal hat er sich abgesichert.
Angeblich kennt niemand seine wahre Identität, niemand wisse, wo er zu finden sei oder wer
er einmal war. Mit den Mächtigen dieser Welt will er gearbeitet haben, vier Bundeskanzler
kennen gelernt und für einen sogar als Berater tätig gewesen sein. Durch seine Anonymität
und in den Möglichkeiten des Mediums Hörspiel, welches das einzige sei, das von keinem
Geheimdienst der Welt kontrolliert werde, habe er eine optimale Plattform gefunden, seinen
Theorien Ausdruck zu verleihen und den größten Rätseln der Menschheit auf die Spur zu
kommen.
"Sir Arthur Conan Doyle war Jack The Ripper"
Zusammen mit dem fiktiven Helden der Serie, dem Berliner Studenten und Hacker Georg
Brand alias T-Rex, geht der Hörer auf die Suche nach der Wahrheit. Gaspard nimmt bei
seinen Enthüllungen kein Blatt vor den Mund, nennt vermeintliche Täter, Mitwisser und
Schuldige an großen Verbrechen und Skandalen in Historie und aktueller Politik.
Fernab der Frage nach dem Wahrheitsgehalt sind seine Beweisführungen in sich schlüssig,
gründlich recherchiert und vor allen durch Nennung der Quellen jedem nachvollziehbar.
Gaspard lastet dem englischen Königshaus den Mord von Prinzessin Diana an, erklärt, warum
der Sherlock Holmes-Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, Jack the Ripper war und schildert
auf fast schon groteske Weise, warum der Untergang der Titanic kein Unglück, sondern ein
feiger, kommerzieller Mordanschlag gewesen ist.
Mit der 23. Folge "Jungbrunnen" feierte die Serie, die im Namen eben jene Zahl der
Illuminaten offenbart, jüngst ein ganz besonders Jubiläum. Jede der Episoden
behandelt zwar einen neuen dramatischen Fall, doch T-Rex und Freundin Tatjana Junk alias Nolo scheinen in der
übergreifenden Rahmengeschichte von Episode zu Episode schlauer zu werden und tun es
damit den Hörern gleich. Mit Erschrecken müssen sie feststellen, dass sich die Fäden hinter
vielen Verschwörungstheorien um einen gleichen Täterkreis zusammen ziehen lassen.
"In diskreten Zirkeln gibt es organisierte Wirtschafts-, Politik, Medien- und
Wissenschaftsrepräsentanten, die den größtmöglichen denkbaren Einfluss auf unsere Welt
haben", berichtet Gaspard, der beruflich mit Mitgliedern genau dieser Logen Kontakt gehabt
haben will. "Meiner Meinung nach werden hier alle (!!) Entscheidungen, die für unsere
Gesellschaft relevant sind, vorab ausgehandelt, lange bevor sie in irgendein Parlament
gelangen."
Bittere Wahrheit oder geniale Fantasie?
Kritiker werfen Gaspard vor, mit einem perfiden Versteckspiel und aberwitzigen Theorien um
den Tod Uwe Barschels, der Identität von Kaspar Hauser oder den kriminellen
Machenschaften der Pharmaindustrie lediglich die Werbetrommel für seine, gerade dadurch
populär werdende Hörspielreihe, zu rühren. Solange er nicht in seiner Arbeit behindert wird,
stören den Autor diese Vorwürfe nicht im Geringsten: "Ich will die Wahrnehmungsfähigkeit
der Menschen umprogrammieren, ich will sie skeptisch machen, misstrauisch gegenüber dem
Mainstream. Ich will das Bewusstsein dafür schärfen, dass Wahrheit ein sehr veränderliches
Gut ist, das leicht zu manipulieren ist", sagt Gaspard. Wenn er dann noch die Menschen gut
entertaine und dazu beitrage, dass vergessene Medienformat Hörspiel als Kunstform in der
öffentlichkeit zu etablieren, dann habe er mehr erreicht, als er sich erhofft hätte.
