Erster Eindruck: Gruselhörspiel vom Feinsten
Der englische Anwaltsschreiber Jonathan Harker soll im weit entfernten Rumänien Verhandlungen mit dem dort lebenden Grafen Dracula führen. Doch schon vor seiner Ankunft kommen Zweifel in ihm auf: Die Bewohner der Gegend scheinen unglaubliche Angst vor dem Grafen zu haben. Auch im Schloss geschehen merkwürdige Dinge, und schließlich ist Jonathan sicher: Sein Gastgeber ist ein Vampir! Nach langen Planungen gelingt ihm schließlich die Flucht. Doch Graf Dracula sinnt auf Rache!
Einen der bekanntesten Schauerromane aus der Feder von Bram Stoker hat das Label Europa im Jahr 1970 vertont und als 48. Folge der Reihe "Die Originale" wiederveröffentlicht. Die Faszination, die von diesem Hörspiel ausgeht, ist ungebrochen, das Grauen schleicht sich langsam ein, steigert sich immer mehr und gipfelt in einem furiosen Ende. In 48 Minuten zusammengefasst ist logischerweise einiges aus dem Roman gekürzt worden, die wichtigsten Ereignisse werden allerdings gut umgesetzt. Nur die Passage, in der Lucy Westenraa zur Vampirin wird und schließlich von van Helsing und Jonathan vernichtet wird, wirkt etwas hölzern und stört irgendwie den Erzählfluss der Geschichte. Insgesamt ist das Hörspiel aber äußerst gelungen und sorgt für gruselige Unterhaltung.
Als Erzähler hören wir Hans Paetsch, dessen Stimme meist mit Märchenhörspielen in Verbindung gebracht wird. Deswegen ist es leicht irritierend, ihn nun in diesem schaurigen Stück zu hören. Die allerletzte Szene, in der er vor dem Fortbestehen Draculas warnt, ist aber dermaßen intensiv und Gänsehaut erzeugend gesprochen, dass er doch eine sehr gute Wahl gewesen ist. Eine überzeugende Arbeit hat auch Charles Regnier gebracht, der den berühmtesten aller Blutsauger mit Inbrunst und Hinterlist zum Leben erweckt. Michael Poelchau spricht Jonathan und vertont die Rolle ebenfalls sehr zufriedenstellend. Eine fantastische Interpretation der drei Vampirbräute liefern Heike Kintzel, Hella von der Osten-Sacken und Ingeborg Kallweit ab, denen höchstes Lob gebührt. Weitere Sprecher sind unter anderem Reinhilt Schneider, Werner Hinz und Katharina Brauren.
Für heutige Verhältnisse mag die Musik altbacken wirken, was aufgrund des Alters der Produktion kein Wunder ist. Trotzdem ist sie passend und verstärkt die spannung, da sie sehr gut eingefügt ist. Auch die Geräusche halten sich eher im Hintergrund, was die Sprecher mit ihrer tollen Interpretation aber gleich wieder ausgleichen können.
Das Cover ist ein echtes Highlight! Düster, schaurig und Angst einflößend wirkt es durch die verwendeten blauen und schwarzen Farbtöne, die tolle Gestaltung fängt unglaublich gut die Stimmung des Hörspiels ein. Toll!
Fazit: Eine der besten Umsetzungen der Dracula-Geschichte, die zwar anders aufgebaut ist als heutige Vampirhörspiele, aber ihren ganz eigenen Reiz ausübt und so ein Muss für jeden Hörspielfan darstellt.
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