Beschreibung:

Poes Schiff liegt vor einer einsamen Insel, um Frischwasser aufzunehmen. Der Ort erscheint dem Mann ohne Gedächtnis seltsam vertraut. In der Nacht geistern Figuren mit dem Gesicht seines Arztes und dem von Leonie in einem düsteren Traum über die Insel. Daraufhin entschliesst sich Poe, zur Insel hinüberzurudern. Dort wird er bereits erwartet: vom Tod.
Dauer: 72.39 Minuten
Hörspielbearbeitung: Melchior Hala Regie, Hörspielmusik, Ton: Christian Hagitte und Simon Bertling Nach einer Idee von Dicky Hank, Marc Sieper und Thomas Weigelt
VÖ: 06.12.2004
Bestellnummer: CD: 1449 / MC: 1448

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  Kommentare:
boxhamster (10.12.2007)
grimsby roylott (14.07.2007)
goldstatue (05.08.2006)
jones27 (14.02.2006)
larry (05.05.2005)
maltin (18.02.2005)
chrizzz (10.02.2005)
quatermass (23.01.2005)
tone1238 (02.01.2005)
die hörkuh (25.12.2004)

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Kommentar von
grimsby roylott
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"[He] removed the peg which marked the spot where the beetle fell, to a spot about three inches to the westward of its former position." Wer sich daran stört - und ein Großteil meiner Vorrezensent/innen tut dies offenbar - dass eine Differenz von "three inches" (was nach unserem metrischen System weniger als 8cm sind) beim Ausgraben einer großen Truhe und zweier Skelette einen Unterschied machen soll, der stört sich ganz zu Recht dran! Poes Geschichte ist weitestgehend ähnlich aufgebaut, wie das Hörspiel (abzüglich der Doktor-Geschichte und natürlich ist Legrand hier ein Mann namens William und keine Frau). Dieser Teil nimmt in meiner Ausgabe 14 Seiten ein. Allerdings geht Poes Original-Geschichte nach dem Ausheben des großen Schatzes (in meiner Ausgabe) noch 15 Seiten weiter, in denen Legrand mit großer Akribie berichtet, was auf dem Pergament stand und wie er diesen Geheimcode entschlüsseln konnte. Während also der erste Teil die Exposition, das Finden des Käfers, das seltsame Verhalten Legrands, die nächtliche Schatzsuche, Misserfolg, Korrektur und schließlich den Erfolg schildert, beschäftigt sich der zweite Teil der Erzählung (der im Hörspiel fehlt, bzw von "Lucy Legrand" mit den Worten "Das sind Einzelheiten mit denen ich Sie jetzt nicht langweilen möchte!" abgetan wird) ausschließlich mit dem Dechiffrieren einer Geheimschrift und mit nichts anderem. Die Handlung von Teil 1 scheint für Poe also lediglich die nötige Rahmenhandlung zu sein, um das zentrale Anliegen der Geschichte, die Analyse des komplexen Kryptogramms, zu motivieren. Wie schwierig eine derartige Analyse von Geheimschriften im Hörspiel umzusetzen ist, sieht man an der misslungenen Maritim-Vertonung der Sherlock Holmes-Geschichte "The Dancing Men"... Diese Poe-Folge verzichtet folglich ganz auf Teil 2 der Original-Geschichte und konzentriert sich auf die Schatzsucher-Episoden des ersten Teils. Das ist natürlich ein grober Eingriff in die Poe-Geschichte und ich bilde mir ein, dass man die daraus entstehende Inkohärenz deutlich spüren kann - was sich nicht zuletzt auch in den bisherigen Rezensionen niederschlägt. Für alle, die die Geschichte kennen, fehlt natürlich der ZENTRALE Teil, für alle anderen fehlt zumindest IRGENDWAS! Daher ist diese Folge vielleicht der erste kleine Einbruch in der sonst so überragenden Serie.
Das Hörspiel will dann vielleicht auch zuviel: die Leonie-"Poe"-Beziehung weitertreiben, den Doktor erstmalig als finsteren Rivalen offenbaren, mit dem Kapitän eine weitere zentrale Handlungsfigur einführen, die Anschlagsserie auf "Poe" auf den Gipfel treiben und schließlich noch den Traum, d.h. die originale Poe-Geschichte erzählen... Das Hörspiel übernimmt sich spürbar, man hätte alle diese Elemente auf zwei Hörspiele aufteilen sollen. Zumal diese Folge schließlich auch eine stolze (Über-)Länge von 72 Minuten erreicht!! "Der Goldkäfer" ist durch seine Konzentration auf eine Geheimschrift eigentlich unvertonbar und man hätte vielleicht eine andere Geschichte auswählen sollen.
Nichtsdestotrotz bleibt die hervorragende Sprecherleistung, die lupenreine Produktion und die großartige Musik (v.a. die "Festsaal-Musik" relativ zu Beginn der Traumsequenz), die das Hörspiel immer noch hörenswert machen.
Fazit: Aus den bisherigen Folgen die schlechteste. "Der Goldkäfer" will einfach zu viel in einer einzigen Folge erzählen; er ist nicht nur zu lang geraten (72 Min.) sondern auch langatmig - und das obwohl über die Hälfte der eigentlich Poe-Erzählung im Hörspiel ausgelassen wurde!! Was übrig bleibt ist ein Hörspiel, das durch Produktion, Musik und v.a. durch seine Sprecher/innen punkten kann. Poes "Goldkäfer" bleibt unvertonbar - man muss ihn ganz einfach lesen. Ich gebe 3 von 5 Sternen.
-- grimsby roylott (f.k.a. captaineike) --

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