Das sieht man bei seinem Auftraggeber Lübbe Audio ähnlich:"Sicher können wir durch eine
Hörspielserie keine Verbrechen aufklären, und wollen das auch gar nicht. Wir wollen auf
hohem Niveau unterhalten und zum Nachdenken anregen. Alle an der Produktion Beteiligten
zeigen unglaublich viel Freude und Engagement, das schlägt sich auch in der durchweg
positive Resonanz und den rasant steigenden Verkaufszahlen nieder", berichtet "Hörbuch-
Chef" Marc Sieper.
Viele Krimifreunde sind sich sicher, der größte Rätselpaß entsteht erst mit der Musik im
Abspann. Danach beginnt das in Fankreisen so genannten "Schorscheln": Das Recherchieren
von Indizien, die Jan Gaspards Verschwörungstheorien bestätigen oder auch widerlegen. Der
Meister des Versteckspiels verrät zwar viel, doch lässt er bewusst Fragen offen, um die Hörer
selbst auf die Wahrheit, sollte es sie denn geben, kommen zu lassen. Und um den Fans
natürlich auch das zu geben, was sie wollen: Das Geheimnisvolle. Wie viel Wahrheit und wie
viel Fiktion hinter Gaspards Theorien stecken, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Weltweit größtes Hörspielforum
Und wenn auch inhaltlich nicht alles Fakt sein mag, so ist es in jeden Fall Fakt, dass Herr
Gaspard eine unglaublich große Fangemeinde anzieht
Auf seiner Homepage (www.jan-gaspard.net) verfolgen bis zu 12.000 Besucher täglich und
200.000 Neugierige monatlich die Diskussionen der etwa 1200 registrierten User zu aktuellen
oder vergangenen Folgen.
Das Originäre ist, dass man sich nicht nur untereinander austauschen kann, sondern sich mit
dem geweckten Kriminalinstinkt direkt an Gaspard persönlich wenden kann. Der Autor und
Webmaster stellt sich regelmäßig allen Fragen, gibt Tipps, neue Lösungsansätze und lässt
seine Fans sogar über zukünftige Inhalte der Serie abstimmen und Ideen für Skripte
entsprechend in seine Arbeit einfließen. "Hier liegt eine große Anziehungskraft. Offenbarung
23 ist interaktiv. Das ist im Hörspielbereich eine absolute Innovation und fesselt die Hörer.",
erklärt Marc Sieper, der selber zum großen Fan geworden ist.
Das wichtigste "Schorschelwerkzeug" ist das ebenfalls von Internet- Usern gestaltete Online-
Lexikon Wikipedia. Speziell zur Hörspielserie gibt es ein detailliert aufgebautes, eigenes
Wikibeta, in dem sich alle wichtigen Schlagworte zu den Fällen und Verschwörungstheorien
nachschlagen lassen.
Sind die Fans erfolgreich? Gaspard sagt: "Zugegeben, ich habe sehr aufmerksame und clevere
Hörer. Aber die Hörspiele, die Texte, die Cover - eigentlich alles ist vollgestopft mit Rätseln,
Chiffren, Geheimnissen, die es zu lösen gilt." Die meisten seien sogar von den härtesten Fans
noch nicht gelöst. Einen vorsichtigen Vergleich wagt Gaspard sogar mit der Heiligen Schrift:
"Aus der Bibel gibt es das Vorbild des Buchs mit den sieben Siegeln; in dieser O23-Saga gibt
es tatsächlich sieben Verschlüsselungsebenen, die es für jene, die es wollen, zu entschlüsseln
gilt."
Um den Fans noch etwas mehr auf die Sprünge zu helfen gibt es einen neuen Clou:
Ein realer Workshop für "wahre Nachwuchsentschlüsseler". Inkognito will "Mr. X" einigen
Auserwählten und Zahlungskräftigen an einem geheimen Ort, Einblicke in seine Arbeit
gewähren. Das Seminar war in kürzester Zeit ausgebucht. Unterdessen sollen bereits
Planungen für eine mögliche Adaption von Inhalten und Themen der Serie für das Fernsehen
im Gespräch sein.
