Wer „Anne auf Green Gables“ als Kind hörte und nun auf der
Suche nach einer gruseligen Alternative ist, sollte diesem Hörspiel lauschen.
18 Sprecher sind in diesem Machwerk zu hören. Einmal mehr Marlene
Bosenius, die überaus liebenswert die kleine Rosamond spielt. Die Regie hat
sogar darauf geachtet, die Laute aufzunehmen, die viel Kinder beim Laufen
machen. Herzallerliebst! Und herzzerreißend, wenn es um den Konflikt geht, den
Ella Refle, die Tochter von Claudia Urbschat-Mingues, als „Maudes Tochter“
heraufbeschwört.
Den Kniff die Geschichte aus der Erinnerung durch Herma
Koehn als Erzählerin und altes Kindermädchen wiederzugeben, ist inhaltlich nicht
weiter von Belang. Es mag Menschen geben, die es mögen, wenn der Erzählpart
nicht von einem aktiv im Hörspiel agierenden Sprecher vorgetragen wird. Der
Kniff tut dem Hörspiel insofern gut, dass die ältere Stimme dem Geschehen
leichter etwas Gruseliges einhauchen kann. Das ist gelungen, ebenso wie die
lebensfrohe Darstellung der jungen Hester durch Julia DeLuise. Ich finde es amüsant,
dass die gleiche Sprecherin eine ähnliche Rolle (Gesellschafterin statt
Kindermädchen) in Folge 65 (noch als Julia Stoepel) innehatte. Acht Jahre und 100
Folgen später zeigt sie eine noch größere Bandbreite und überzeugt eben nicht nur
als 18jährige, sondern auch als 14jährige Jugendliche und junge Erwachsene.
Jürgen Thormanns Einsatz – zusammen mit Lutz Reichert –
erinnert mich sofort an Klassiker wie den kleinen Lord oder Anne aus Green
Gables: Die Welt ist ungerecht, doch die Protagonisten machen das Beste darauf.
Zum Dahinschmelzen!
Horst Naumann, Monika John und Reinhilt Schneider schließt
man direkt mit ihren Figuren ins Herz. Elga Schütz und Ingeborg Kallweit überzeugen
mit dem gegenteiligen Eindruck. Die Kontraste werden hervorragen stimmlich
dargestellt.
Die Atmosphäre dieses Hörspiels ist einmalig! Die Sprecher erwecken
die Handlung zum Leben und die grandiose niemals aufdringliche Geräusch- und
Musikkulisse lassen eine unglaubliche Atmosphäre entstehen, die einen in den
Bann zieht.
Das wunderschöne Cover fängt perfekt die unheimliche
Bedrohung ein. Mein Lieblingscover des Jahres 2020!
Fazit
Ein hochatmosphärisches Hörspiel, dem der Spagat zwischen Familiendrama und
Grusel wunderbar gelingt.
„Mit Dank an Dr. K!“ – Was sich dahinter wohl verbirgt?