Mit dieser Folge haben sich Lübbe Audio/Wort Art fast selbst übertroffen: Eine wahre Atmosphären-Bombe, düster, bedrohlich, unheimlich - dazu die gewohnt erstklassigen Sprecherleistungen und immer gezielterer Einsatz verschiedener Musiken und Geräuscheffekte.
Die Story:
Jason Dark lieferte mit der Vorlage eine der fesselndsten Sinclair-Folgen überhaupt; die Handlung wird ohne Wirren vorangetrieben und gipfelt in einer der bis jetzt düstersten Geschichten der Serie. Alles, was man sich von anständigem Horror erwartet ist dabei: Dämonen, unheimliche Phänomene und die permanente Bedrohung inklusive scheinbar übermächtiger, weil unfassbarer Wesen. Einzig dem für einige wohl etwas kurz geratnem Ende kann man etwas ankreiden - ansonsten: Gekonnt, Herr Dark!
Die Umsetzung:
Hier gibt es wieder die gewohnt-brachiale Dröhnung, die auf den Punkt genau eingesetzt wird - wer bei dieser Folge einschlafen möchte, sollte sich nochmal überlegen, ob die Wahl so goldig war :-). Doch nicht nur die "Boxen-Killer" sind vorhanden, sondern auch die nicht minder gruseligen "sanften" Töne, etwa wenn der noch körperlose Geist des untoten Inquisitors in der gespenstischen Szenerie des Gebeinhauses vernehmbar ist. Die Kombination aus laut und leise, aus greifbarem und un(be)greifbarem wie etwa die rote Wolkenwand, aus Musik und Effekten, ist schlichtweg atemberaubend. Wer nach einer Alternative zu den mittlerweile oftmals lächerlichen TV-/Kino-Horrorfilmen sucht, sollte hier zugreifen.
Die Sprecher:
Lutz Riedel ist wieder dabei: Will Mallmann taucht hier erstmals mit seiner Freundin (und künftigen Frau) Karin Becker auf. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Sehr gut. Einzig schade ist, daß -auch in den kommenden Folgen- die Dämonen fast allesamt identisch klingen, da die Stimmen der Sprecher via Stimmverzerrer in wesentlich tiefere Regionen gezogen wurden. Das klingt auf der einen Seite wirklich imposant und unheimlich, auf der anderen Seite kann man nach dem Hören auch der nächsten Episoden die einzelnen Schergen Asmodis' kaum noch auseinanderhalten: Der schwarze Tod klingt wie der Spuk klingt wie Krogman klingt wie Sinistro. Die Sprecher, allesamt von Rang und Namen wie Douglas Welbat, Boris Tessmann oder Udo Schenk, verlieren dabei ihre charakteristischen Eigenschaften; hier wären wahrscheinlich "sanftere" Dämonisierungen wie Hall oder nicht gar so drastische Verzerrung der Sprecher besser gewesen, so hat man jedoch ein zweischneidiges Schwert erschaffen: Tritt einer Dämonen allein in einer Folge auf, ist es imposant - treten mehrere auf, wird es schwierig für den Hörer, diese auseinanderzuhalten; selbiger Effekt tritt dann auch bei den "Hauptdämonen" auf, die in mehreren Folgen mitwirken: Der Spuk etwa, oder der schwarze Tod.
Die Musik:
Wesentlich zur düsteren Atmosphäre trägt die musikalische Untermalung bei; so ist neben den erfreulicherweise beibehaltenen "alten" Themen wieder einiges an neuen Stücken dabei, die mit einer Perfektion in den jeweiligen Szene eingesetzt werden, die ihresgleichen sucht. Nie wirkt die Musik störend, sondern immer handlungsuntermalend -so wie es sich eigentlich gehört.
Die Effekte:
Egal ob Erdbeben, geisterhaftes Gesäusel, unheimliche Laute, die aus dem mysteriösen Felsen dringen, brachiale Effekte wie Explosionen oder "normale" Effekte wie Türenschlagen, graben und ähnliches: Alles klingt realistisch und wird gekonnt eingesetzt. Die Schockeffekte kommen als solche voll und ganz rüber.
Fazit:
Mit "Knochensaat" liegt eines, wenn nicht gar DAS Highlight der dritten Sinclair 2000-Staffel vor. Eine packende Geschichte mit wieder einmal ausgezeichneten Sprecherleistungen und einer ständig wachsenden und immer besser eingesetzten Effekt- und Musikpalette garantieren knapp eine Stunde beste Horrorunterhaltung.