Geschichte spannend erleben
Neben einigen "Gaspard-Jüngern", die alles für "bare Münze" nehmen, ist der Großteil der
Nutzer, übrigens ganz im Sinne des Autors, grundsätzlich skeptisch. Eben auch, was seine
eigenen Theorien betrifft. Viele User stimuliert auch gar nicht die Wahrheitsfindung, sondern
der unumstritten stattfindende Lerneffekt, den das Hörspiel mit sich bringt. Neben all den
Verschwörungen ist Offenbarung 23, auch Geschichts-, Archäologie-, Medizin- oder
Erdkundelexikon. Spannend und lehrreich werden Erkenntnisse aus allen Wissensbereichen
vermittelt. Wer sich für ein Thema besonders interessiert, der findet Hinweise zur weiteren
Informationsbeschaffung. Viele Hörer geben an, sich erst durch die Serie inspiriert, für
aktuelle Politik und Nachrichten zu interessieren und Zusammenhänge besser zu verstehen.
Auch der Humor kommt bei Offenbarung 23 nicht zu kurz. Die Rolle des T-Rex ist sehr
lebendig gezeichnet. Mit einem ironischen Blick auf sich selbst, scheint er sich, wenn wieder
mal unzählige Gefahren auf ihn einprasseln, indirekt mit der Frage an seinen literarischen
Schöpfer zu wenden, warum gerade er für die Rolle ausgewählt wurde.
Sprecher David Nathan zeigt einmal mehr, warum er zu Deutschlands beliebtesten
Synchronsprechern gehört. Nie hat man Johnny Depp so lachen gehört, wie es sein Mime in
den "Outtakes" von Offenbarung 23 tut.
In der Episode "Jungbrunnen" geht T-Rex der Frage nach, warum seit Erfassung der
Kriminalstatistiken in Deutschland die Zahl der jährlich spurlos verschwundenen Kinder
nahezu konstant bleibt und wo hier der Zusammenhang mit der annähernd gleichen Anzahl
von Kindern zu ziehen ist, die einer Sage nach im Hameln des Jahres 1284 von einem
Rattenfänger verschleppt wurde.
Ein Ende der Hörspielreihe ist nicht in Sicht. Jan Gaspard hat lange vorgearbeitet. Soeben
erscheinen sind die wiederum mit allerlei Knobeleien voll gepackten Folgen "Ausgespäht und
Ausgetrickst" sowie "Sex and Crime".
Ob dann nach einem möglichen Schluss der Saga immer noch drei Fragezeichen stehen, bleibt
abzuwarten. Spannung, Diskussionsstoff und sicherlich mehr als ein Funken Wahrheit sind
jedenfalls garantiert.
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Über den Gastreporter:
Christian Hardinghaus ist Buchautor und als freier Journalist für verschiedene
Medien tätig. Den Kontakt zu Jan Gaspard stellte er während Recherchen zu einem
Artikel für ein deutsches People Magazin her. Erstaunt war der studierte
Medienwissenschaftler, dass Gaspard ihn direkt auf sein Buch "Die Mulholland Drive
Entschlüsselung" ansprach. Der Hörspielautor hatte sich vor dem Interview in
gewohnter Manier bereits schlau gemacht. über den Regisseur David Lynch, dessen
Filme beide sehr schätzen, kam man ins Plaudern, vor allem natürlich über
Verschwörungstheorien." Selbstverständlich immer nur per mail", sagt Hardinghaus,"
Ich kenne seine Identität nicht und Herr Gaspard riet mir, sie auch gar nicht kennen
zu wollen."
Das akzeptierte Hardinghaus und machte sich stattdessen daran, das Besondere von
Offenbarung 23 in einer Reportage herauszustellen.
Viel Freude beim Lesen!
Und vielen Dank an Christian Hardinghaus für die Bereitstellung der Reportage!
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