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"Open Sky" -Special

   Nachruf auf Erika Bolik

Erika Bolik

Jahrgang 1940. Aufgewachsen im Eichsfeld, am Südausläufer des Harzes - wohl eine der romantischsten Weideland-Gegenden Deutschlands und ein Fundus an spannenden Menschen (-und Hundecharakteren), verlor sie ihren Vater (Frontmelder) in den letzten Kriegstagen. Zusammen mit ihrer Mutter Elsbeth (geborene Mohnstein - einem verarmten Adelszweig) erlebte sie eine aufregende Jugend, die bis heute in alle ihre Geschichten und Charakterbeschreibeungen einfließt. Geschichen-Erzählen und Schreiben, waren schon immer ihre Leidenschaften. Lustige und ernste Gedichte begleiteten jeden iherer vielen Lebensabschnitte: Von der Kindheit in einer Backstube mit multiinstrumentalistischem Bäcker über viele Jahre auf einem Bauernhof bis hin zu einer rebellischen "Rock n' Roll" Jugend, die sich zum Großteil rund um ein Lokal namens "Apache" abspielte - ebenfalls ein Füllhorn an spannenden und amysierenden Geschichten. Sie behielt alle diese Geschichten und Menschen im Kopf - über Jahrzehnte! Denn als sie ihren Ehemann kennenlernte und mit iherer Mutter in ein altes Hofhaus am Nordharzrand zog, begann ein neuer und auch anstregender Lebensabschnitt, der kaum noch das Schreiben zuließ. Der Kampf um Gleichberechtigung in einem katholisch-konservativen Viel-Generationshaus kostete all ihre Kraft, zumahl sie sich aufopfernd um alle alternden Menschen in diesem Haus kümmerte und sie in hohem Alter pflegte. Ihre Vorgängerin (Schwiegermutter) starb ebenfalls zu früh und hinterließ Erika Bolik ein schwieriges Erbe. Für ihre Mutter als auch ihren Schwiegervater war sie die Bezugsperson und spätere Betreuerin. Doch Erika behielt immer ihren Humor und ihre Lebensfreude. Sie schien nie zu altern , und ihre besten Freunde kamen gröstenteils stets aus dem Umfeld ihres einzigen Kindes, Martin Bolik, dessen veerbtes Schreibtalent sie stets unterstützte.

Als Martin Bolik Ende der Achtziger nach Südafrika ging, Journalismus, Philosophie und Fotografie studierte, besuchten seine Deutschen Freunde weiter das "Regenbogenhaus", welches sich in der Zwischenzeit zu einem Haus für Kunst und Geschichten entwickelte. Ein Studienkollege (späterer Regenbogen-Partner A. Blum) richtete dort ein Grafik-Atellier ein, und Erika nannte es "Studio-Regenbogen"

Kurz nachdem die Hausältesten in selbigem nach kräftezehrenden Pflegejahren starben, erlitt Erika Bolik 1993 einen geistigen und körperlichen Gesamt-Zuammenbruch. Martin kehrte sofort zurück vom Kap der guten Hoffnung und widerlegte mit der Kraft des "dynamischen Duos" Bolik und Bolik, die Prognose, Erika Bolik hätte nur noch wenige Monate zu leben. Erika Bolik überlebte - mit unglaublicher Selbstdisziplin, Kampfeswillen und einer Perspektive: Martin Bolik machte seine Mutter noch auf der Intensivstation zur Geschäftspartnerin und Kollegin bei Studio Regenbogen. Nach einer langen Genesungsphase wurde sie zur Seele des Ateliers und 1996 zur eigentlichen Chefin im Studio Regenbogen.

Von da an war es ihrem Geist und ihrer Energie zu verdanken, dass aus dem Grafik-Atelier ein professionelles "StoryTellers-House" wurde. Bolik und Bolik bündelten ihre Energien. Aus den Ideen von Erika Bolik wurden Märchenbücher, Hörspiele, Romane und Filme. Martin Bolik erfand Geschichten, und Erika füllte sie mit Charakter-Leben; Erika Bolik erzählte aus ihrer Jugend, und Martin machte daraus Geschichten. Auch als Martin Bolik jeweils für ein paar Monate im Jahr weiter gen Südafrika zog, schrieben die beiden zusammen Geschichten und ihre ersten Erfolge. "Capeballoons" und "Children of Paradise" gehörten zu den ersten Erfolgen im Radio-Nachtprogramm und im Fernsehen.

Der Durchbruch gelang beiden aber mit dem Märchen DER ZAUBERKOCH IM REGENBOGENLAND - über das Paradies in jedem von uns und um uns herum. Diese Philosophie war Erika Boliks Leben. Mehr und mehr zog sie sich auf Hof und in den großen wilden Garten zurück und verließ den Hof fast ausschliesslich in ihren Geschichten und Gedichten. Ihr letztes Gedicht ging über Anzeigen in Tageszeitungen, homepages im www und e-mails in alle Welt. Die Resonanz ist unglaublich und hält weiter an. Ihre lebensbejahende Art, herzliche Offenheit und aufopfernde Hilfsbereitschaft brachten ihr Freunde in Südafrika, Australien, England und Kanada, die sie natürlich auch im Regenbogenhaus besuchten.

