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Herr Lange - wie ist Opa Dracula eigentlich
entstanden?
Lange: Ich habe ursprünglich Hörspiel-Bearbeitungen
für den Hörverlag und für die Produktionsfirma
STIL geschrieben. Die Zusammenarbeit mit Herrn Bertling und Herrn
Hagitte von STIL hat sehr gut geklappt. Da haben wir uns dann
gesagt: Warum stellen wir nicht mal zusammen ein Projekt auf die
Beine?
Und das war dann Opa Dracula?
Lange: Genau. Wir haben zu dritt den groben Rahmen festgelegt.
Dann habe ich die Geschichten geschrieben, und das Ganze wurde
von uns gemeinsam produziert.
Opa Dracula ist also eine Koproduktion von STIL
und Lange.
Lange: Ja.
Im Hörspielbereich führen viele Autoren
auch Regie. Sie selber konzentrieren sich lieber aufs Schreiben?
Lange: Wichtige Fragen der Produktion entscheiden wir gemeinsam.
Ansonsten haben wir eine klare Arbeitsteilung. Außerdem:
ein guter Regisseur führt die Schauspieler und holt aus ihnen
die Gefühle heraus, die der Rolle entsprechen. Das könnte
ich gar nicht.
Wenn man sich eine Folge so anhört, war
der Aufwand, Opa Dracula zu produzieren, offensichtlich recht
hoch. Aber Sie haben Opa Dracula nicht als Auftragsarbeit geschrieben?
Lange: Nein, nein. Das war wirklich, ich sag' mal, unser Ding,
das wollten wir auf jeden Fall machen. Ein Risiko-Projekt, wenn
Sie so wollen.
Warum macht man sowas?
Lange: Hm. Ich glaube, letztendlich haben wir Hörspiele
gemacht, die wir als Kinder selber gern gehört hätten.
Lebendig. Bunt. Gute Stimmen – ganz wichtig. Die müssen
glaubwürdig sein.
Ein Beispiel?
Lange: Ich hatte mir zum Beispiel erst einen hageren Opa Dracula
vorgestellt. Aber als dann die Figurenskizzen von Olaf Hänsel
– unserem Zeichner - kamen und ich dazu die Stimme von Wolfgang
Völz gehört habe – da dachte ich: ja, das ist
Opa Dracula. Oder nehmen Sie die Kinder. Phantastisch! Pizzi könnte
ich manchmal direkt knutschen. Oft redet sie genauso, wie ich
die Stimme beim Schreiben im Kopf gehört habe. Auch ganz
wichtig sind tolle Soundeffekte, wo die Phantasie mitgehen kann.
Da haben die Opa-Dracula-Hörspiele ja Einiges
zu bieten…
Lange: Oh ja. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte.
Na … zum Beispiel in der Kleopatra-Folge die Szene, in der
al-Draculamses einen Sprungturm baut. Man hört, wie der Turm
immer größer wird. Nur durch den Soundeffekt. Wunderbar!
Sounddesign ist ein Spezialgebiet von STIL. Das geht bis zur Musik,
die wird extra für jede Folge geschrieben oder besonders
arrangiert.
Zum Beispiel in der Mozart-Folge?
Lange: Genau. Ich hatte ins Skript nur geschrieben, dass Mozart
Klavier spielt und dann ein bißchen ausflippt, so Jerry-Lee-Lewis-mäßig.
Herr Hagitte hat dann im Arrangement noch eins draufgesetzt. Als
ich die Rohfassung von der "Kleinen Nachtmusik" bekommen
habe, lief das bei mir in der Küche erstmal eine halbe Stunde
lang rauf und runter. Auf voller Lautstärke. Meine Freundin
stand unter der Dusche und hat sich gewundert, was ich auf einmal
für tolle Musik höre.
Was für einen Anspruch haben Sie an die
Storys?
Lange: Die Story darf nicht einfach nur witzig
sein. Eine gute Story hat auch einen tieferen Sinn.
Sie meinen nicht nur die zahlreichen Anspielungen,
die Sie eingebaut haben? Helmut Kohl oder Werner von Braun zum
Beispiel …
Lange: Anspielungen gehören einfach dazu. Die Erwachsenen,
die mithören, sollen ja auch was davon haben. Aber nehmen
Sie Kleopatra: in der Geschichte wird der Größenwahn
auf die Schippe genommen. Oder Napoleon: in der Folge geht es
auch um die lächerlichen Seiten von Eroberern.
Ist das nicht ein ausgesprochen pädagogischer
Ansatz?
Lange: Nö. Wir wollen schließlich nicht die Schule
ersetzen. Aber man kann Unterhaltung total gut mit Wissen kombinieren.
Vom Grundansatz her macht zum Beispiel Günter Jauch nichts
anderes. Und historische Figuren bieten sich für spannende
Geschichten geradezu an. Es kommt drauf an, was man daraus macht.
Stichwort Grundidee - erinnern die Opa-Dracula-Geschichten
nicht ein wenig an Käpt'n Blaubär? Ein Erwachsener,
Kinder, ein Verwandter … das kennt man doch?
Lange: Sicher, das kennt jeder aus seiner eigenen Familie. Aber
im Ernst: Käpt'n Blaubär und Opa Dracula werden zwar
beide von Wolfgang Völz gesprochen. Aber bei Opa Dracula
sind die Kinder die zentralen Figuren. Sie erleben selber ein
Abenteuer. Und die Geschichten ranken sich immer um eine historische
Person.
Eine letzte Frage, Herr Lange. Was machen Sie,
wenn Ihnen mal die Ideen ausgehen?
Lange: Ach, auf meinem Schreibtisch sitzt ein Murmeltier, aus
Stoff. Das kuckt mir bei der Arbeit zu. Und wenn ich mal nicht
weiter weiß, kann ich das Murmeltier fragen.
Herr Lange, ich danke Ihnen für dieses
Gespräch.
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