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Gruselkabinett - 166 - Bisclavret (Marie de France) (Titania Medien)

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Beschreibung:

Bretagne, um 1170: Der ehrbare Ritter Eric de Bisclavret verschwindet sehr zum Ärger seiner Ehefrau Catherine jeden Monat für drei Tage, ohne jemanden von seinem Verbleib in Kenntnis zu setzen. Als die Gattin erfährt, dass er sich in dieser Zeit in einen Werwolf verwandelt, sorgt sie durch eine List dafür, dass er nicht zurückkehren kann, und beginnt ein neues Leben. Der Werwolf sucht Zuflucht bei seinem Lehnsherrn und sinnt auf Rache…

Dauer: 70.24 Minuten

Buch: Marc Gruppe
Lektorat: Dr. Daniela Stöger
Produktion & Regie: Stephan Bosenius & Marc Gruppe
Aufgenommen im Titania Medien Studio, bei advertunes und in den Planet Earth Studios
Gemischt von Kazuya c/o Bionic Beats
Mastering: Michael Schwabe, Monoposto
Cover-Illustration: Ertugrul Edirne
Layout: Doreen Enderlein

VÖ: 21.12.2020

Bestellnummer:
CD: 9783785781937




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Kommentare:

acquire (30.12.2020)



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  Kommentar von acquire :

„Bisclavret“ von Marie de France in einer Bearbeitung von Marc Gruppe ist ein grandioses Hörspiel um ein Jahr zu beenden. Zuallererst ist da das düstere Covermotiv, das den Werwolf zeigt. Dann spielt die Geschichte im Mittelalter (genauer: im zwölften Jahrhundert), sodass das Hörspiel etwas rauer und altertümlicher daherkommt und zumindest mich zum Nachsinnen einlädt, diese lang vergangene Zeit geistig wiederauferstehen zu lassen. Das Gruselhörspiel kommt recht märchenhaft daher (vielleicht liegt das an der Entstehungszeit oder Marc Gruppes Können?) und erinnert ein wenig an „Die Schöne und das Biest“, da in beiden Fällen ein gesellschaftlich angesehener Mann in eine Bestie verwandelt wird und wohl jede/r Lauschende sich fragt, ob das Biest befreit werden kann und zu seiner menschlichen Form wiederfindet.  Anders als das „Titania Special 15“ schreckt dieses Hörspiel weder vor erotischen Szenen noch vor Gewaltdarstellungen zurück.

Das bretonische Wort „Bisclavret“ ist laut Wikipedia gleichbedeutend mit „Werwolf“, wobei die Autorin den Protagonisten Bisclavret deutlich vom Werwolf abgegrenzt sehe. Dies dürfte auch den Zuhörern bei dieser Adaption aufgefallen sein und genau das verleiht der Geschichte eine schöne Eigenständigkeit: Sie grenzt sich deutlich von anderen Werwolfgeschichten ab.

Marc Gruppe hat das kurze Original um weitere Figuren (wie zum Beispiel die Kammerfrau Agnes) und Wendungen erweitert. Besonders die Erotikszenen sind ihm zuzuschreiben. Die wichtigste Änderung ist für mich das Intervall, in dem der Ritter Bisclavret verschwindet: monatlich statt wöchentlich. Die dazugehörige Erklärung passt besser zur heute allgemein bekannten Werwolflegende. Das wöchentliche Fernbleiben für drei Tage erklärt jedoch im Original besonders charmant (aufgrund der Wortwahl) das Verlangen der Frau des Ritters, den Grund zu erfahren. Dies finde ich im Hörspiel weniger charmant (transportiert), was aber wesentlich besser zur anderen Charakteristik der Ehefrau passt. Die Vornamen (Eric und Catherine) stammen übrigens ebenfalls von Marc Gruppe wie auch alle weiteren Namen, von „Bisclavret“ abgesehen. Marc Gruppe hat die Geschichte ordentlich bereichert, um viele Wendungen ergänzt und besonders des Ritters Frau vielschichtiger gestaltet. Die von Marc Gruppe erweiterten romantischen Motive sind überaus vielfältig, sodass auch der Ritter Bisclavret eine äußerst interessante Figur abgibt und mehr ist als ein Werwolf. Gleiches gilt für die Dialoge des Königs. Insgesamt sind die ausgestalteten Beziehungen der Figuren verflochtener und interessanter als im kurzen Original, dem aufgrund seiner Erzählform kein Platz für ausführlichere Charakterdarstellungen bleibt. Mir gefällt überdies, dass im Hörspiel der Mann unwissend Böses tut statt als Mitwisser.

Den „Klappentext“ des Hörspiels finde ich nicht sonderlich gelungen. Besonders der letzte Satz stört mich. Mir wird schlichtweg zu viel verraten.

Wie bereits bei „Die Schöne und das Biest, Titania Special 15“ beweist Jean Paul Baeck einmal mehr, wie gekonnt er es schafft tierische Laute in seiner Sprache unterzubringen.
Antje von der Ahe begeistert mich mit ihrer Wandlung vom Ersteindruck der liebenden und verliebten Ehefrau zur durchtriebenen Dame, unterstützt von ihrer Kammerfrau, die wunderbar von Sabina Trooger zum Leben erweckt wird.

Christian Stark ist als verständnisvoller, nachsichtiger König von Frankreich zu hören. Dessen Mutter wird von Ursula Sieg gesprochen und Sascha von Zambelly spielt seinen Freund Julian.
Marc Gruppe überzeugt als heiserer Folterknecht, Rolf Berg als verliebter Ritter, Bern Kreibich als geschätzter Ratgeber des Königs und Peter Weis als Erzähler.

Wie gewohnt unterstützt die Musik- und Geräuschauswahl gekonnt die jeweilige Stimmung und Szene. Die Werwolf-Verwandlungen finde ich besonders beeindruckend.

Fazit
Eine großartige Geschichte, die stets interessant und lebendig bleibt. Marc Gruppe hat das Original um vielschichtige Figuren, Motive, Entwicklungen und Wendungen bereichert. Grandios!


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