Als Erika Bolik 1998 die Idee zu OPEN SKY kam und Martin Boliks Lebenspartnerin einen Energieabfall bei ihrem Gefährten entdeckte, schickte sie ihn mit der Idee von OPEN SKY ins Hippy Hinterland von Ibiza und ließ ihn schreiben. Ostern 1999 präsentierte er der Familie die Einleitung zu OPEN SKY - Abenteuer eines Weltraumreisenden Hundes. Von da an liefen Bolik und Bolik zu Hochform auf - der Rest ist Geschichte von OPEN SKY und vielen weiteren gemeinsamen Projekten für Radio, Film und Hörspiel....

Martin Bolik erweiterte das Regenbogenhaus um Lebenspartnerin Anna und Sohn Louis Matheo, der Erika Boliks Kreativität noch einmal zu steigern vermochte, da (Enkel)Kinder ja bekanntlich viel von dem zurückbringen, was längst vergessen in uns schlummert...

Doch die aufreibende Kapitalbeschaffung für das Open-Sky-Projekt machte manchen "Alltag" zur Hölle im Paradies. Ein Zustand, der in Deutschland leider immer öfter zum AUS von ambitionierten Projekten führt, da vielen Autoren vor der Luft das Geld ausgeht und die deutschen Banken so gut wie nie unabhängige Projekte kreditieren. Bolik und Bolik blieben stark.

Aber wohl nicht stark genug: Erika Bolik erlitt 2003 eine ungewöhnlich starke Chronische Bronchtis im Sommer des Jahrtausends und musste eine Zwangspause einlegen. Nur das große Kinderfilmprojekt "Winnetou darf nicht sterben" wurde weiter von ihr bearbeitet. Vier Wochen vor der wichtigen Entscheidung über exestentielle Fördergelder für das Drehbuch und vier Wochen nach Ausbruch der Bronchitis ging es ihr sichtlich besser. Humor und Seele kehrten noch einmal zurück ins Regenbogenhaus und ein Aufatmen ging durch die große Familie aus Studiokollegen, Freunden, Kindern und Lebensgefährten.... Das Wetter spielte mit und lieferte kühlere Tage zum Entspannen. Doch nur 4 Tage später, am Mittwoch den 30.08.03, als Martin Bolik gearde eine lang vermiedenes Lied über den Verlust einer Mutter im CD Player hatte (Momma, ELO), erlitt Erika Bolik einen überaus harten, unvorhersehbaren Herzinfarkt beim Lesen eines Buches in der Mittagsruhe. Martin Bolik und seine Lebenspartnerin (Krankenschwester) versuchten alles, um ihren Puls zu stabilisieren, sie wiederzubeleben. 30 Minuten kämpften sie zusammen mit dem Notarzt um einen Herzschlag. Erika Bolik kämpfte mit und reagierte immer wieder auf Zurufe. Doch ihr Körper siegte über den Geist.

Bolik und Bolik hatten nicht nur gerade erst ein grosses Kinderfilmprojekt ("Winnetou wird nicht sterben") entwickelt, sondern auch noch viele gemeinsame Radio und-Fernsehkonzepte entworfen, von denen einige schon auf den Weg gebracht sind.

Martin Bolik: "Mit 'Winnetou wird nicht sterben' werde ich ihr ein Denkmal setzen, zumal noch viele Charakterbios für dieses Projekt von ihr gefertigt wurden und wir in der Zwischenzeit an der story gefeilt und weitergearbeitet haben... Von allen Co-Autoren, mit denen ich zusammenarbeite, war und ist sie die wohl kritischste und humorvollste. Ich wünschte, ich hätte vor ihrem Dimensionswechsel mehr auf ihren Rat gehört - jetzt werde
ich dies mit Sicherheit tun.

Erika Bolik war ein heller Stern im Hintergrund, der viel zu spät gewürdigt wurde: Mehrere Hundert Anteilnahmen vom Landtag, über berühmte Autorenkollegen/innen bis hin zu Filminstitutionen und der Presse nahmen Anteil. Weitere hunderte von mails gingen und gehen bei Studio Regenbogen noch täglich ein, teils mit sehr tiefgehenden Gedanken.... Erika Bolik wird weiterleben in Martin Bolik, ihren Ideen, Geschichten und natürlich ihren Gedichten.

Die Blätter bewegen sich im Wind
Sie flüstern bewegen sich im Wind,
Beeile Dich lauf fort mein Kind,
an einen anderen Ort, nur fort, nur fort.
Wenn Du dort angekommen,
bist Du ja noch ganz benommen.
Doch sieh Dich um, die Blumen,
die Menschen, sie Dich grüßen,
die Welt liegt Dir zu Deinen Füßen.

Es ist, als ob das Leben beginnt von vorn,
blick zurück, doch nicht im Zorn.
Nun blick nach vorn, nicht mehr zurück,
wie wenig ist doch nötig zum Glück...
Erika Bolik

Ihr Enkel Louis Matheo kann sie (wie viele Kinder) noch immer sehen.... Erika Bolik hatte mit ihrer kindlich-ehrlichen Seele ebenfalls diese Gabe, mehr zu sehen als der erwachsene Mensch meist nur noch imstande ist. Ihr Wunsch war es, stets zu teilen - auch diese Gabe. Sie steckt in allen ihren Geschichten und Gedichten und wartet darauf geteilt zu werden.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


in Kooperation mit
Studio Regenbogen


Redaktion: Martin Bolik


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Kontakt: CHRizzz | eMail: chrizzz@hoerspiele.deGrafik by ''Lillebror''



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